Seite 67 - CONTROLLER_Magazin_2010_05

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wird verfolgt – welche Impulse werden gesetzt.
Können die Kernelemente des nachhaltigen
Controlling-Ansatzes des ICV in der Praxis be-
stehen?
Die Suche nach dem Weg zum Ziel konnte also
beginnen und so starteten wir mit Diskussions-
runden an der Spree. Die Idee, den Weg der
Entstehung und des Umgangs des Geldes über
die Jahrhunder te zu ver folgen, führ te uns
zwangsläufig zu Jakob Fugger; die Neugierde,
Nachhaltigkeit zu entdecken, zu Wilhelm Malte,
First zu Putbus.
Macht ist Kapital –
Kapital ist Macht
Natürlich wollten wir nicht einfach die Ge-
schichte der Familie Fugger vortragen, sondern
vielmehr einen Bezug zur Gegenwart darstellen
und aufzeigen, dass
viele die Krise charakte-
risierende Merkmale nicht neu
sind, son-
dern uns schon seit gut 500 Jahren begleiten.
Wen die Geschichte dennoch interessiert, sei
„Der Spiegel Geschichte“ Nr. 4 / 2009 mit dem
einprägsamen Titel „Geld!“ empfohlen.
Die Fugger wurden erstmalig 1367 erwähnt,
„FUKKER ADVENIT“, als Hans Fugger, ein We-
ber, sich in Augsburg niederließ. Berühmtester
Fugger war aber Jakob Fugger, 1459 – 1525
(siehe Abbildung 1).
Die Fugger gaben bald die Weberei auf und
wurden eine erfolgreiche Kaufmannsfamilie,
doch wurde die Geschichte erstmals 1473 inte-
ressant, als Enkel Ulrich Fugger beschloss, auf
eigene Kosten Maximilian von Habsburg in feine
Tücher zu kleiden und für eine erfolgreiche
Brautwerbung, um Maria von Burgund, zu sor-
gen (siehe Abbildung 2).
Es begann eine intensive finanzielle Beziehung /
Abhängigkeit von Herrscher und Bankier. Sie
sollte über zwei Jahrhunderte dauern. Die Fug-
ger nahmen für diese Geschäfte Geld auf, ins-
besondere von Melchior von Meckau (später
Kardinal).
Als dieser 1509 starb, machten
seine Einlagen ¾ des fuggerschen Ge-
schäftskapitals aus.
Die wurden, Melchior
war ja Kirchenmann, folgerichtig von Rom be-
ansprucht.
Fugger schrieb also Maximilian an, der es sich
nicht leisten konnte, den Finanzier seiner Feld-
züge zu verlieren, und wehrte so die Ansprüche
Roms ab. Kennen Sie diese Vorgehensweise?
Auf der anderen Seite bezahlte Fugger im Jahr
1506 auch die erste Schweizer Garde des Vati-
kans. Später kam dann der Ablasshandel:
„Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele
aus dem Fegefeuer springt“.
Jedoch mussten sich die Fugger 1523 einer
Anklage des Reichsfiskals wegen Monopolver-
gehens erwehren. Das entspräche heute der
EU-Wettbewerbskommission. Fugger schrieb
einen Brief an Karl V. (den er zuvor auf den
Thron „gekauft“ hatte), der natürlich schnur-
stracks erklärte, dass
„Große Gesellschaften
seien größte Gabe und Nutzbarkeit“
– die
Klage war vom Tisch.
Nachhaltigkeit
Was bedeutet Nachhaltigkeit – ein Begriff, ent-
sprungen aus dem Umgang mit der Natur,
übertragen, eingeordnet in die Bewertung, Füh-
rung eines Unternehmens.
„Nachhaltig ist eine Gesellschaft dann,
wenn sie den Anforderungen der Gegen-
wart gerecht wird, ohne die Fähigkeit zu-
künftiger Generationen zu beeinträchtigen,
ihren eigenen Bedürfnissen gerecht zu
werden.“
(Weltkommission für Umwelt und
Entwicklung der Vereinten Nationen, 1987)
Nicht der ökologische Aspekt sollte bei der Be-
antwortung der Fragen im Vordergrund stehen,
wenngleich er selbstverständlich einen Teil der
nachhaltigen Unternehmensführung darstellt,
der langfristige Erfolg der Unternehmung ist der
Kern der Beiträge der drei Unternehmen, die
sich unseren Fragen stellten.
Unser Leitfaden – 13 Fragen an
die Unternehmen
Nachhaltigkeit – Verhalten in der Krise
1. Wieso haben wir alle nichts gesehen, oder
doch?
2. Müssen wir unser Handeln selbstkritisch
beurteilen?
3. Was hat funktioniert, was hat nicht gewirkt?
4. Ist ständiges Wachstum unabdingbar?
5. Welche Möglichkeiten bietet nachhaltiges
Handeln?
Aspekte der Unternehmenssteuerung
6. Welche Veränderungen gab es durch die
Krise?
7. Konnte im Vorfeld gesteuert werden, das
Risiko vermindert werden?
8. Gab es geeignete Instrumente, um in der
Krise zu handeln?
Szenarien zur Krisenbewältigung
9. Welche Wege / Szenarien gibt es aus der
Krise?
Abb. 1: Jakob Fugger
Abb. 2: Maximilian von Habsburg und Maria von Burgund (vgl.
CM September / Oktober 2010