Seite 18 - CONTROLLER_Magazin_2009_02

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Qual i tat ive Faktoren
Schätzung und Würdigung
Kein Ergebnis aus Zahlenanalyse
"soft facts"
Stellen Geschäftsrisiko, aber auch
die Erfolgspotenziale eines
Unternehmens dar.
Während der Jahresabschluss
vergangenhei tsbezogen ist, wirken
die qualitativen Faktoren In die
Zukunft.
Qualität des Managements
Einschätzung der Kernprozesse
Fähigkeiten der Mitarbeiter
Qualität der Zukunftsplanung
Quant i tat ive Faktoren
Zählbar / messbar
Reine Zahlenanalyse
"hard facts"
Im wesent l ichen die Analyse des
Jahresabschlusses.
Mit quantitativen Faktoren lässt sich
das Finanzrisiko ermitteln.
Umsatz
Ertrag
Cash Flow
Unternehmenswert
Abb. 1: Qualitative und Quantitative Faktoren
gung stehen. Diese meist für das Massenpri-
vatkundengeschäft eingesetzte Form der Boni–
tätsbeurteilung ist für die Bank recht einfach zu
erstellen, verkennt aber die „weichen" Fak–
toren, die Geschäftsbeziehung Kunde - Bank
ausmachen. Somit kommt für das Geschäfts–
oder Firmenkundengeschäft oftmals nur ein
Rating in Frage. Generell gilt: je komplexer
und größer der Kunde ist, desto wichtiger
sind qualitative Informationen in Form von
Expertenwissen des Firmenkundenbetreuers.
Des Weiteren gilt es, die Begriffe Bonität und
Besicherung zu differenzieren. Während die
Bonität eines Kreditnehmers auf die Zahlungs–
fähigkeit der Schulden abzielt, dienen Sicher–
heiten ausschließlich der Absicherung im Insol–
venzfall. Dementsprechend ist das Rating un–
abhängig von der zugrunde liegenden Besiche–
rung, da es nur auf die Bonität, nicht aber auf
Sicherheiten abstellt.^
Ein Rating ist aufgrund der umfassenden Analy–
sen auf Basis der qualitativen Faktoren für den
Kreditnehmer sehr wertvoll, umfasst es doch
eine detaillierte Analyse der Stärken und Schwä–
chen des Unternehmens aus Sicht eines exter–
nen Betrachters - faktisch auf Basis der Daten
des Businessplanes des Unternehmens. Diese
Ertcenntnisse können dem Kreditnehmer helfen,
nicht nur die Kreditkosten zu senken, sondern
auch Impulse für die Unternehmenssteuerung
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zu erhalten.
Zusammenhang zwischen Rating und
Kreditkosten
Das Rating hat sicherlich eine elementare Ein–
flussgröße auf die Kreditkosten. Allerdings exis–
tieren auch noch weitere Faktoren, die in einen
sinnvollen Zusammenhang gebracht werden
müssen. Generell gilt:
• Je länger die
Laufzeit,
je schlechter das
Ra–
ting,
• je geringer
die
Besicherung, desto höher ist
die Ausfallwahrscheinlichkeit
Dies ist ökonomisch nachvollziehbar: je gerin–
ger die Zahlungswürdigkeit des Kunden (Rating)
ist, desto mehr muss eine Bank dieses Risiko
abdecken. Das gleiche gilt für längere Lauf–
zeiten (=> höheres Risiko) und geringere Besi–
cherung (=> höheres Blankovolumen bei Aus-
fall).^° Banken geben diese Ausfallwahrschein–
lichkeit an ihre Kunden weiter so dass das oben
aufgestellte Theorem auch für Kreditkosten gül–
tig ist. Alle Kreditnehmer mit einem ähnlichen
Risikoprofil müssen zur Entlohnung des Kredit–
risikos dieses Risiko in Form eines risikoadjus–
tierten Aufschlages (=> höhere Zinskosten)
mi t t ragen.Di e Ausfallwahrscheinlichkeit -
und damit die Kreditkosten - steigen überpro–
portional mit der Laufzeit und dem Rating. Dies
ist einer der Gründe, warum Kreditkosten bei
schlechteren Ratings relativ h x h sind.
Abgrenzung internes vs. externes
Rating
Auch wenn beim Thema Ratings oft implizit von
internen Ratings gesprochen wird, so gilt es
doch, die Abgrenzung zu den externen Ratings
durchzuführen. Interne Ratings werden durch
die jeweilige Hausbank erstellt^^, während ex–
terne Ratings von scheinbar unabhängigen
Agenturen erstellt werden.'^ Diese handeln im
Auftrag des Kunden, in eher seltenen Fällen
auch aus Eigeninitiative.^'' (vgl. Abbildung 2)
Neben den drei international tätigen Rating–
agenturen
S&P (Standard and Poor's),
Moody's
und
Fitch
existieren mittlerweile
viele kleine, eher nationale Anbieter von Ra–
tings. Diese sind zwar oftmals billiger aller–
dings ist deren Anerkennung bei den Ge–
schäftspartnern oftmals nicht so groß. Denn
generell gilt: externe Ratings sind teuer
Preise
von über 30.000
€ sind bei den drei großen
nicht se l t en .S i e müssen sich in Form von
Vertrauen oder geringeren Kreditkosten loh–
nen, um für ein Unternehmen Sinn zu machen.
Somit verfügen
auch nur 13% der Kunden
über ein externes Rating,
während mittler–
weile 63% der Unternehmen ein internes
Rating aufweisen.
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Kritische Würdigung
externer Ratings^'
Ein externes Rating aufzuweisen bietet jedoch
nicht nur Vorteile. Die Finanzmarktkrise hat nur
die Probleme offenbart, die schon seit langer
Zeit inhärent vorhanden sind. So ist ein grund–
legendes Problem weiterhin die Objektivität ex–
terner Ratings. Schon in 2004 formulierte
Everling: Es „dürfte sich auch beim Rating die
Auffassung durchsetzen, dass nur unabhän–
gige Agenturen die für das Funktionieren der
Finanzmärkte wichtigen Ratings glaubhaft lie–
fern."^^ Gerade diese
Glaubhaftigkeit
ist je–
doch nicht eingetreten. Auch Schmidt erkann–
te bereits 1996, dass externe Ratings keiner
Regulierung untediegen. In letzter Konsequenz
fordert er Grundsätze ordnungsgemäßer Ertei–
lung von Ratings. Auch die
Probleme der An–
erkennung
externer Ratings im Rahmen von
Basel durchleuchtete Schmidt kritisch. Er
kommt zu der Auffassung, dass solche Grund-
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