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dert. Absolut wurde das Kriterium 42 Mal ge-
nannt (95%).
Die ABC-Analyse zeigt, dass sechs Anforde-
rungen (37,5 % von 16 erfassten Anforde-
rungskategorien) einen Anteil von 80% an den
kumulierten Nennungen der Kriterien ausma-
chen. Dies weist gegenüber anderen Analysen
eine wesentlich höhere Konzentration auf (vgl.
Krupp / Tilgen 2008, S. 70). Das heißt, dass
die Unternehmen sich zunehmend auf gleiche
und damit wenige wichtige Auswahlkriterien
konzentrieren.
Persönliche Anforderungen an
den Controller
Wie aus Abb. 2 ersichtlich ist, gibt es viele un-
terschiedliche Merkmale. Die Kriterien Teamfä-
higkeit, analytisches Denken und Kommunikati-
onsfähigkeit stellen die wesentlichen Anforde-
rungen dar.
Dabei liegt das erstgenannte Merkmal, die
Teamfähigkeit, mit dem an zweiter Stelle ge-
nannten Merkmal, dem analytischen Denken,
nahezu gleichauf – mit einem Anteil von 61%
(27 Nennungen) sowie 55% (24 Nennungen).
Erstaunlich ist die Reihenfolge, belegte das
analytische Denken bei Umfragen aus den
Jahren 2008 und 1990 (vgl. Hoffjan / Bebek
2008 S. 621, Küpper, H.-U. 2005 S. 536) je-
weils Platz eins. Kommunikationsfähigkeit
wird in 52% (23 Nennungen) gefordert. Unab-
hängig von der Reihenfolge der Plätze nehmen
auch bei der Anzeigenanalyse des Personal-
controllers diese drei Kriterien die ersten drei
Plätze ein (vgl. Krupp / Tilgen 2009, S. 48).
Durch die Koordinationsaufgabe und die
Transparenzverantwortung kommt der Sozial-
kompetenz des Controllers ein beachtlicher
Stellenwert zu.
Die Anforderung von Durchsetzungsvermögen
liegt bei 25 % (11 Nennungen). Diese Eigen-
schaft ist für den Controller wichtig, da er einer-
seits seine „Funktion als Sparrings-Partner des
Managements wahrnehmen muss“ (Hering /
Rieg 2001, S. 24), andererseits um sich gegen
jene Mitarbeiter im Unternehmen behaupten zu
können, die als Bremser oder Opponenten,
durch aktives Tun oder bewusstes Unterlassen,
Widerstand leisten, weil der Status quo als be-
droht angesehen wird (vgl. Ziegenbein, 2004,
S. 50).
Aufgaben eines Controllers im
Unternehmen
Die Ergebnisse der vorliegenden Analyse zei-
gen, dass die Spanne der Aufgaben im Control-
ling sehr breit angelegt ist. Es wurden 42 unter-
schiedliche Aufgaben genannt.
Die breit gefächerte Kategorie
„Berichtswe-
sen, Reporting, Aufbau, Betrieb und Weiter-
entwicklung“
hat sich mit 31 Nennungen
(18%) auf Rang eins platziert. Diese Reihenfolge
gleicht den Auswertungen von Weber /Schäffer
aus dem Jahr 1998 (vgl. Weber /Schäffer 1998,
S. 231).
Unter diesem Punkt sind nicht nur die Aufgaben
aus dem internen Rechnungswesen wie Ab-
schlussberichte, Betreuung und Weiterentwick-
lung des Berichtswesens zusammengefasst,
sondern auch die Aufgaben mit Bezug auf das
externe Rechnungswesen, wie die
Erstellung
von Jahresabschlüssen nach HGB und IFRS
sowie die Durchführung und Sicherstellung
von Konzernrichtlinien.
Im Umkehrschluss bedeutet das für den Control-
ler eine Weiterentwicklung der Controllinginstru-
mente, sodass nicht nur die Informationen für
die Steuerung, sondern auch für die Bilanzierung
zu generieren sind (vgl. Horváth 2008, S. 8).
Aus den Auswertungen der Stellenanforde-
rungen lässt sich ablesen, dass sich das
An-
forderungsprofil des Controllers über die
Jahre verändert
hat. Die klassischen Kriterien
werden immer häufiger als selbstverständlich
und grundlegend vorausgesetzt oder durch das
geforderte Studium als erfüllt gesehen, und in
den Anzeigen nicht mehr explizit aufgeführt.
Früher vielleicht eher nur als Randfaktoren ge-
forderte Kriterien, wie Rechnungslegung nach
HGB/IFRS
, Kenntnisse in
IT-Systemen
, und
die
Internationalität gewinnen
für die Unter-
nehmen
zunehmend an Bedeutung
für die
Auswahl von Controllern.
Abb. 2: Top 12 der persönlichen Anforderungen an
den Controller in Prozenten (absolute Nennungen
an den Balken)
Autoren
Prof. Dr. Alfred Krupp
ist Professor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt
Augustin. Er lehrt allg. BWL insb. Unternehmensführung im
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften.
E-Mail:
Dina Ljuboschiz-Ramien
studiert Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkten Control-
ling und Wirtschaftsinformatik im Fachbereich Wirtschafts-
wissenschaften an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt
Augustin.
Controller-Aufgaben, fachliches und persönliches Anforderungsprofil