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Handelsunternehmen ab; Aufgabe der Informa-
tions- und Kommunikationstechnologie ist hier-
bei die Integration aller Unternehmensaktivi-
täten von der Rohstoffbeschaffung bis zum
Verkauf an den Endkunden in einen nahtlosen
Prozess [5, 6]. Durch die Erweiterung der
Sichtweise durch das SHK-Referenzmodell wird
zum Ausdruck gebracht, dass die gesamte
Wertschöpfungskette und nicht Einzelunter-
nehmen im Wettbewerb zueinander stehen,
und daher ein Management der gesamten Lie-
ferkette erforderlich ist. Um für das grundle-
gende Verständnis zu motivieren und eine wert-
schöpfungskettenbezogene Sichtweise herzu-
stellen, ist der Begriff des Supply Chain Ma-
nagements wie folgt einzuführen.
Supply Chain Management
stellt die Planung
und das Management aller Tätigkeiten dar, die
im Zusammenhang mit dem Beschaffen, La-
gern, mit der Logistik und dem Vertrieb einher-
gehen. Es schließt die Koordination und Zu-
sammenarbeit sowie die Führung der Ge-
schäftspartner ein, die Lieferanten, Dienstleis-
ter und Kunden sein können. Im Wesentlichen
integriert das Supply Chain Management das
Angebot- und Nachfragemanagement inner-
halb und über die Firmengrenzen hinweg [7].
Die besonderen Eigenschaften der „Supply
Chain“ ergeben sich aus dem spezifischen
und dynamischen Zusammenwirken der Lie-
ferkettenglieder [8]. Diese Eigenschaften las-
sen sich nicht aus der Summe der beteiligten
Einzelglieder ableiten, vielmehr treten als Er-
gebnis komplexe dynamische Prozesse mit
neuen Eigenschaf ten hervor (Emergenz)
[9, 10].
Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf
das Supplier Relationship Management, in dem
die Gestaltung einer Beschaffungsstrategie
über die eigenen Unternehmensgrenzen hin-
weg zu strukturieren ist [11].
Somit rücken die
Geschäftspartner Lieferanten und Kunden
in den Gestaltungsbereich der Unterneh-
mensorganisation und erweitern diesen.
Die Transparentisierung der eigenen Unterneh-
mensgrenzen ist der grundlegende Gestal-
tungsansatz im Bezug auf das Supplier Rela-
tionship Management und das Customer Rela-
tionship Management, durch den das Supply
Chain Management im SHK-Referenzmodell
gestaltet wird [12].
Funktionsmodell des Supplier
Relationship Management
Für den konzeptionellen Entwurf der Funkti-
onssicht des Supplier Relationship Manage-
ment als Teil des Supply Chain Management
wird der Ansatz von Rosemann aufgegriffen,
der die unternehmensübergreifenden Funkti-
onen grundsätzlich in drei Planungsebenen un-
terteilt. Damit stellen die Funktionen Supply
Chain Configuration, Supply Chain Planning
und Supply Chain Execution die Hauptpositi-
onen innerhalb der Funktionssicht dar. Das in
Abbildung 4 präsentierte Funktionsmodell des
Supplier Relationship Management gliedert
sich in vertikaler Richtung entsprechend der
mit den Funktionen verbundenen Inhalte in die
CM November / Dezember 2010
Abb. 4: Übergreifendes Funktionsmodell des Supplier Relationship Management
Querschnittfunktionen
Systemmanagement – Controlling – Optimierung
Lieferant
Supply Chain
Configuration
Supply Chain
Planung
Supply Chain
Excecution
SRM
Bestellabwicklung
Transportabwicklung
Beschaffungsmanagement
Strategische Optimierung der Geschäftsbeziehung
Konditions-
management
Wareneingang
Einkauf
Bestands- und Distributionsplanung
Lieferantenmanagement
Strategische Modellierung der Elemente und Beziehungen
Bestands- und Lagermanagement
Bestandsplanung
Autor
Dipl.-Ing.-Inf. Andreas Pescholl
ist externer Doktorand am Institut für Technische und Betrieb-
liche Informationssysteme der Otto-von-Guericke Universität
Magdeburg und IT-/Marketing Verantwortlicher der Firma Haus-
technik Handels-GmbH in Treuen. Er beschäftigt sich mit der
Geschäftsmodellierung und dem Reengineering im technischen
Großhandel.