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folgt die Zuordnung der Personalkosten über
eine projektbezogene Zeiterfassung. Je nach
Geschäftsmodell kann schon an dieser Stelle
zwischen internen und externen Mitarbeitern
unterschieden werden. Zudem können zur
Durchführung einzelner Arbeitspakete auch
Sachkosten anfallen. Dies sind die bereits an-
gesprochenen projektspezifischen Kosten.
Wie wird nun aus einer Vielzahl von Projekt-
budgets, die völlig unterschiedliche Projekt-
laufzeiten abbilden, das F & E-Jahresbudget
abgeleitet? Zunächst muss hierzu aus dem
Projektbudget, das per definitionem die Pro-
jektlaufzeit abbildet,
eine Jahresscheibe
„geschnitten“
werden, die das Geschäftsjahr
darstellt (siehe Abb. 8). Dies ist aufgrund der
terminlichen Zuordnung einzelner Arbeitspake-
te problemlos durchführbar. Da die Ressour-
ceneinsatzplanung in der Regel tagesgenau
erfolgt, ist die exakte zeitliche Zuordnung der
Kosten problemlos möglich.
Selbst bei einer eher grob gegliederten Projekt-
budgetierung, wie im Praxisbeispiel aus der
Softwarebranche in Abb. 8, können den einzel-
nen Arbeitspaketen somit Monats- oder Quar-
talsbudgets zugeordnet werden, was eine Bil-
dung von Jahresscheiben erleichtert. Über die
Kostenstellenzuordnung von Mitarbeitern und
einzelnen Budgetposten lässt sich die Kosten-
stellenaufteilung der Budgets sicherstellen.
Auch die Kostenartenzuordnung einzelner Bud-
getposten ist im Rahmen der Projektplanung
möglich. Über die in Projektcontrolling-IT-Sys-
temen vergebenen PSP-Codes (Projektstruk-
turplan) lässt sich sogar eine Budgetverfolgung
auf Einzelpostenebene realisieren, was bei
Budgetpositionen in sechsstelliger Höhe in der
klinischen Medikamentenentwicklung durch-
aus interessant sein kann.
In einem nachfolgenden Schritt werden dann
aus den Jahresscheiben der einzelnen Projek-
te die konsolidierten F&E-Budgets für die be-
teiligten Organisationseinheiten erstellt (siehe
Abb. 9). Ergebnis dieser Aktion ist ein nach
Kostenstellen, Kostenarten, Projekten und Mo-
naten gegliedertes F&E-Budget.
Unterschiedliche Handhabung
von Forschungs- und Entwick-
lungsprojekten
Bisher haben wir Forschungs- und Entwick-
lungsprojekte pauschal in einen Topf gewor-
fen – ist das legitim? Oder gibt es Unterschie-
de zwischen den beiden Bereichen, die sich
auf die Budgetierung auswirken? Wo genau
liegt denn eigentlich der Unterschied zwi-
schen Forschung und Entwicklung?
Eine De-
finition beider Begriffe liefert zum Bei-
spiel IAS 38:
t
Forschung:
Forschung ist die eigenständige
und planmäßige Suche mit der Aussicht, zu
neuen wissenschaftlichen oder technischen
Erkenntnissen zu gelangen.
t
Entwicklung:
Entwicklung ist die Anwen-
dung von Forschungsergebnissen oder von
anderem Wissen auf einen Plan oder Entwurf
für die Produktion von neuen oder beträcht-
lich verbesserten Materialien, Vorrichtungen,
Produkten, Verfahren, Systemen oder Dienst-
leistungen. Die Entwicklung findet dabei vor
Beginn der kommerziellen Produktion oder
Nutzung statt.
In der Forschung geht es somit primär um die
Erkenntnis, in der Entwicklung um die Umset-
zung dieser Erkenntnisse in eine kommerzielle
Nutzung. In der Praxis ist die Trennlinie dage-
gen oft schwer zu ziehen: Selbst wenn es in vie-
len Unternehmen getrennte Forschungs- und
Entwicklungsabteilungen gibt, ist der Übergang
von Projekten aus der Forschungs- in die Ent-
wicklungsphase in vielen Fällen eher fließend.
Pauschalisierend lässt sich zudem feststellen,
dass die Entwicklung in produzierenden Unter-
nehmen weit verbreitet ist, während sich indus-
trielle Forschung nur für Großunternehmen
oder in einigen speziellen Branchen (z.B. Bio-
technologie, Umwelttechnologie) lohnt.
Unterschiede in Bezug auf die Projektbudgetie-
rung ergeben sich hauptsächlich aus Projekt-
Abb. 8: Bildung von Jahresscheibe aus einem Projektbudget
CM September / Oktober 2010