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sieren. Dabei ist der Aufwand zur Programmie-
rung vergleichsweise gering – der Nutzen aber
enorm. Die Aufgabe, Stammdaten aktuell zu
halten und regelmäßig zu überprüfen, über-
nimmt nun die Maschine. Die Planer und Dispo-
nenten bekommen jetzt mehr die Aufgabe, die
Ergebnisqualität zu prüfen und das Regelwerk
zu pflegen. D.h., der Aufwand der Datenpflege
nimmt drastisch ab bei besserer Datenqualität
und besseren Planungs- und Dispositionser-
gebnissen.
7. Führen Sie sorgfältig vorbe-
reitete Schulungen durch und
coachen Sie Ihre Mitarbeiter
nach dem Go Live
Auch wenn dieser Punkt fast am Ende steht, ist
er der entscheidende Faktor in der Umsetzung.
Nur ein
geschulter und überzeugter Dispo-
nent
wird von alten Vorgehensweisen loslas-
sen können und das neue Regelwerk nutzen.
Deshalb sind entsprechende Schulungsmaß-
nahmen vorzubereiten und durchzuführen, um
das Regelwerk zu erklären und transparent zu
machen.
Ggf. sind zusätzlich Dispositionsgrundlagen zu
schulen, die bisher noch nicht angewandt wur-
den, aber jetzt zum Einsatz kommen. Es ist
manchmal erstaunlich, welche Wissenslücken
sich selbst bei altgedienten Mitarbeitern noch
auftun. Nach der Schulungsphase und der ope-
rativen Umstellung auf das neue Regelwerk
muss gewährleistet sein, dass die Planer und
Disponenten bei Fragen oder Problemen An-
sprechpartner haben, die kurzfristig Rede und
Antwort stehen und ggf. zur Fehlerbehebung
beitragen können. Idealerweise coachen die
Kollegen, die an dem Aufbau des Regelwerks
mitgewirkt haben.
8. Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitern,
verzichten Sie aber nicht auf
das Controlling
Um zu einer nachhaltigen Lösung zu kommen,
ist es unabdingbar, die Ergebnisse des Pro-
jektes regelmäßig zu überwachen und zu kon-
trollieren. Zum Einen dient dies zur Überprü-
fung der Wirksamkeit des neuen Regelwerks.
Nehmen Sie bei Bedarf Feinjustierungen am
Regelwerk vor. Zum Anderen dient dies natür-
lich auch zum
Erkennen von Abweichungen
vom Regelwerk
. Denn es gibt tausend Grün-
de, warum ein Artikel jetzt gerade nicht nach
dem Standard geplant werden kann. Diese
Artikel sind aufzuspüren und mit dem Dispo-
nenten abzustimmen. Entweder hat der Dis-
ponent recht und es besteht möglicherweise
eine Lücke im Regelwerk, die es schnell zu
schließen gilt. Oder aber man kann Unklar-
heiten beseitigen, indem man gezielt noch-
mals die Wirkungsweise des Regelwerks er-
läutert. Steter Tropfen höhlt auch hier den
Stein.
Schlussfolgerung
Die Erarbeitung und Einführung eines wie oben
beschriebenen Regelwerkes hat folgende Vorteile:
t
Sie nehmen dem Disponenten ein Stück der Ver-
antwortung, die oft als Bürde empfunden wird.
Er kann sich bei Nachfragen seiner Kollegen auf
das Regelwerk berufen, wenn es z.B. zu einer
Stock-out-Situation kommen sollte. Denn mit
dieser ist zu rechnen: 95 % Lieferbereitschaft
heißt auch, 5% nicht pünktlich liefern zu wollen.
t
Das Regelwerk führt zu einer Standardisie-
rung der Planungs- und Dispositionsprozesse.
Dies hat den Vorteil, dass Urlaubsvertretungen
oder eine andere Aufteilung unter den Beteilig-
ten kein Problem darstellen. Weiterhin lassen
sich Schulungen spezifischer auf die Aufgabe
ausrichten. Letztlich können neue Planer und
Disponenten schneller eingearbeitet werden.
t
Der Aufwand für die Parameterpflege redu-
ziert sich auf ein Minimum, sodass sich die
Beteiligten auf Problemsituationen konzen-
trieren können oder andere Arbeiten, zum
Beispiel die Preisverhandlung im Einkauf, mit
mehr Sorgfalt ausüben können.
t
Beim Aufbau eines Regelwerks setzen Sie
klassifizierende logistische Kenngrößen in
konkrete Vorgaben für Einstellwerte und Dis-
positionsmethoden um. Erst die Umsetzung
des Regelwerks im ERP-System bringt eine
Entlastung der Beteiligten und führt zu objek-
tiven Planungsergebnissen.
Abb. 2: Artikelklassifizierung mit Lebenszykluskennzeichen
Autor
Dr. Bernd Reineke
ist geschäftsführender Gesellschafter der Abels & Kemmer
GmbH, Herzogenrath. Bereits dreimal gewannen Supply Chain
Konzepte, die A&K mit seinen Kunden erarbeitet hat, Best Practi-
ce Preise.
E-Mail:
Tel.: 02407 9565 - 0
Wie Sie tausende Planungsparameter in den Griff bekommen