Bekanntheitsgrad zu steigern und mit
Kunden in Kontakt zu kommen.
Warum Wohnungsunternehmen das Film-
portal YouTube zumindest beobachten
sollten, zeige die Geschichte eines Woh-
nungsunternehmens, deren Mitarbeitern es
verboten war, während ihrer Arbeitszeit die
Seiten von YouTube aufzurufen. Deshalb fiel
ihnen auch nicht auf, dass ihr Unternehmen
dort bereits vertreten war. Eine Mieterin
hatte ein Video online gestellt, das auf
eindrucksvolle Weise den Schimmel in ihrer
Wohnung zeigte und sich großer Beliebt-
heit erfreute. Ebenso bietet es sich an, die
Foren und Verbraucherportale
nach Äußerungen über das
eigene Unternehmen im Blick
zu behalten.
Muss jedes Wohnungsun-
ternehmen auf Facebook
& Co. vertreten sein?
Diese Frage wurde anschlie-
ßend kontrovers auf dem
Podium und im Publikum
diskutiert. Frank Kopatschek
leitet das Referat für Kommu-
nikation der Stadt Duisburg.
Er erzählt, wie Social Media
zum festen Bestandteil in
der Angebotspalette für die
Bürger wurde. Dabei überwiege der Nutzen
den Aufwand. Kopatschek ist überzeugt:
„Wir haben gar nicht die Wahl, wir müssen
den neuen Plattformen folgen. Worüber wir
entscheiden können, ist der Inhalt unserer
Beiträge.“
Peter Stubbe, damaliger Geschäftsführer
der LWB Leipziger Wohnungs- und Bau-
gesellschaft mbH (siehe S. 91 dieser DW),
sieht vor allem für kleine Wohnungsun-
ternehmen eine Chance in den sozialen
Netzwerken. Da diese von der klassischen
Presse wie Tageszeitung und Radio nicht so
beachtet werden, böte sich ihnen hier die
Möglichkeit, ihre Öffentlichkeitswirkung zu
steigern.
Ein Unternehmen, das diesen Schritt
bereits gewagt hat, ist die Berliner Bau-
und Wohnungsgenossenschaft von 1892
eG. Sie will mit Facebook junge Menschen
gewinnen – als Mitglieder und als Auszu-
bildende.
Klaus Graniki, Geschäftsführer der Dort-
munder Gemeinnützige Wohnungsge-
sellschaft mbH wird noch ohne Facebook
wach und möchte das auch weiterhin tun.
Er sagt: „Wichtiger als die Kommunikation
in den sozialen Netzwerken ist uns ein
gutes Angebot, engagierte Mitarbeiter und
schnelle Reaktionszeiten.“ Ein Teilnehmer
aus Hannover argumentiert ähnlich: Sein
Unternehmen sei innovativ, es habe keine
Probleme mit Leerstand und die Hotline
funktioniere. „Warum sollen wir jetzt auch
noch bei Facebook mitmachen?“, fragt er
in die Runde.
Andere Zuhörer, die nicht nur zufrie-
dene Mieter haben, fragen, ob es klug
ist, dem Unmut auch noch eine öffent-
liche Plattform zur Verfügung zu stellen.
Peter Soltau, Technischer Projektmanager
Interactive bei der Agentur WE DO com-
munication GmbH aus Berlin, sieht es so:
„Noch nie war es so kostengünstig und
unkompliziert möglich, eine große Zahl
von Kunden zu erreichen. Ich muss nicht
mehr mit dem Klemmbrett oder dem Mikro
durch die Lande ziehen, ich bekomme
dauernd Feedback.“ Außerdem steigere es
die Kundenloyalität, wenn Mieter sich mit
ihren Wünschen ernst genommen fühlen.
Deutlich wird: Wer schon im realen Leben
auf die Beschwerden seiner Kunden nicht
reagiert, dem hilft auch Facebook nicht
weiter. Bleibt die Frage, ob sich die Zufrie-
denen auch so lautstark äußern wie die
Unzufriedenen.
Die Antwort geben drei Praxisbeispiele aus
der Wohnungswirtschaft. Stefanie Sprang,
Referentin für Social Media bei der Berliner
Bau- und Wohnungsgenossenschaft von
1892 eG, hält die Angst vor öffentlicher
Kritik für überzogen. Ihre Genossenschaft
habe bei Facebook bislang nur positive
Rückmeldungen erhalten. Auch das Fazit
von Thomas Wesche, Leiter Vermietung/
Marketing der Wohnbau Prenzlau, fällt
positiv aus. Sein kommunales Wohnungs-
unternehmen konnte mit der Präsenz auf
Facebook, Twitter und YouTube das Image
verbessern und eine breitere Zielgruppe
erreichen. „Und als einziges Unternehmen
in der Region mit einem solchen Auftritt
haben wir noch lange die Nase vorn“, hofft
er. Grischa Roosen-Runge, Referent für
Unternehmensentwicklung und zuständig
für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei
Volkswagen Immobilien, Wolfsburg, emp-
fiehlt, mit einem Event bei den sozialen
Medien einzusteigen. Sein
Unternehmen hat mit einer
beliebten Sportveranstaltung
alle Kanäle getestet. „Die
Präsenz bei Facebook ermög-
licht uns, proaktiv zu reagieren
und nicht zu warten, bis andere
negativ über uns berichten“,
lautet sein Fazit.
Auch André Richter, der am
Nachmittag einen Workshop
zu Facebook leitet, ermutigt
die Teilnehmer: Die Angst,
dass nur Nörgler in Deutsch-
land leben und ihren Frust
auf Facebook abladen, sei
unbegründet. „Aber Menschen
können Dinge auch mal blöde finden.“ Wer
das nicht akzeptiere, sollte lieber die Finger
von Social Media lassen. Beispiel hierfür
sei die Deutsche Bahn, die nach kritischen
Kommentaren eines ihrer Profile schloss
und damit über 64.000 „Fans“ vor den Kopf
stieß. Die Kritik brachte man damit aller-
dings nicht zum Schweigen.
Nutzer äußern sich auf ihren privaten Seiten
sowie auf Facebook-Accounts, die nur den
Anschein erwecken, der Deutschen Bahn zu
gehören. Solche Profile, hinter denen gar
nicht das Unternehmen oder die Person
steht, gibt es bei Facebook viele. Unter-
nehmen sollten sich daher zumindest vor-
sorglich ihren Eintrag sichern. Mit diesen
und anderen rechtlichen Tipps schloss der
Vortrag von Markus Hotze, Rechtsanwalt
bei HEUSSEN Rechtsanwaltsgesellschaft
mbH, Berlin, die Tagung.
Christine Plaß
für die BBA – Akademie der Immobilienwirtschaft
Ein Video mit Interviews zu den drei Praxisbeispielen
der Tagung wird in Kürze unter: http://www.bba-
campus.de/pressebereich/die-bba-in-der-presse.
html zu sehen sein.
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Die Wohnungswirtschaft
10/2011
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