CM März/Apr i l 2009
c. Modalwert
(Wert mit der höctisten Wahr–
scheinlichkeit bzw. Wahrscheinlichkeitsdich–
te) oder
d. Zielwert
(z.B. das Quantil der Verteilung, das
mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit
von x% nicht über- oder unterschritten wird).
Im Allgemeinen wird empfohlen, die Planung auf
Grundlage von Erwartungswerten aufzubauen.
Nahezu sämtliche unternehmerische Entschei–
dungen (z.B. Investitionsentscheidungen) basie–
ren bekanntlich auf Enwartungswerten, da bei
diesen mögliche Über- und Unterschreitungen
(gewichtet) mitberücksichtigt werden (also
Chancen und Gefahren bzw. Risiken erfasst
werden).
Zu envähnen ist hier beispielsweise, dass eine
auf Enwartungswerten basierende Planung auch
als Einziges Grundlage einer Unternehmensbe–
wertung (oder wertorientierten Steuerung) sein
kann, was das
Institut der deutschen Wirt–
schaftsprüfer (IdW)
im Bewertungsstandard
IDW S1 explizit betont. Nur eine auf Enwartungs-
werten basierende Planung ist damit Grundlage
für Unternehmensbewertung, speziell auch die
Bewertung von Sanierungskonzepten, Impair-
ment
Tests
und Ähnlichem.
Transparenz über
PlanungssicherheJt
Eine der wichtigen Herausforderungen für jede
Planung besteht darin, Transparenz zu schaffen
hinsichtlich der Planungssicherheit. Bisher wird
im Rahmen der Planung meist lediglich ein
Planwert
(idealenA
/eise ein En«;artungswert) an–
gegeben, und damit bleibt unklar welcher Um–
fang von Planabweichungen - Chancen und
Gefahren (Risiken) - realistisch ist. Für eine
aussagefähige Planung ist es zu empfehlen an–
zugeben, welche Risiken Planabweichungen
auslösen können und welcher Umfang von
Planabweichungen insgesamt zu entarten ist.
Dies ist beispielsweise Im einfachsten Fall
möglich durch die Angabe von (a) Mindest–
wert, (b) wahrscheinlichsten Wert und (c) Ma–
ximalwert, womit implizit auch der Erwar–
tungswert erfasst wird (Dieser ergibt sich bei
einer oft unterstellten „Dreiecksverteilung" ge–
rade als der Durchschnitt der drei genannten
Werte).
Durch die Angabe solcher „Band–
breiten" werden Scheingenauigkeiten
vermieden,
die Planungssicherheit selbst kri–
tisch diskutierbar und zudem werden die Vor–
aussetzungen dafür geschaffen, dass bei der
Abweichungsanalyse ermittelt werden kann,
welche der tatsächlich eingetretenen Abwei–
chungen auf im Vorhinein bekannte Risiken
zurückzuführen sind (und welche völlig unvor–
hergesehen waren).
Die Transparenz über die Planungssicherheit ist
zudemnotwendige Voraussetzung für eine wer–
torientierte Unternehmensführung, da bekannt–
lich Planungssicherheit (der aggregierte Ge-
samtrisikoumfang) Grundlage ist für die Bestim–
mung von planungskonsistenten Risikomaßen
(Standardabweichung, Betafaktor oder Value-
at-Risk), die dann wiederum die risikogerechten
Kapitalkosten (risikogerechte Anforderungen an
die zu erwartende Rendite) beeinflussen. Nur
eine Planung, die Transparenz über Planungssi–
cherheit schafft, ist damit als Grundlage für eine
wertorientierte Unternehmensführung geeignet.
Auch für die Beurteilung des (zukünftigen) Ra–
tings eines Unternehmens, also eine Beurtei–
lung einer Planung aus Sicht der Gläubiger, ist
die Kenntnis von Risiken und Planungssicher–
heit erforderlich.
Autoren
Beurteilung der Planung aus
Perspektive von Eigentümern
und Gläubigern
Eine
Planung, die den Grundsätzen ordnungsge–
mäßer Planung genügt, muss eine
Beurteilung
aus Perspektive (potenzieller) Gläubiger
enthalten, da nur so eine potenzielle Krisenge–
fährdung des Unternehmens aufgezeigt werden
kann. Notwendig sind daher so genannte „Ra–
ting-Prognosen", die aufzeigen,
in welcher
Bandbreite sich das zukünftige Rating eines
Unternehmens bewegen wird,
wenn die Un–
ternehmensplanung realisiert wird. Bei einer so
genannten „deterministischen Rating-Progno–
se" wird dabei lediglich das Ergebnis der Pla–
nung
in die typischenweise von Kreditinstituten
ven«(endete Finanzkennzahl umgesetzt, um so
die enwartete Entwicklung des Ratings vorherzu–
sagen. So können zur Krisenfrüherkennung kri–
tische Entwicklungen frühzeitig erkannt
werden
und es wird feststellbar ob die vorgesehene Pla–
nung in Anbetracht von Restriktionen seitens der
Gläubiger überhaupt realisierbar ist.
Zudem
ist
die
Prognose des zukünftigen Ra–
tings (und damit der Insolvenzwahrscheinlich–
keit eines Unternehmens) notwendig, um die im
Rahmen der Unternehmensplanung erforder-
• Prof. Dr Karl-W. Giersberg
ist für die ifb GmbH, Flnanzierungs-, Restrukturierungs- und
Sanierungsberatung, 63322 Rödermark,
tätig.
• Dr Werner Gleißner
ist Vorstand der Future Value Group AG und Leiter der Risikofor–
schung der Marsh GmbH. Seine Forschungs- u. Tätigkeitsschwer–
punkte liegen im Bereich Risikomanagement, Rating und Strate–
gieentwicklung sowie der Weiterentwicklung von Methoden der
Risikoaggregation und der wertorientierten Unternehmenssteue-
njng. Er nimmt Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen wahr
z.B. EBS, TU Dresden, Universitäten Stuttgart u. Hohenheim.
• Ralf Presber
ist geschäftsführender Gesellschafter der Pericon Unterneh–
mensberatung, Wiesbaden sowie Vorsitzender des Fachver–
bandes Unternehmensführung und Controlling beim Bundesver–
band Deutscher Unternehmensberater BDU e.V..
E-Mail:
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