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dauer und -volumen: Entwicklungsprojekte
dauern in der Regel mehrere Jahre und benöti-
gen signifikante personelle und finanzielle Res-
sourcen. Die Entwicklung eines Medikaments
oder Automobils dauert viele Jahre und kostet
dreistellige Millionenbeträge. In der industriellen
Forschung kann es zwar auch große und lang-
wierige Projekte geben (man denke an die
Brennstoffzelle als Basis für den Wasserstoff-
antrieb in Kraftfahrzeugen), hier gibt es in vielen
Unternehmen aber auch eine Fülle von Klein-
projekten. Diese dienen der Verfolgung einer
Vielzahl möglicherweise vielversprechender
Forschungsansätze (natürlich im Rahmen der
strategischen Ausrichtung) und münden bei Er-
folg in größere Forschungs- oder Entwicklungs-
projekte. Diese Kleinprojekte dauern oft nur
einige Monate und haben ein Volumen von eini-
gen Mannmonaten.
Es ist offensichtlich, dass die Projektplanung
dieser Kleinprojekte in der Forschung die Budge-
tierung nicht so unterstützen und entlasten kann,
wie es bei der Projektplanung lang laufender
Entwicklungsprojekte der Fall ist. Aufgrund der
kurzen Projektdauer steht zum Zeitpunkt der
Budgetierung zwar fest, mit welchen Themen
sich die Forschung beschäftigen wird, die einzel-
nen Projekte sind aber bestenfalls zum Teil be-
kannt. Daher ist in diesem Fall eine Planung von
Budgettöpfen für Forschungsprojekte im Rah-
men der Kostenstellenplanung zu empfehlen.
Rollierende F&E-Projektplanung
im Kontext der Modernen Budge-
tierung
Im Rahmen aktueller Budgetierungskonzepte,
wie zum Beispiel der momentan
vom Interna-
tionalen Controller Verein ICV erarbeiteten
Modernen Budgetierung
, ist viel von rollie-
render Planung die Rede. Wie verhält sich die
rollierende F & E-Projektbudgetierung
nun
zu den wesentlichen Empfehlungen der Moder-
nen Budgetierung (siehe Abb. 10)?
t
Einfachheit:
Auf den ersten Blick wirkt der
beschriebene Prozess nicht unbedingt ein-
fach. Doch muss hier beachtet werden, dass
beide Teilprozesse, Projektplanung und Bud-
getierung, getrennt voneinander sowieso
schon existieren und betriebswirtschaftlich
notwendig sind. Die Verknüpfung beider Pro-
zesse ist dann eigentlich keine Riesensache
mehr, sodass die Empfehlung der Einfachheit
mit Abstrichen erfüllt wird.
t
Flexibilität:
Die beschriebenen Prozesse
zeichnen sich durch ihre hohe Flexibilität aus.
Projektbudgets „atmen“, sie sind sowohl ent-
lang der Zeitachse als auch bezüglich pro-
jektspezifischer Kosten sehr flexibel. Die be-
schriebenen Budgettöpfe unterstützen diese
Flexibilität und geben ihr einen strukturierten
Rahmen.
t
Integration:
Die Integration zweier zu-
nächst einmal separat ablaufender Prozes-
se, Projektplanung und Budgetierung, ist
das Kernelement der rollierenden F & E-Pla-
nung. Durch die Integration wird die Budge-
tierung bezüglich des Arbeitsaufwands
deutlich entlastet und gleichzeitig einer
dauernden inhaltlichen Plausibilitätskontrol-
le unterzogen. Durch die Kombination von
Bot tom-Up- und Top-Down-Elementen
wirkt sich die Integration zudem auf beide
Teilplanungen aus.
t
Abbildung der Organisation:
F & E-Organi-
sationen sind in der Regel Matrixorganisatio-
nen mit den Dimensionen Abteilung (abgebil-
det über Kostenstellen) und Projekt, wobei die
Ausgestaltung der Matrix sich in der Praxis
sehr unterschiedlich gestalten kann. Unabhän-
gig davon werden beide Dimensionen der Or-
ganisation im Rahmen der rollierenden F & E-
Planung vollständig abgebildet.
t
Abbildung der Wertschöpfung:
Die Wert-
schöpfung F & E-orientierter Unternehmen
basiert ganz wesentlich auf deren F &E-Pro-
jekten und deren späterer Kommerzialisie-
rung. Die besondere Berücksichtigung von
Projektcharakteristika (lange Dauer, ständige
Verschiebungen von Budgetpositionen) im
Rahmen der Budgetierung erfüllt somit diese
Empfehlung in ganz besonderem Maße.
Abb. 9: Erstellung des F&E-Jahresbudgets aus Projektbudgets
Rollierende Planung in F&E-Projekten