Seite 87 - CONTROLLER_Magazin_2010_05

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Weltweit
sehen sich Unternehmen einem zu-
nehmenden, vom Kunden ausgehenden,
Kos-
ten- und Zeitdruck
ausgesetzt. Daneben wird
es immer schwieriger, komplexe Materialflüsse
bzw. Prozesse überwachen und monetär be-
werten zu können. Eine aktuelle Studie der Ma-
nagementberatungsgesellschaft A. T. Kearney
ergab, dass
mehr als die Hälfte der Unter-
nehmenskrisen auf falsche Strategie- bzw.
Investitionsentscheidungen zurückzufüh-
ren
sind (siehe Abbildung 1). Des Weiteren wer-
den Insolvenzen zum Großteil durch eine zu
hohe Kostenstruktur sowie ein unzureichendes
Controlling verursacht. Diese Ergebnisse resul-
tieren aus einer europaweiten Untersuchung
von 1200 Insolvenzfällen.
Als Voraussetzung zur Behebung dieser Unter-
nehmensprobleme ist ein
aussagekräftiges
Controlling mit transparenter Darstellung
der Kosten- und Prozessinterdependenzen
erforderlich
. Tendenziell wurde innerhalb des
Controllings bereits in den vergangenen Jahr-
zehnten versucht, Kosten verursachungsge-
recht zu analysieren und somit eine prozessori-
entierte Kostenbetrachtung zu entwickeln. Die
aktuellen Anforderungen gehen jedoch über die
Zielsetzung der bisher existierenden Verfahren
hinaus und fordern eine Kostenbetrachtung auf
Basis der realen Fertigungsprozesse.
Dieser Artikel erläutert einen neuen simula-
tionsbasierten Ansatz zur genauen, dyna-
mischen und prozessorientierten Ermittlung
von Kosten. Die Simulation bildet die realen
Materialflüsse, d. h. die relevanten Unterneh-
mensprozesse ab und stellt gleichzeitig durch
Integration des Werteflusses die anfallenden
Kosten dar. Diese Methode soll in der Praxis
Transparenz zwischen Kosten und den verur-
sachenden Prozessen schaffen und so eine
optimale Steuerungsgrundlage für Pro-
zessveränderungen
bilden.
Bisherige Ansätze und deren
Grenzen
Prozesskostenrechnung
und
Activity Based
Costing
versuchen Kosten durch Ermittlung
von ressourcenbeanspruchenden Tätigkeiten
verursachungsgerechter zu ver teilen. Der
Nachteil dieser Verfahren besteht jedoch in der
Praxis vor allem in der begrenzten Möglichkeit,
die große Menge an benötigten Informationen
in einer solchen Qualität zu ermitteln, dass auch
die Ergebnisse der Kostenrechnung sinnvoll
nutzbar sind.
Durch immer komplexer werdende Produkti-
onsstrukturen besteht ein steigender Bedarf an
einer sogenannten „prozessorientierten Kos-
tenrechnung“ zur monetären Beurteilung von
Fertigungssystemen. Unter einer prozessorien-
tierten Kostenrechnung versteht dieser Artikel
ein Kostenrechnungssystem, das unter Berück-
sichtigung der realen Wertschöpfungsketten
die Kosten der industriellen Fertigung transpa-
rent darstellt, was traditionelle Verfahren auf-
grund der Komplexität und Dynamik der Sys-
teme nicht leisten können. Die hierzu entwi-
ckelte
simulationsbasierte Kostenermitt-
lung
hat nicht zum Ziel, die Kosten indirekter
Bereiche zu verteilen, vielmehr soll dieser An-
satz logistische und produktionstechnische
Kostenermittlung komplexer Fertigungsprozesse
mithilfe von Simulationsmodellen
von Christian Heib
CM September / Oktober 2010