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Die Controller sind auf dem Weg vom Erb-
senzähler zum Business Partner
. Sie über-
nehmen immer neue Aufgaben. Ihre Bedeutung
steigt. Auf dem diesjährigen Controller-Con-
gress in München konnte man zumindest zwei
eindrucksvolle Beispiele hierfür erleben: Die
SAP und die Bundesagentur für Arbeit. Wer
beide Institutionen etwas näher kennt, weiß,
wie nachhaltig und erfolgreich sich das Control-
ling dort verändert hat. Die (überwundene?)
Wirtschaftskrise hat noch zu einer weiteren Er-
höhung der Bedeutung und des Einflusses der
Controller geführt.
Alle Signale stehen auf
grün
. Die Controller könnten und müssten also
sehr zufrieden sein.
Die Zufriedenheit der Controller ist grundsätz-
lich eine gute Messgröße dafür, wie es um den
Controllerbereich bestellt ist. Wie wir aus empi-
rischen Erhebungen wissen, besteht ein enger
Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit
der Controller und dem Unternehmenserfolg.
Man mag zwar über die Richtung der mögli-
chen Kausalität streiten („Weil die Controller ei-
nen guten Job gemacht haben und damit zu-
frieden sind, geht es auch dem Unternehmen
gut“ versus „Weil es dem Unternehmen gut
geht, sind auch die Controller zufrieden“); die
Korrelation selbst lässt sich jedenfalls nicht
wegdiskutieren. Aus anderen Studien wissen
wir, dass für die Zufriedenheit der Manager mit
den Controllern einerseits und dem Unterneh-
menserfolg andererseits ein analoger Zusam-
menhang besteht.
Umfrageergebnisse
Dieser Bedeutung entsprechend messen wir
die Controllerzufriedenheit seit Gründung des
WHU-Controllerpanels im Jahr 2007. Das in
Zusammenarbeit mit dem ICV gegründete Pa-
nel umfasst mittlerweile gut 800 Teilnehmer,
von denen etwa die Hälfte Mitglieder des ICV
sind (danke für Ihre Teilnahme!). Drei wesent-
liche Erkenntnisse konnten wir in den letzten
Jahren festhalten:
1.)
Die Controller sind mit den Ergebnissen
ihrer Tätigkeiten deutlich zufriedener als
mit den Prozessen selbst
. So benoteten die
Controller im Jahr 2007 die Erfüllung der
Steuerungsfunktion der Planung mit 3,9 auf
einer 5er-Skala; ihre Zufriedenheit mit dem
Planungsprozess fiel dagegen fast eine ganze
Note schlechter aus (3,1) – und war mit Ab-
stand die schlechteste aller Teilnoten zur Pla-
nung. Ein entsprechender Befund gilt auch
für alle anderen Standardaufgaben der Cont-
roller.
2.)
Die Controller sind in ihrem Aufgaben-
spektrum mit dem Investitionscontrol-
ling am unzufriedensten.
Hier besteht
noch ein erheblicher Verbesserungsbedarf.
Dies gilt sowohl in methodischer Hinsicht
als insbesondere hinsichtlich der Verfolgung
der Investitionen in den Jahren ihrer Nut-
zungsdauer.
3.)
Die Controller sind insgesamt nicht
wirklich zufrieden
. Auf einer 5er Skala
über alle Aufgaben hinweg nur knapp über
dem Mittelwert zu antworten, lässt tief bli-
cken! Warum sich die Controller so kritisch
äußern, ist rätselhaft. Gerade vor dem Hin-
tergrund der anfangs angesprochenen er-
folgreichen Entwicklung sollten sie doch
eher mit stolz geschwellter Brust antworten.
Vielleicht sind Controller ja doch berufsmä-
ßige Skeptiker …
Betrachten wir die Ergebnisse der aktuellen
Umfrage zur Zufriedenheit mit der Budgetie-
rung und dem Berichtswesen, so fallen zwei
Dinge auf:
Interpretation
Zum einen ist Zufriedenheit mit den Control-
lingleistungen in den Unternehmen auffällig
Was ist nur mit den Controllern los!
von Jürgen Weber
Abb. 1: Zufriedenheit der Controller mit Budgetierung und Berichtswesen
Was ist nur mit den Controllern los!