Seite 66 - CONTROLLER_Magazin_2009_02

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Grundsätze ordnungsgemäßer Planung
liehe Abschätzung der zukünftigen Fremdkapi–
talzinssätze überhaupt erst zu ermöglichen. Die
Fremdkapitalzinssätze sind offensichtlich ab–
hängig vom zukünftigen Rating und dürfen nicht
unabhängig von anderen Planungspositionen -
speziell den Annahmen über die Veränderungen
von Verschuldungsgrad, Eigenkapitalquote oder
Zinsdeckungsquote - festgelegt werden.
Über die Grundanforderung der Abbildung einer
Untemehmensplanung auf das zukünftig zu
erwartende Rating hinaus können weiterfüh–
rend auch so genannte „stochastische (simula-
tionsbasierte) Ratingprognosen" durchgeführt
werden. Derartige Rating-Prognosen nutzen
auch die Informationen über die Risiken, die
Planabweichungen auslösen können (siehe
Planungssicherheit), und bestimmen so eine
realistische Bandbreite der zukünftigen Rating-
Entwicklung. Mit derartigen Verfahren wird
sichergestellt, dass gerade auch die Risiken
(deren Wirken Unternehmenskrisen und
wesentliche Planabweichungen auslösen) bei
der Beurteilung einer Planung berücksichtigt
werden. Eine Untemehmensplanung mit einer
solchen simulationsbasierten Rating-Prognose
ist daher das adäquate Instrument für eine Be–
urteilung einer Untemehmensplanung auch aus
Sicht der Gläubiger - und sie wird voraussicht–
lich zukünftig (aufgrund der momentan lau–
fenden EU-Initiativen) auch die geforderte
Grundlage für die Bestimmung der maxi–
mal zulässigen Höhe
von
Ausschüttungen
an die Gesellschafter bilden.
Insgesamt wird durch die GoP damit sicherge–
stellt, dass das Unternehmen und die Untemeh–
mensplanung beurteilt wird sowohl aus Per–
spektive der Eigentümer (z.B, ausgedrückt am
Erfolgsmaßstab der Gewinne oder - besser -
des berechneten Unternehmenswerts) als auch
aus Sicht der Gläubiger (am Rating).
Fazit
Mit den GoP wurde eine wichtige Grundlage ge–
schaffen, um Mindestanforderungen an eine
Untemehmensplanung festzuhalten. Mit den
überarbeiteten
GoP 2.0 März 2008
wurde in
methodischer Hinsicht eine wesentliche Welter–
entwicklung erreicht. Hervorzuheben sind die
Forderungen nach mehr Transparenz bezüglich
der venwendeten Begriffe und der Planungssi–
cherheit, sowie die zwingende Anforderung,
eine Untemehmensplanung auch aus Perspek–
tive der Gläubiger zu beurteilen - weil nur Pla–
nungen umsetzbar sind, die auch für Gläubiger
akzeptabel sind. Die hier dargestellten Aspekte
zeigen zudem auch Weiterentwicklungsper–
spektiven, die von Planern und Controllern her–
angezogen werden können, um die Planung ge–
genüber den in den GoP spezifizierten Min–
destanforderungen aussagefähiger zu gestalten
- und speziell die Entscheidungsrelevanz der
Planung zu erhöhen.
Literatur:
Gleißner Werner (2007): Solvenztests für Aus–
schüttungsgrenzen - und die Konsequenzen für
das Rating, in: Finance, Oktober 2007, S,38-39.
Gleißner Werner (2008): Enwartungstreue Pla–
nung und Planungssicherheit - Mit einem An–
wendungsbeispiel zur risikoorientierten Budge–
tierung, in: Controlling, 02/2008, S.81-87.
Pellens, Bernhard / Crasselt, Nils / Sellhorn,
Thorsten (2007): Solvenztest zur Ausschüt–
tungsbemessung - Berücksichtigung unsi–
cherer Zukunftserwartungen, in: ZFBR März
2007, S. 264-283.
Presber Ralf / Sindl, Steffen (2008): Gmndsätze
ordnungsgemäßer Planung (GoP) - Ableitung
von Qualitätsmerkmalen für die operative Pla–
nung und das Berichtswesen mittelständischer
Unternehmen, in: Controller Magazin, März/
April 2008, S. 20-23.
Presber Ralf (2007): Grundsätze ordnungs–
gemäßer Planung - Planungsstandards in
der Beratungspraxis von Banken, in: Betriebs–
wirtschaftliche Blätter, Dezember 2007,
S. 705-707.
Immaterielle Werte / Intangible Assets / Non-Financials
von Alfred Biel
(H12065943)
Immaterielle Werte / Intangible Assets / Non-Financials zählen zu den Themenkomplexen, die zunehmend in die Aufmerksamkeit rücken. So
schreibt etwa das Zukunftsinstitut im Trend-Report 2009 „die Wertschöpfung wird zunehmend immateriell" und spricht darüber hinaus von „im–
materiellen Triebkräften" und macht Kooperation, Kreativität und „Selfness" als die drei wichtigsten immateriellen „Sozio-Techniken" aus. 1) Die
Finanzkrise hat uns gezeigt, dass Vertrauen, eine klassische „weiche Größe", eine zentrale Engpassgröße sein kann. Das Überzeugtsein, das
Bauen und Hoffen auf, das Rechnen mit, das Trauen und Verlassen auf und damit allgemein das Zutrauen, der Optimismus und die Zuversicht
sind bestimmende Einflussgrößen, die die scheinbar so harten Controllinggrößen wie Rentabilität, Kapital und Kosten in Bedeutung undWirkung
übertreffen können. Die Finanzkrise beschleunigt und verstärkt eine betriebswirtschaftliche Diskussion, die die immateriellen Werte vermehrt in
den Fokus stellt. Für den Controllerdienst, so Müller wird hinsichtlich der Unterstützung eines Managements von Intangible Assets ein radikales
Umdenken, ja ein Paradigmenwechsel eingefordert. Die Ziele und Messmethoden / -großen verändern sich nach Ansicht des Hochschullehrers
entscheidend in Richtung mehr weicher qualitativer Größen. 2) Vor diesem Hintergrund ist folgerichtig und zielführend, dass diese Thematik
auch in der Unternehmenskommunikation deutlich aufgewertet wird. „Einst als Aschenputtel angesehen, gewinnt das Berichten über Non-
Financials neben der finanziellen Berichterstattung zunehmend an Bedeutung. Es gilt vor allem als unerlässlich im Zusammenhang mit der
Abschätzung des Unternehmenswerts und der künftigen Aussichten des Unternehmens". 3) Controller stehen sowohl vor einer Herausforderung
als auch in einem Dilemma, wozu ein Zitat von Einstein passt: „Nicht alles, was zählt, ist zählbar und nicht alles, was zählbar ist, zählt".
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I
1) Hone, Matthias:Trend-Report 2 0 0 9 , 5 . 3 1 u. 2 9
2) Müller, Armin: Grundzüge eines ganzheitlichen Controllings, 2 . Auflage. München 2 0 0 9 , S. 2 4 2 .
3) Gazdar, Kaeven / Kirchhoft, Klaus Rainer: Strategische Untemehmenstammunikat ion, München, 2 0 0 8 , S. 1 2 3 .
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