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Möglichkeiten oder Varianten verglichen, um zu
entscheiden, welche bevorzugt werden sollte.
In diesem Beitrag wollen wir die
Druck- und
Onlinerechnung
als zwei Varianten der monat-
lichen Kundenrechnung
aus Sicht eines TK-
Unternehmens (hier: Mobilfunkunterneh-
men)
betrachten. Die Überlegungen sind prinzi-
piell auch auf andere Unternehmen und Bran-
chen übertragbar, bei denen Kunden monatliche
Rechnungen erhalten.
Die Berechnungen werden in der Einheit € pro
Kundenrechnung und Monat durchgeführt. Da
sie lediglich das Ziel haben, die Vorteilhaftigkeit
einer der beiden Varianten im Vergleich nach-
zuweisen, ist eine Ermittlung der absoluten Kos-
ten in € pro Rechnung nicht erforderlich. Viel-
mehr reicht die
Betrachtung der Vergleichs-
kosten
aus, die wir im Folgenden als relative
Kosten bezeichnen wollen. Im Falle der Druck-
und Onlinerechnung bedeutet dies, dass z. B.
ein erheblicher Teil der sog. Billing-Kosten nicht
betrachtet wird, da sie für beide Varianten in
gleicher Höhe anfallen und somit nicht ent-
scheidungsrelevant sind. So z. B. Kosten für die
Erfassung der Gespräche nach Dauer, Uhrzeit,
Roaming etc. (Call Data Record), das Ermitteln
der Preise je nach Tarif oder aber auch die Kos-
ten rund um die Kundenzahlung.
Eine Variante, die geringere relative Kosten in
€ pro Rechnung aufweist, ist somit im Vorteil
und zwar in Höhe des ermittelten €-Wertes.
Nur dieser Wert ist für unsere Entscheidung
pro Druck- oder pro Online-Rechnung relevant.
Relative Kosten entsprechen somit nicht dem
Betrag, den eine komplette Monatsrechnung
kostet – dieser Wert ist für unser Entschei-
dungsproblem nicht erforderlich.
Direkte und indirekte relative
Kosten
Dem oben erwähnten umfassenden Kostenver-
gleichsansatz wollen wir einerseits durch die
Betrachtung der unmittelbaren Kosten entspre-
chen. Entscheidet sich ein Anbieter zum
Wech-
sel von der Druck- zur Onlinerechnung
, ist
es offensichtlich, dass sich Unterschiede bei
Druck- und Versandkosten ergeben. Wir wollen
hier von
direkten relativen Kosten
sprechen.
Andererseits müssen bei einer solchen Ent-
scheidung auch
die mittelbaren Kosten
be-
trachtet werden. Diese offenbaren sich, richtet
man den Blick auf die
Prozesse, die beim Un-
ternehmen und vor allem beim Kunden
in
Verbindung mit der Monatsrechnung ablaufen.
Beim Unternehmen ist dies z. B. der Umgang
mit Kundenanfragen zur Rechnung und beim
Kunden die Aufnahme von Abrechnungs- und
vor allem Zusatzinformationen, die mit der
Rechnung transportiert werden. Es liegt nahe,
dass sich bei Druck- und Onlinerechnung die
Prozesse unterscheiden. Die Auswirkungen
dieser Unterschiede wollen wir als indirekte re-
lative Kosten bezeichnen. Die Herausforderung
besteht nun darin, die relevanten Prozesse zu
identifizieren, Unterschiede herauszuarbeiten
und wo möglich zu quantifizieren, wobei aus
Gründen der Durchgängigkeit des Kostenver-
gleichs alle Werte in der Einheit € pro Monats-
rechnung benötigt werden.
Auf Basis einer Befragung von über 600 TK-
Kunden sowie 5 Intensivworkshops mit Mana-
gern aus der TK-Branche
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wird in diesem Bei-
trag versucht, eine Quantifizierung nicht nur der
direkten, sondern auch der indirekten relativen
Kosten herzuleiten und einen umfassenden
Kostenvergleich durchzuführen.
Durchführung einer Kostenver-
gleichsrechnung für einen Mobil-
funkanbieter: Kostenvergleich
durch Erfassung der direkten
relativen Kosten
Die direkten relativen Kosten von Druck- und
Onlinerechnung lassen sich im Vergleich recht
gut ermitteln und umfassen die in Abbildung 1
enthaltenen Positionen und Werte. Es sind die-
jenigen Kosten in € pro Monatsrechnung, die
entweder bei der einen oder der anderen Vari-
ante anfallen.
Es ergibt sich ein klares Bild:
Die Online-
Rechnung punktet durch das Fehlen der
Druck- und Versandkosten.
Die demgegen-
über entstehenden Kosten für die Erstellung und
Kundenbenachrichtigung sind relativ gering.
Zur Visualisierung des Kostenvergleichs ar-
beiten wir mit einem Säulendiagramm, bei dem
die Kosten in € pro Rechnung nach unten abge-
tragen werden. Der Vorteil der Online-Rech-
Abb. 1: Direkte Kosten von Druck- und Onlinerechnung
Kosten Druckrechnung
Kosten Online-Rechnung
Zahlung an Lieferant „Druckhaus“:
Ca. 10 Cent pro Rechnung.
Zahlung an Lieferant „Brieflogistiker“:
Durchschnittlich ca. 42 Cent pro
Rechnung.
Erstellung Rechnungsfile im Corporate
Identity-gerechten Layout, Einstellen
ins Kundenportal, Benachrichtigung
des Kunden:
Ca. 10 Cent pro Rechnung.
Zusammenfassende Bewertung (0 / + / ++):
Vorteil Online-Rechnung
++
Abb. 2: Kostenvergleich der direkten relativen Kosten
CM November / Dezember 2010