Seite 88 - CONTROLLER_Magazin_2009_02

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Kennzahlenunterstützte Unternehmenssteuerung
Das Merkmal der Immaterialltät der Dienstleis–
tung hat zur Folge, dass das Leistungsangebot
nicht lagerfähig ist. Daraus ergibt sich für den
Erbringer der Leistung, dass stets ein gewisses
Leistungspotenzial vorgehalten werden muss.
Hinzu kommt, dass Busunternehmen im Perso–
nennahverkehr einem zunehmenden Wettbe–
werbsdruck und Zwang zur Optimierung ausge–
setzt sind, der insbesondere auf folgenden Fak–
toren beruht:
1.) Fortschrei tende Liberal isierung und
Harmonisierung der Nahverkehrs–
märkte in Europa: Mit der Verabschiedung
der neuen EU-Verordnung 1370/2007, die
im Dezember 2009 in Kraft tritt, wurde die
Grundlage für eine weitere Angleichung der
rechtlichen Rahmenbedingungen und
Marktordnungen geschaffen. Ziel dieser
Verordnung ist die Transformation eines
wettbewerbsarmen ÖPNV-Marktes zu
einem durch den Wettbewerb bestimmten
ÖPNV-Markt unter Vermeidung einer
Verschlechterung der Angebotsqualität für
die Nahverkehrskunden.
der Schülerzahlen, führt zu einem spür–
baren Rückgang der Nachfrage vor allem in
ländlichen Gebieten. Hier beträgt der Anteil
der Ausbildungsverkehre an der gesamten
Verkehrsleistung bis zu 80%. Ferner besit–
zen Senioren wesentlich häufiger als früher
einen Führerschein und nutzen bis ins hohe
Alter einen PKW. Die demogratische Ent–
wicklung läuft dabei nicht bundesweit ein–
heitlich. Während die Ballungsgebiete um
die wirtschaftlich potenten Großstädte wei–
terhin Bevölkerungszuwachs verzeichnen,
schrumpfen die Einwohnerzahlen in vielen
ländlichen Regionen abseits dieser Gebiete
spürbar
4.)
Kürzungen bei öffentlichen Mitteln: Der
Druck zur Konsolidierung der öffentlichen
Haushalte, die als Besteller von Verkehrs–
leistungen auftreten und diese gegebenen–
falls bezuschussen, nimmt weiter zu. Dies
führt dazu, dass weniger Mittel für den
öffentlichen Personennahverkehr und
die Verkehrsunternehmen zur Verfügung
stehen.
a
• Dr Christian Schneider
ist Kfm. Geschäftsführer der Regionalbus Braunschweig GmbH
und der dazugehörigen Tochtergesellschaft Haller Busbetneb
GmbH, Geschäftsfeld Stadtverkehr der Deutschen Bahn AG.
Desweiteren ist er Dozent an der Akademie Hamburger
Verkehrswirtschaft und Lehrbeauftragter an der Fachhoch–
schule für Wirtschaft in Berlin und seit 1999 aktives Mitglied
im Internationalen Controller Verein e.V.
kräftigen Größen. Darüber hinaus ermögli–
chen Kennzahlen, Entwicklungen im zeitlichen
Verlauf zu verfolgen sowie Ziel- bzw. Planwerte
für die Zukunft vorzugeben und ihre Einhaltung
zu übera/achen.
Voraussetzung für den Gebrauch von Kenn–
zahlen sind leistungsfähige IT Systeme,
die eine EDV-gestützte Ermittlung der Kenn–
zahlen auf Knopfdruck ermöglichen. Ferner
ist insbesondere beim Einsatz und dem Ver–
gleich von Kennzahlen über verschiedene Be–
triebe, Bereiche oder Unternehmen hinweg
eine eindeutige Definition von Kennzahlen
und deren Erhebungsmethoden unerläss–
lich. Nur wenn eine einheitliche und verläss–
liche Messung gewährleistet wird, können
Kennzahlen analysiert und miteinander ver–
glichen werden.
Einzelne Kennzahlen sind nur einge–
schränkt aussagefähig. Sie müssen zu
einem Kennzahlensystem verdichtet werden,
um steuerungsrelevante Informationen zu lie–
fern. Auch wenn Kennzahlen durch Operatio-
nalität und quantitative Exaktheit bestechen,
nehmen sie stets auch eine Komprimierung
der Realität vor Dies und die Tatsache, dass
sich der Einsatz von Kennzahlen auf messbare,
vergangenheitsbezogene, meist finanzwirt–
schaftliche Größen beschränkt, hat zu vielfäl–
tiger Kritik an Kennzahlen und dem Einsatz tra–
ditioneller (finanzwirtschaftlicher) Kennzahlen–
systeme wie etwa dem weit verbreiteten Du-
Pont-Schema geführt.
2.)
Zunehmende Internationalisierung mit
der Folge der Intensivierung des Wett–
bewerbs: Während der Markt in den grö–
ßeren Städten zumeist von den kommu–
nalen Unternehmen dominiert wird, ver–
schärft sich der Wettbewerb bei den
Regionalverkehren. Neben privaten Busun–
ternehmen und den Tochtergesellschaften
der Deutschen Bahn AG, die ihre Busver–
kehre im Geschäftsfeld Stadtverkehre ge–
bündelt hat, drängen zusehends internati–
onale Großkonzerne wie z.B. Veolia oder
Arriva auf den deutschen Markt.
3.)
Demographische Entwicklung: Ein
Ruck–
es
gang der Bevölkerung, insbesondere
Zur Notwendigkeit einer
kennzahlengestützten
Unternehmensführung
Als betriebswirtschaftliche Steuerungssysteme
eignen sich insbesondere Kennzahlen. Mit Hilfe
von Kennzahlen soll der Fortschritt oder der Er–
füllungsgrad wichtiger Zielsetzungen oder kri–
tischer Erfolgsfaktoren innerhalb eines Unter–
nehmens gemessen werden. Kennzahlen bilden
damit die Basis für betriebswirtschaftliche Ent–
scheidungen. Meist wird Kennzahlen eine be–
sondere Bedeutung im Rahmen der operativen
Steuerung zuerkannt. Der Vorteil des Einsatzes
von Kennzahlen besteht in der
Verdichtung
großer Datenmengen zu wenigen aussage-
Die vielfältige Kritik an den herkömmlichen,
vergangenheitsorientiert und finanzwirtschaft–
lich ausgerichteten Kennzahlensystemen hat
dazu geführt, dass neuartige Systeme des
Performance Measurement und Manage–
ment entwickelt wurden. Diese versuchen
eine Verbindung zur Unternehmensstrategie
und zu den langfristigen Unternehmenszielen
herzustellen. Zielsetzung des Performance
Managements ist es damit, den Entstehungs–
prozess des ünternehmenserfolges durch ge–
eignete Messgrößen abzubilden, zu verstehen
und zu steuern. Performance Management
lässt sich insofern zutreffend als kennzahlen-
basierte, erfolgs- und zukunftsorientierte Un–
ternehmenssteuerung umschreiben. In der
betrieblichen Praxis haben sich insbesondere
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