den Gebieten. Erfolgreiche Förderung bestimmter Gruppen kann unter
Umständen nur Abwanderung hervorrufen. Das ist gut für die Bewohner,
hilft den Gebieten wenig. Die Gebiete werden durch neue Zuwanderer
(Bulgaren, Rumänen) gleichzeitig heterogener, woraus Schwierigkeiten
entstehen – auch wenn die Konfliktpotenziale sich auf kleinere Gruppen
verteilen –, die begleitende Maßnahmen erforderlich machen.
Arme Kommunen werden weiterhin die größten und teuren sozialen
Probleme haben, das macht einen Sozialausgleich notwendig. Die Woh-
nungsunternehmen können das allein nicht lösen, aber sie haben ein ins-
titutionelles Wissen über die Gebiete, das sie einbringen. Sie können und
müssen in lokalen Entwicklungspakten Sprachrohr und Treiber sein, weil sie
näher an den Menschen und ihren Problemen dran sind.
reich, die Marktteilnehmer miteinander ins
Gespräch zu bringen. An einem Standort in
Dortmund, der als sozialpolitischer Brenn-
punkt galt, sind im Rahmen einer Koope-
ration verschiedene Marktteilnehmer aktiv
geworden und haben ein gemeinsames
Quartiersmanagement installiert. Dafür
haben wir auch den Preis „Soziale Stadt“
gewonnen (siehe DW 7/2011, S. 27). So
positiv das ist: Problematisch ist, dass sich
diese Standorte häufen und wir eigentlich
viel mehr Kooperationen mit anderen Woh-
nungsanbietern eingehen müssten, als wir können, um Ruhe vor Ort zu
schaffen und die Standorte zu entwickeln.
Beim Thema Nachbarschaften, müssen wir auch über das Wohnen im Alter
sprechen. 93 Prozent aller 65-Jährigen leben in einer nicht altengerechten
Wohnung. In Dortmund sagt man den Menschen nach einem Schlaganfall
oder einer Erkrankung: Geh doch zur DOGEWO, die können helfen. Als
kommunales Wohnungsunternehmen können wir diese Aufgabe wahrneh-
men. Wir haben jedoch das Problem, dass bei manchen Marktteilnehmern
Wohnungsbestände mit einer Leerstandsquote von etwa fünf Prozent exis-
tieren, bei Marktteilnehmern, die sich sehr engagieren, jedoch nicht. In
einem entspannten Wohnungsmarkt, wie in Dortmund, zeigt dies, dass
man etwas für Nachbarschaften tun und investieren muss. Die angeblich
erforderliche Industrialisierung in der Wohnungswirtschaft vernachlässigt
jedoch die Kunden, die Nachbarschaften und die Zufriedenheit. Das ist
jedoch der Punkt, um den wir uns kümmern müssten – denn Zufriedenheit
generiert auch Umsatz und Rendite.
Im Ruhrgebiet sind wir Migration gewöhnt. Dortmund hat als achtgrößte
Stadt Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg viele Migranten aus Ost-
europa integriert und integriert derzeit viele Menschen aus Südosteuropa.
Dies spiegelt sich auch im Stadtbild wider. Die Stadt und wir als Unterneh-
men sind gefordert, eine große soziale Leistung zu vollbringen. Die Kürzun-
gen beim Programm „Soziale Stadt“ werden uns noch schwer auf die Füße
fallen, wenn nicht noch umgesteuert wird.
In Dortmund wurde eine lokale Stiftung „Soziale Stadt“ ins Leben gerufen.
Man versucht, darüber soziale Probleme im Bereich der Integration, aber
auch im Bereich des Städtebaus zu lösen, den Menschen ein besseres
Wohnumfeld zu bieten und durch Quartiersbetreuung für soziale Struktu-
ren zu sorgen, damit sich die Menschen wohlfühlen. In Bezug auf die Nach-
barschaften wird die Wohnungswirtschaft künftig stärker gefordert sein,
und in Bezug auf die Kürzungen der Mittel der „Sozialen Stadt“ sind wir alle
gefordert. Leider nehmen viele Vermieter diese Mittel gar nicht in Anspruch.
Wir sind jedoch verpflichtet, andere Marktteilnehmer auch darauf hinzu-
weisen, dass auch Migrations- und Integrationsaufgaben wahrzunehmen
sind, weil sozialer Friede nicht von der kommunalen Wohnungswirtschaft
oder von den örtlichen Genossenschaften hergestellt werden kann.
In Dortmund ist jede fünfte Mietwohnung in der Hand von Finanzinvesto-
ren, ähnlich sieht es in Duisburg aus. Die Bereitschaft von Finanzinvestoren,
sich für und in den Beständen zu engagieren, ist nicht so groß wie bei ande-
ren Marktteilnehmern. Man sieht im Stadtbild, welche Häuser Finanzinves-
toren gehören und welche Siedlungsbereiche vernachlässigt werden. Das
ist ein großes Problem, das nicht nur die Instandhaltung, sondern auch die
Nachbarschaften betrifft. Wir greifen das auf, indem wir teilweise Arbeits-
kreise mit der Stadt bilden. Die Kommune versucht zudem recht erfolg-
Klaus Graniki, Geschäftsführer DOGEWO Dortmunder Gesellschaft für Wohnen mbH
„Die Kürzungen beim Programm ‚Soziale Stadt‘ werden uns
noch schwer auf die Füße fallen“
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Die Wohnungswirtschaft
10/2011