Seite 66 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_10_2011

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Die Wohnsiedlung Buchheimer Weg/Gre-
venstraße liegt am östlichen Rand Kölns,
sechs Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.
Sie ist Teil einer Siedlung der 1950er Jahre,
die heute ungefähr ein Fünftel des Stadt-
teils Ostheim einnimmt und mit ihren Zei-
lenbauten und offenen
Freiräumen typisch ist
für den Nachkriegsstäd-
tebau in Deutschland.
50 Jahre nach ihrer
Errichtung befanden sich
die Gebäude in einem
sehr schlechten Zustand,
da sie im Rahmen eines
Programms zur Wohn-
raumbeschaffung sehr
schnell und teils mit
minderwertigen Materi-
alien aufgebaut worden
waren. Die Eigentümerin,
die GAG Immobilien AG,
hat die dringend nötige
Sanierung der Gebäude
im östlichen Teil bereits
durchgeführt. Hier zeigte
sich die Bausubstanz
in einem sanierbaren
Zustand. Die Wohnungen
wurden unter anderem
mit Balkonen oder Mie-
tergärten versehen, die
Grundrisse einer zeitgemäßen Nutzung
angepasst und Dachgeschosse ausgebaut.
Die städtebauliche Struktur wurde durch
einzelne Neubauten ergänzt.
Siedlungsstruktur bleibt erhalten
Für den westlichen Teil der Siedlung ent-
schied sich die Eigentümerin für eine andere
Vorgehensweise, da das Kostenverhältnis
zwischen Modernisierung einerseits und
Abriss/Neubau andererseits sehr schnell die
zweite Lösung nahelegte. Im Rahmen eines
Gutachterverfahrens wurden verschiedene
Konzepte für Abriss und Neubau ermittelt.
„Unsere Vorgaben für die Neubebauung
waren vielfältig“, erläutert Thomas Gisder,
Projektleiter bei der GAG Immobilien AG.
„Die Wohnflächen sollten deutlich erhöht
werden und die Privatsphäre des Einzelnen
gewährleisten. Gleichzeitig wollten wir die
Freiflächen zwischen den Häusern erhalten
und dabei attraktiver sowie abwechslungs-
reicher gestalten. Nicht zuletzt galt es, den
alten Baumbestand so weit wie möglich
zu bewahren.“ Das Büro ASTOC Architects
and Planners ging erfolgreich aus dem
Verfahren hervor mit dem Konzept, den
Gesamtzusammenhang der Siedlung zu
erhalten. Die vorhandenen Qualitäten der
Siedlungsstruktur der 50er Jahre wurden
konzeptionell übernommen und lediglich
die negativen Aspekte beseitigt.
Zwei Baukörpertypen ersetzen die
abgerissenen Häuser
HervorstechendesMerkmal der bestehenden
Siedlungsstruktur waren die großzügigen,
fließenden Freiräume mit altem Baumbe-
stand. Ihre fehlende Differenzierung führte
zu Orientierungsschwierigkeiten. Es gab
keine klare Zuordnung zu den unterschied-
lichen Nutzerbedürfnissen. Die Gebäude
standen bezugslos im Grünen, die Erdge-
schosswohnungen hatten keinen Kontakt
zum Freiraum. Im städtebaulichen Konzept
ersetzte ASTOC daher die Bestandsbauten
durch etwas voluminösere, im Grundriss
leicht gewinkelte Zeilen. Die Winkelform
der Neubauten ermög-
licht durch ihre räumliche
Anordnung hofähnliche
Bereiche zwischen den
Häusern, an denen die
Er schl ießungen und
andereTreffpunkteliegen.
Gleichzeitig erhalten sie
den „fließenden“ Frei-
raum, der die einzelnen
Teile der Siedlung ver-
bindet. Mit lediglich zwei
Baukörper typen wird
durch deren unterschied-
liche Ausrichtung und
Stellung Vielfalt und Vari-
antenreichtum sowohl
für die Außenräume als
auch für die Wohnungen
selbst erzielt: Die „Häuser
mit Knick“ geben der
„neuen alten“ Siedlung
ein unverwechselbares
Erscheinungsbild.
In zwei Bauabschnitten
wurden bereits 283 neue Wohnungen mit
insgesamt 17.500 Quadratmetern Wohn-
fläche am Buchheimer Weg und an der
Grevenstraße errichtet. Der dritte und letzte
Bauabschnitt wird voraussichtlich Mitte
2012 abgeschlossen. Bis dahin werden
weitere 152 Wohnungen sowie eine Kinder-
tagesstätte, Büroflächen für verschiedene
Sozialträger in Ostheim, ein barrierefreies
Wohnheim für Menschen mit Behinderung
sowie eine Begegnungsstätte oder ein Café
für die Mieterinnen und Mieter der Sied-
lung errichtet. Die Wohn- und Nutzfläche
in diesem Bauabschnitt beträgt insgesamt
rund 12.000 Quadratmeter.
Jörg Fleischer, Köln
GAG Immobilien AG
joerg.fleischer@gag-koeln.de
Durch die Winkelform der Häuser entstehen hofähnliche Freiräume.
Quelle: GAG Immobilien AG
GAG Immobilien AG
„Häuser mit Knick“ ersetzen alte Siedlung
Die GAG Immobilien AG entschied sich, bei einer Wohnsiedlung in Köln-Ostheim teilweise die Bestandsbauten
durch Neubauten zu ersetzen. Eine energetische Sanierung des Bestandes aus den 1950er Jahren erwies sich hier als
unwirtschaftlich.
Die Wohnungswirtschaft
10/2011
Unternehmen
64
Ersatzneubau