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setzen zu können. Nur Vollkosten sind einfach
nicht aussagekräftig genug.
Das Fallbeispiel, oder das
wiederholte „Erschrecken“
Bereits bei einer Veranstaltung des ICV der Re-
gionalgruppe Bodensee wurden 3 Fragen an
das vorhandene Fachpublikum gestellt. Die
Antworten waren für uns eine Überraschung.
Eine derart große Bandbreite hätten wir nicht
erwartet. Besonders erstaunlich ist dabei, dass
sowohl bei der Umfrage im Arbeitskreis, als
auch bei der Online Umfrage die Ergebnisse
fast identisch waren.
Das Beispielunternehmen, auf das sich die
Fragen beziehen:
t
Branche: Maschinenbau – Standard und
Sonderanfertigung
t
Standort: München
t
250 Mitarbeiter (180 Fertigung, 50 Verwal-
tung, 20 Entwicklung)
t
International Vertrieb und Service
Die Fragen:
a.) Mit welchen Lohnnebenkosten rechnen Sie
bei der Kalkulation?
b.) Wie hoch sind die Restgemeinkosten pro
Stunde?
c.) Mit welchem Zinssatz rechnen Sie?
Antwort zu a.) Lohnnebenkosten
Eigentlich sollte die Ermittlung der Lohnneben-
kosten zum „kleinen 1 x 1 im Controlling“ gehö-
ren. Die Ergebnisse der Umfragen
verraten aber, dass selbst hier
noch ein erheblicher Nachholbe-
darf an Fachwissen zu herrschen
scheint. Kernthema ist dabei, ein
einheitliches Verständnis darü-
ber aufzubauen
, welche Kosten-
blöcke eigentlich zu den Lohnnebenkosten ge-
hören. Bei den Unternehmen stellen wir
schlichtweg oft fest, dass wichtige Nebenkos-
tenbereiche einfach vergessen werden oder
falsch zugeordnet sind.
Die Ergebnisse sind dabei bei den beiden Um-
fragen erstaunlich ähnlich und erschreckend
zugleich. Die korrekte Antwort könnte hier im
Beispielunternehmen zwischen 85 % und
100 % liegen. Nicht nur der viel zu niedrige
Werte mit 20 % (angegebener Durchschnitt),
als auch die Abweichungen von 110% Punkten
sind erstaunlich.
Kostenfaktor Beispielarbeitsplatz: max 110%
Unterschied –1 % Abweichung = € 0,15 pro
Stunde (siehe Abbildung 5).
Antwort zu b.) Der Zinssatz
Auch hier sind die Abweichungen erheblich.
Während die einen anscheinend die niedrigen
Zinsen vom Geld der Großmutter in die Kalkula-
tion einzubeziehen scheinen, machen andere
den Fehler, deren hohe Zinsen (wahrscheinlich
basierend auf ein aktuelles Bankenrating und
den gezahlten Kontokorrentzinsen) anzuwen-
den oder zu versuchen, etwas Rendite bereits
in den Zinsen zu erwirtschaften. Beide liegen
falsch.
Die kalkulatorischen Zinsen sollten
marktgerechten Zinsen entsprechen
und im
Beispielunternehmen aktuell zwischen 7% und
maximal 9% liegen.
Kostenfaktor Beispielarbeitsplatz: max. 13 %
– 1% Abweichung = € 0,89 pro Stunde (siehe
Abbildung 5).
Antwort zu c.) Die Restgemeinkosten
Eine Schätzung der Restgemeinkosten im Bei-
spielunternehmen ist sicherlich der schwie-
rigste Punkt von allen. Am nächsten an der
möglichen Wahrheit liegt dabei der ermittelte
Durchschnittswert. Ein Gros der Teilnehmer hat
aber auch hier unter- oder übertrieben. Ähnlich
wie bei den Lohnnebenkosten ergibt sich die
Problematik, ob sich die Befragten bewusst
sind, welche Kostenblöcke in den Restgemein-
kosten aufgehen.
Wichtig ist dabei zu verstehen, dass, umso grö-
ßer dieser Block ist, umso schwerer wird es
sein, die Gemeinkosten durch Rationalisie-
rungsprojekte zu reduzieren. Zielsetzung sollte
sein, den z. B. Prozessen in Fertigung, Vertrieb
oder Entwicklung mehr direkte Kosten zuzuord-
nen und damit diesen Kostenblock deutlich zu
reduzieren.
Kostenfaktor Beispielarbeitsplatz: max. 95 €
pro Stunde Unterschied (siehe Abbildung 5).
Die Konsequenz
Würden wir nun die niedrigsten sowie die höchs-
ten dieser drei Werte der Umfrage als Basis für
Autor
Christoph Groß
ist seit 25 Jahren in der IT-Branche tätig. Schwerpunkt seiner
Tätigkeit ist die Unterstützung bei der Auswahl neuer IT-Lö-
sungen. Im BCC-Partnernet ist er für die Unternehmensentwick-
lung verantwortlich.
E-Mail:
Abb. 4: Kalkulationsmethode
Kalkulationsmethode
%2,94
netsoklloV uZ
Zu Voll- & Grenzkosten
40,0%
Prozesskosten komplett
10,8%
100,0%
Abb. 5: Kostenfaktor Beispielarbeitsplatz
Lohnnebenkosten
als Zuschlagsatz
Zinssatz für
Stundensatz
Restgemeinkosten
in pro Stunde
Umfrage ICV-AK Umfrage ICV-AK Umfrage ICV-AK
Niedrigster Wert
20% 18% 2,00% 2,50% 5,00
4,00
Durchschnitt
52% 58% 5,86% 6,87% 35,00
22,70
Höchster Wert
130% 150% 15,00% 15,00% 100,00
60,00
Stundensatz und Gemeinkostenermittlung