Seite 18 - CONTROLLER_Magazin_2010_06

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Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der
Ableitung eines Risikokatalogs für das Unter-
nehmen Dräger. Auf der Grundlage einer Litera-
tur- und Geschäftsberichtsanalyse, der Aus-
wertung interner Dokumente, z. B. Risikobe-
richten, sowie einer Mitarbeiterbefragung
konnte ein
aktueller, vollständiger, systema-
tischer und flexibler Risikokatalog
erstellt
werden. Die mehrstufige Vorgehensweise lässt
sich als
Best-Practice-Ansatz
problemlos auf
andere Unternehmen übertragen.
Das Unternehmen
Dräger ist mit rund 11.000 Mitarbeitern ein
globales Technologieunternehmen. Mit einem
jährlichen Umsatz von mehr als einer Milliarde
Euro werden im Unternehmensbereich Medi-
zintechnik ca. 65% des Konzernumsatzes er-
zielt. Er gehört zu den führenden Anbietern von
Produkten, Dienstleistungen und integrierten
Lösungen für den klinischen Akutbereich und
den Bereich Home Care. Der Unternehmens-
bereich Sicherheitstechnik erzielt mit mehr als
650 Millionen Euro ca. 35% des Konzernum-
satzes. Er liefert Kunden in der Industrie, im
Bergbau, im Katastrophenschutz sowie staatli-
chen Institutionen (z. B. Feuerwehr) Produkte,
Systeme und Dienstleistungen rund um die
Sicherheitstechnik.
Dräger ist einer komplexen und dynamischen
Risikostruktur ausgesetzt. Die hohe Risikoviel-
falt macht eine umfassende Risikoidentifikation
besonders schwierig. Grundlage einer sys-
tematischen Risikoidentifikation ist in vielen
Unternehmen wie auch bei Dräger ein Risiko-
katalog.
Risikokataloge als Instrument der
Risikoidentifikation
Während der
Risikoidentifikation
sollen alle
relevanten Entwicklungen erkannt werden, die
die Zielerreichung eines Unternehmens gefähr-
den können. Ziel ist die aktuelle, systematische
vollständige und wirtschaftliche Erfassung aller
Gefahrenquellen, Schadensursachen und Stör-
potenziale. Die Qualität der Risikoidentifikation
bestimmt maßgeblich die Effektivität und Effizi-
enz der weiteren Schritte eines Risikomanage-
ments. So können nicht identifizierte Risiken
nicht bewertet und nicht gesteuert werden.
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Risikokataloge
bilden die Grundlage für die
Risikoidentifikation. Ein Risikokatalog umfasst
die Risikofelder, Risikokategorien und Einzelri-
siken eines Unternehmens und gibt somit einen
strukturierten Überblick über potenzielle Ri-
siken und deren Ursachen. Er dient als Grund-
lage der Risikoidentifikation für die Mitarbeiter.
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Durch die Darstellung der Risiken in Risikokate-
gorien erlangt der Risikokatalog seine Struktu-
riertheit. Die Auswahl der Kategorien erfolgt
unternehmensspezifisch anhand von
Syste-
matisierungskriterien
(vgl. Abbildung 1).
Nach der Symmetrie ihres Risikoprofils können
symmetrische Risiken, bei denen der Ver-
lustgefahr auch eine Chance gegenüber-
steht
, und asymmetrische Risiken ohne Chan-
cenpotenzial unterschieden werden. Nach den
relevanten Unternehmenszielen lassen sich Er-
folgs-, Liquiditäts-, Wert- und Sachzielrisiken
unterscheiden. Nach dem
Zeithorizont
, über
den die Auswirkungen von Risiken beurteilt wer-
den, lassen sich strategische und operative Ri-
siken unterscheiden. Nach ihrer Messbarkeit
werden quantifizierbare Risiken, deren Auswir-
kungen auf die Unternehmensziele anhand ihrer
Eintrit tswahrscheinlichkeit und ihres Scha-
densausmaßes bewertet werden können, und
nicht-quantifizierbare Risiken ohne direkt mess-
bare Auswirkungen unterschieden. So sind
strategische Risiken häufig nicht quantifizierbar.
Die
Messbarkeit
von Risiken beeinflusst ihre
Identifikation, Bewertung und Steuerung.
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Abschließend können Risiken nach ihrer Quelle
in externe und interne Risiken unterteilt wer-
den, die wiederum in leistungswirtschaftliche
und finanzwirtschaftliche Risiken sowie Risiken
aus Management und Organisation unterglie-
dert werden. Externe Risiken resultieren z. B.
aus unvorhergesehenen Marktentwicklungen,
Gesetzesänderungen oder Naturkatastrophen.
Leistungswirtschaftliche Risiken werden durch
eine fehlerhaf te Leistungserstellung verur-
sacht. So entstehen
Absatzrisiken aus einer
falschen Einschätzung der Kundenwün-
sche
. Finanzwirtschaftliche Risiken werden
durch Probleme bei der Kapital- und Liquidi-
tätsbeschaffung verursacht, während
Risiken
aus Management und Organisation
z. B. aus
Mängeln in der Personalführung oder in Pro-
zessen resultieren.
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Risikokataloge bilden die Grundlage für
Risiko-
Checklisten
. Risiko-Checklisten sind struktu-
Ableitung eines Risikokatalogs
für das Unternehmen Dräger
Erstplatzierte Arbeit beim Controlling-
Nachwuchspreis 2010 – verliehen auf der
Controlling Innovation Berlin – des ICV
von Kathrin Moormann und Ute Vanini
Ableitung eines Risikokatalogs