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Für die Verbindung von „top-down“- und „bot-
tom-up“-Aspekten ist jedoch eine
Analyse der
Geschäftsprozesse erforderlich:
Diese müs-
sen so gestaltet sein, dass sie die Unterneh-
mensziele effektiv und effizient erfüllen. Die
Aufgabe der Gestaltung der Geschäftsprozesse
geht jedoch über das Wissensmanagement
hinaus. Es handelt sich um eine auf der „Pro-
zess-Ebene“ der Balanced Scorecard anset-
zende Management-Aufgabe, die als Voraus-
setzung in ein effektives Wissenscontrolling
einfließt. Sind jedoch die Geschäftsprozesse
optimal im Sinne der Unternehmensziele aus-
gerichtet, und ist das für die Geschäftsprozesse
erforderliche Wissenskapital in ausreichendem
Maße vorhanden, so können hypothetische Ur-
sache-Wirkungsbeziehungen dieses Wissens-
kapitals auf den Unternehmenserfolg darge-
stellt und somit transparent gemacht werden.
Ableitung von Wissensanforde-
rungen und Analyse von Wissens-
kapital: Ein Vier-Ebenen-Modell
Im Folgenden wird der Ansatz als ein Vier-Ebe-
nen-Modell dargestellt. Die oben beschriebene
„top-down“-Komponente besteht aus den bei-
den oberen Ebenen des Ansatzes, also aus der
Ableitung strategiebezogener Wissensanforde-
rungen und der Ableitung von Indikatoren einer
Wissensbilanz. Die „bottom-up“-Komponente
besteht dagegen aus den beiden unteren Ebe-
nen, also der Modellierung der real bestehen-
den Geschäftsprozesse und der Erstellung ei-
ner Wissensbilanz. Die Abbildung 1 zeigt die
genannten vier Ebenen.
Ebene 1: Strategische
Unternehmensführung
Ziel der ersten Ebene (obere Zeile in der Abbil-
dung 1) ist die Darstellung und gegebenenfalls
Entwicklung der Vision, der Ziele und Stra-
tegien
des Unternehmens. Anhand einer Ana-
lyse der externen und internen Faktoren sowie
einer Stärke-Schwächen-Analyse wird eine
Unternehmensstrategie abgeleitet, die den Un-
ternehmenszweck definiert und die Aufgaben
des Unternehmens aus diesem ableitet. Diese
Aufgaben bzw. strategischen Teilziele und die
Beziehungen zwischen ihnen werden als Stra-
tegy Map dargestellt. Dabei werden die Bezie-
hungen zwischen den strategischen Zielen
unter den vier Perspektiven der Balanced
Scorecard (finanzielle Perspektive, Kunden-
perspektive, Prozessperspektive, Lern- und
Wachstumsperspektive) im Sinne eines se-
mantischen Netzwerks deutlich. Kunden-, Pro-
zess- und Lern-/Wachstumsperspektive wer-
den wie schon erwähnt den Elementen des
Wissenskapitals (Beziehungskapital, Struktur-
kapital und Humankapital) zugeordnet. Durch
Zuordnung von Kennzahlen und Aktionen zu
den Zielen wird die
Strategy Map schließlich
zu einer Balanced Scorecard erweitert
.
Ebene 2: Wissensbilanz entwickeln
Auf der zweiten Ebene (zweite Zeile der Abbil-
dung) werden für die im vorangehenden Schritt
abgeleiteten Aufgaben und Teilziele Indikatoren
definiert. Diese dienen der
Operationalisie-
rung der strategischen Ziele
und werden für
die Prüfung der Frage herangezogen, ob bzw.
inwieweit das für die Umsetzung der Strategien
erforderliche
Wissenskapital im Unterneh-
men vorhanden
ist. Beispielsweise sei auf
Kundenebene eine enge, nachhaltige Kunden-
Abb. 1: Vier-Ebenen-Modell der Ableitung von Wissensanforderungen und der Identifikation und Analyse von Wissenskapital
Entwicklung
Unternehmens-
vision
Entwicklung
Unternehmens-
Strategie
(Strategy-Map)
Erstellung
Balanced
Scorecard
Erstellung
Wissensbilanz-
struktur
Erstellung von
strategischen
IC Indikatoren
Definition
Wissensbilanz-
anforderungs-
profil
Erstellung
semantisches
Netz
(KMDL, extern)
Konfiguration
Wissensbasis
Repository/
KMDL Objekte
Modellierung
Geschäfts-
Prozesse
Bildung der
Wissensbilanz
Anforderungs-
kontexte
Erstellung
interner und
externer
Reports
Inferenz der
Wissensbasis
(Indikatoren/
Wissensbasis)
Wissens-
bilanzierungs-
bewertung
Entwicklung
strategische
Unternehmens-
führung und
Reporting
Entwicklung
Wissensbilanz
Indikatoren und
Erstellung
Wissensbilanz-
struktur
Automatisierte
Erstellung einer
Wissensbilanz
Strategische Ebene
Operative Ebene
Externer
Report
Externe
Faktoren
Umwelt
Erstellung von
Strategie-
unabhängigen
IC Indikatoren
Erstellung
BSC Report
Erstellung
Wissensbilanz
Ableitung der
organisatorischen
Wissensbasis und
Definition
Wissensbilanz-
anforderungsprofil
Interner BSC und IC Report
Erstellung
externes
semantisches
Netz
CM November / Dezember 2010