Seite 25 - DIE_WOHNUNGSWIRTSCHAFT_10_2011

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Gegenzug den Wert ihrer Gebäude erhalten
oder verbessern,
2.
den Mietern, die gegebenenfalls von
höheren Mietkosten betroffen sein werden,
aber andererseits Einsparungen bei der so
genannten zweiten Miete, vor allem den
Energiekosten, erhoffen dürfen und
3.
dem Staat, der diese Prozesse regulato-
risch vorantreiben und teils auch mitfinan-
zieren muss, und das bei extrem schwieriger
Haushaltslage, der aber andererseits an
der induzierten Wirtschaftstätigkeit vor Ort
auch vielfach profitiert.
In der Summe ist der Befund leider so,
dass sich in der Wechselwirkung der drei
genannten Partner die entsprechenden
Sanierungen im Wohnungsbestand häufig
nicht rechnen, zumindest nicht generell. Ins-
besondere sind immer wieder Mieter negativ
betroffen, und dies gilt auch für den sozial
schwächsten Teil der Mieter, der tenden-
ziell die entsprechenden Kosten nicht ohne
weitere Verschärfung der eigenen ohnehin
schon prekären Lage tragen kann. Dies gilt
auch für Wohngeld- und besonders Hartz-
IV-Empfänger. Da wird heute manchmal
schon die kleine Hartz-IV-
Aufstockung von fünf Euro
in der Folge des Urteils des
Bundesverfassungsgerichts um
etwa das Doppelte reduziert
durch steigende Energiekosten
(Anmerkung: Kosten für Warm-
wasser und Strom – Wärme
trägt die ARGE). Die finanz-
schwachen Kommunen ziehen
sich ihrerseits bei der Finanzie-
rung der Heizkostenzuschüsse
tendenziell zurück, die resultie-
renden Einsparungen für die
Kommunen fallen zusätzlich
bei sozial schwachen Mietern
an. Die Politik der Energiean-
bieter wie die pauschalen Ver-
rechnungen der Vermieter sind
zum Teil rigide, bis hin zum
Abstellen der Energie.
Das heißt: Es tut sich ein
schwieriges Feld der Wech-
selwirkung zwischen öko-
logischen Anl iegen und
sozialen Fragen auf. Im Ext-
remfall finanziert die sozial
schwächste Seite mit, dass
sich der Mittelstand mit Pho-
tovoltaikanlagen ausstattet
und dabei in sattem Umfang
staatlich gefördert wird, sich
gleichzeitig auch noch als vorbildlicher
Umwelt- und Klimaschützer positionieren
kann. In der Terminologie des FAW/n fallen
die berichteten Entwicklungen in den grö-
ßeren Kontext einer Zukunftsentwicklung,
die einen „öko-diktatorischen“ Charakter
aufweist, die also von der Art ist, dass öko-
logische Anliegen mit „Gewalt“ durchge-
setzt werden, und zwar massiv zu Lasten
der sozial Schwächeren. Das Ergebnis ist
eine immer weitergehende Prekarisierung,
mittelfristig Brasilianisierung der Gesell-
schaft, die Wiederkehr der Zweiklassenge-
sellschaft.
Weniger Fleisch und Benzin?
Überspitzt gesagt: Das ökologische Problem
wird gelöst, indem bestimmte Segmente
der Bevölkerung über finanziellen Zwang –
nicht freiwillig – tendenziell immer weniger
Fleisch essen, immer weniger Benzin ver-
brauchen und im Zweifelsfall auch weniger
heizen beziehungsweise weniger elektrische
Energie verbrauchen. Nach den Analysen
des FAW/n müsste das so nicht sein. Es ist
eine globale Perspektive mit Wachstum und
größerem weltsozialen Ausgleich denkbar,
die simultan auch zu einem Frieden mit der
Natur führt, also allgemeinen Wohlstands-
zuwachs mit einer Entspannung im Energie-
bereich und einer Lösung der Klimathematik
verbindet. Das ist zumBeispiel in der FAW/n-
Studie „Klimapolitik nach Kopenhagen
– Umsetzung der neuen Potenziale“ dar-
gestellt. Erforderlich sind dafür weltweite
Kooperationsansätze, für die sich heute
teilweise die politischen Kräfte, auch die
unternehmerischen Kräfte, nicht einsetzen.
Es gibt teilweise auch eine fehlende Bereit-
schaft, sich auf völlig neue Technologien im
Energiebereich einzulassen.
Von einer breiten Lobby wird demgegen-
über die massive Förderung heute verfüg-
barer, teurer alternativer Energielösungen
propagiert und durchgesetzt, insbesondere
jetzt auch in der Folge der durch verhee-
rende Erdbeben und Tsunamis ausgelösten
Reaktorunfälle in Fukushima. Hier wird
zum Teil sehr viel Geld verdient in der
Umsetzung dessen, was schon da ist, und
zwar im Kontext des Erneuerbaren-Energie-
Gesetzes. In diesem Kontext kommt es dann
teilweise auch zu einer fast
schon reflexartigen Ablehnung
internationaler Ansätze zur
Lösung der Weltenergie- und
Weltklima­probleme, wie dem
vom Club of Rome Deutsch-
land seit Jahren unterstützten
Desertec-Projekt. Ein solches
Projekt wird als Angriff auf
die jetzt etablierten Strukturen
im Bereich erneuerbarer Ener-
gien gesehen. Die Studie „Die
soziale Dimension des Klima-
schutzes und der Energieeffi-
zienz im Kontext von Bau- und
Wohnungswirtschaft“ macht
daraufaufmerksam,dasssolche
Haltungen weder geeignet
sind, die globale Energie- und
Klimafrage zu lösen, noch dass
sie sozial ausgewogen und fair
sind. Hier ist eine andere Aus-
richtung erforderlich.
Prof. Dr. Dr. F. J. Radermacher
Dr. Th. Kämpke
(beide) Forschungsinstitut
für anwendungsorientierte
Wissensverarbeitung/n (FAW/n)
Die Studie des FAW/n steht zum
Download bereit. Geben Sie bitte die
Linknummer 110901 in das dafür
vorgesehene Feld auf unserer Inter-
netseite www.dw-web.info ein.
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Die Wohnungswirtschaft
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