Seite 17 - CONTROLLER_Magazin_2010_06

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Fazit
Ziel des dargestellten Ansatzes ist es, ein
ganzheitliches Wissensmanagement und
Wissenscontrolling
zu ermöglichen. Dazu
werden zwei Ebenen miteinander integriert,
die in der Praxis zu häufig nebeneinander her-
laufen. Die
erste Ebene
ist die Prozessebene:
Es wird
„top down“
der gesamte Prozess von
der Unternehmensvision und -mission über
die generellen Strategien bis hin zur opera-
tiven Gestaltung der Geschäftsprozesse im
Hinblick auf das jeweils erforderliche Wis-
senskapital betrachtet. Die
zweite Ebene
geht
„bottom up“
von den realisierten Ge-
schäftsprozessen aus. Hierbei werden alle
drei Elemente des Wissenskapitals – Hu-
mankapital, Strukturkapital und Beziehungs-
kapital – berücksichtigt.
Der wesentliche Vorteil einer solchen ganzheit-
lichen Herangehensweise besteht darin, dass
im Rahmen der Wissensbilanzierung die gefor-
der ten Wissensbestände argumentativ auf
strategische Zielsetzungen zurückgeführt wer-
den können. Somit können sie als
Ursache-
Wirkungs-Ketten
oder als
Voraussetzung-
Folge-Ketten
begründet werden. Da auf diese
Weise die strategische Relevanz von Wissen
bzw. von Wissenslücken und auch von struktu-
rellen Lücken in stärkerem Maße transparent
gemacht werden kann, lässt sich das Wissens-
controlling mit diesem Ansatz zielgerichteter
steuern.
Natürlich ist die argumentative Formulierung
von Ursache-Wirkungs-Ketten nicht dauerhaft
befriedigend, sondern sie muss durch empi-
rische Erkenntnisse untermauert werden.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Unter-
nehmen, die bereits eine Balanced Scorecard
durchgeführt haben, diese unmittelbar für die
Wissensbilanzierung nutzen können. Dies trägt
dazu bei,
Aufwände in Grenzen zu halten
und somit die
Akzeptanz von Aktivitäten der
Wissensbilanzierung und des Wissensma-
nagements insgesamt zu unterstützen
.
Literatur
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– Eine semiformale Beschreibungssprache zur
Modellierung von Wissenskonversionen. Ar-
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Wu, A. (2005): The Integration Between
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S. 267 – 284
Abb. 9: Semantisches Netz mit Strategie-Indikatoren (fett), Anforderungen aus der Geschäftsprozessmodellierung
und den Rollenträgern, die sie erfüllen
Abb. 10: Analyse von Struktur- und Beziehungskapital
Autor
Christian Soelberg
ist bei der BMW Group Financial Services in München. Seine
Schwerpunkte sind Prozessmanagement und -steuerung und
Projektportfolio.
E-Mail:
CM November / Dezember 2010