Seite 21 - CONTROLLER_Magazin_2009_02

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Ansatz relevant: Hier findet wirklicfi eine Eigen-
kapitalunterlegung auf Basis von Ratings statt,
das Argument, dass durch Basel II Kredite dann
teurer werden ist in diesem Fall korrekt.
Allerdings muss erwähnt werden, dass der
IRB
Ansatz nur von sehr wenigen Banken - pri–
mär Großbanken - in Deutschland umge–
setzt werden wird.
Somit ist das Argument der
Verteuerung von Krediten durch Ratings für die
meisten Banken nicht zutreffend - zudem das
Gros der Banken erst 2008 die neue Eigenkapi–
talanforderungen umsetzen wird. Es gilt Fol–
gendes zu bedenken: Basel II ist erst Ende 2006
in deutsches Recht umgesetzt worden. Eine An–
wendung hat frühestens zum 01.01.2007,
spä–
testens
zum 01.01.2008 zu erfolgen.-^^
Die Pflicht, ein Rating durchzuführen, ist außer–
dem nicht neu. Bereits die IvlaK (Mindestanfor-
demngen an
das Kreditgeschäft der Kreditins–
titute) forderten in 2002, dass Kreditinstitute
bestimmte Forderungen einem Rating zu unter–
ziehen haben. Auch wenn die MaK am
20.12.2005 durch die Implementierung der
MaRisk außer Kraft gesetzt wurden, lebt diese
Anforderung in den MaRisk we i terLet z ten
Endes resultiert hieraus die Pflicht der Banken,
Ratings durchzuführen. Zudem heißt es in den
MaRisk:
„Zwischen der Einstufung [ ..] und
der Konditionengestaltung sollte ein [...]
Zusammenhang bestehen.^"^"
Der Zusam–
menhang zwischen Rating und Kreditkosten
wurde somit schon seit 2002 implizit gefordert
- unabhängig vom gewählten Eigenkapitalun-
terlegungsansatz nach
Basel
II.
Somit ist durchaus sinnvoll, dass eine Koppelung
der Kreditkosten an das Risiko - manifestiert
über das Rating - gegeben ist. Banken haben
dies aus ökonomischen Überlegungen jedoch
explizit oder implizit immer schon getan. Jeder
Unternehmer wird dies nachvollziehen können:
Ein eingegangenes Risiko muss immer adäquat
entlohnt werden, auch bei einem Kredit.
Regulierung externer Ratings
lung von Ratings"'^''
im europäischen und deut–
schen Recht zu verankern, damit diese von der
Qualität und Vorgehensweise her verlässlicher
werden. Der Draghi Report ist diesbezüglich ein
erster
Schritt in
die
richtige Richtung.''^ Rein
operative Fehler könnten hierdurch vermieden
werden. Da die Ratingagenturen einer adä–
quaten Selbstverpflichtung wahrscheinlich nicht
zustimmen
würden,
bietet sich ein internati–
onales Kontrollorgan an,
welches auch aktu–
ell durch die BaFin diskutiert wird.'^^ Dieses
Kontrollorgan müsste die
Ratingagenturen
zur
Offenlegung Ihrer Ratingurteile
zwingen.
Zeitler forderte schon in 2007: „Hier solle
eine
verbesserte Transparenz der Ratingurteile über
Art und Qualität des underlying den Marktteil–
nehmern zuverlässige Unterscheidungsmög–
lichkeiten bieten und damit die notwendige Ver–
trauensbildung sichern."^'' Letztlich muss ein
solches Organ auch sicherstellen,
dass die Ra–
tingagenturen Ihren Ratingauftrag nicht mit
Beratungsleistungen vermengen.
Aber auch das
Rating Shopping muss be–
grenzt werden.
Eine Änderung des Gebühren-
bilität
und
Verlustempfindlichkeit gegeben
werden sollen. So ist das Kürzel „.sf" für struk–
turierte Produkte angedacht.'^® Solche As–
pekte sind zwingend umzusetzen, sind doch
die verschiedenen neuartigen Formen von
strukturierten Produkten nicht mehr nur durch
Kreditrisiken geprägt und somit nur bedingt
mit klassischen Anleihen vergleichbar Sollten
die hier vorgeschlagenen Aspekte umgesetzt
werden, müssten externe Ratings verlässlicher
und transparenter werden und somit zur Sta–
bilität des Finanzsystems beitragen.
Handlungsempfehlungen zur
Ratingoptimierung von Kredit–
nehmern
Ein Kreditverhältnis hatte immer schon mit
Vertrauen zu tun.
Der Begriff
Kredit
kommt
vom lateinischen credere - vertrauen.
So–
mit ist das Wichtigste bei einem Ratingge–
spräch,
dass die Partner offen zueinander sind.
Denn es gilt: je mehr Informationen der Kunde
der Bank offen legt, umso besser kann diese
• Prof. Dr. Eric Frere
ist seit 2001 Professor für BWL, insb. Finanzwirtschaft und En–
trepreneurship an der privaten Fachhochschule für Ökonomie
und Management (FOM) mit Hauptsitz in Essen, sowie Dekan
für int. Studiengänge. Überdies hat er als Unternehmensberater
mehrere Börsengänge und Venture Capital/M&A-Transaktionen
betreut
• DIpl.-BW (FH) u. Dipl.-Inform. (FH) Svend Reuse MBA
absolvierte berufsbegleitend mehrere Studiengänge, zuletzt
den MBA. Seit 2007 ist er Doktorand an der ESF Fakultät der
Masaryk Universität Brünn. Er ist Abteilungsleiter Controlling
der Sparkasse Mühlheim und für die Themen Gesamtsteuerung,
Vertriebssteuerung und Risikomanagement verantwortlich.
Des weiteren ist er Dozent an der FOM und der Rheinischen
Sparkassenakademie.
Systems dahingehend, dass auch die Agenturen
bezahlt werden müssen, die angefragt, aber
nicht beauftragt wurden, ist eine gute Möglich–
keit zur Objektivierung des Ratings.
wirtschaftliche Verhältnisse beurteilen und den
Kunden adäquat beraten. Konkret bestehen
mehrere Optimierungsmöglichkeiten für ein Ra–
ting, wie Abbildung 4 zeigt.
Zur Vermeidung weiterer Probleme bei externen
Ratings sollten diese mehrschichtig reguliert
werden. Zum einen sind die durch Schmidt ge–
forderten „Grundsätze ordnungsgemäßer Ertei-
Des Weiteren ist eine systemische Erweite–
rung des Ratingsystems externer Ratingagen–
turen anzustreben. So prüft Moody's, ob zu–
sätzlich zum Rating nicht
Angaben zur Sta-
Es lässt sich somit festhalten:
Basel II
in Form
der MaRisk
fördern eine offene Kommunika–
tion zwischen den Partnern Kunde und
Bank.
Letztlich ist ein Rating - positiv formu-
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