Die wirklichen Auswirkungen von Basel II
Interne und externe Ratings im Kontext der Finanzmarktkrise
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von Eric Frere, Essen und Svend Reuse, Mühlheim a. d. Ruhr
(HI2065926)
Die Begriffe Rating und Scoring werden zurzeit
oft disl<utiert, aucti im Hinblick auf die Frage, ob
Kredite durch Basel II teurer werdenJ Das
Thema Basel II wird vor allem in Bezug auf Ra–
tings in der aktuellen Literatur oftmals nicht
richtig oder nicht vollständig dargestellt. Dieser
Beitrag setzt sich zum Ziel, dem Leser die Im–
plementierung von Basel II in das deutsche
Recht neben den direkten Auswirkungen auf
Ratings darzustellen. Nach einer Definition von
Rating und Scoring und einer Abgrenzung zu
externen Ratings wird das Thema Kreditkosten
behandelt. Danach werden die Themen Basel II,
dessen Implementierung in deutsches Recht
und die Auswirkungen auf die Themen Rating
und Kreditkosten durchleuchtet. Ein kritisches
Fazit mit Lösungsmöglichkeiten in Bezug auf
externe Ratings und Optimierungsmöglichkeiten
in Bezug auf interne Ratings bildet den Ab–
schluss dieser Ausarbeitung.
Definition und Aufbau des Ratings
Im ersten Schritt gilt es ein Rating zu definieren.
Es ist die Aggregation aller bonitätsbeeinflus-
senden Faktoren in einer Zahl, die das Ausfall–
risiko widerspiegelt.^ Es handelt sich somit um
die Beurteilung der „Fähigkeit des Kreditneh–
mers in Zukunft seinen Zahlungsverpflich–
tungen vol lständig und termingerecht
nachkommen zu können.""^ Ziel ist es, eine
bewusste Verdichtung aller Informationen vor–
zunehmen, um das Ergebnis leichter interpre–
tierbar und vergleichbar zu machen. Rating be–
zeichnet zum einen den Prozess der Bewertung
und zum anderen das Ergebnis des Bewer–
tungsprozesses.''
Faktoren im Ratingprozess
Die Faktoren, die ein Rating beeinflussen, sind
sehr umfangreich. Sie lassen sich in quantita–
tive und qualitative Faktoren unterscheiden.^
Während quantitative Faktoren bereits in mess–
barer Form vorliegen, müssen qualitative Fak–
toren durch das spezifische Expertenwis–
sen des Kundenbetreuers abgeleitet wer–
den.^ Diese Unterscheidung wird mittlerweile
auch explizit von der Bankenaufsicht gefordert.
So heißt es in den MaRisk (Mindestanforde–
rungen an das Risikomanagement der Kredi–
tinstitute) in Bezug auf die Kriterien für ein Risi–
koklassifizierungsverfahren: „Maßgebliche Indi–
katoren [...] müssen neben quantitativen auch,
soweit möglich, qualitative Kriterien sein.
7 .
Diese Unterscheidung ist wichtig, da hierbei
auch der Betrachtungszeitpunkt eine große
Rolle spielt. Quantitative Faktoren sind meist
vergangenheitsbezogen: wird ein Unterneh–
mensjahresabschluss Mitte des Folgejahres
veröffentlicht, so sind die Informationen bis zu
1
,5
Jahre alt. Qualitative Informationen hin–
gegen zielen eher auf die Zukunft ab und
beurteilen die Faktoren, die in Zukunft einen
positiven Ertrag enwirtschaften werden. Abbil–
dung 1 stellt typische quantitative und qualita–
tive Faktoren einander gegenüber
Diese Differenzierung unterscheidet ein Ra–
ting auch von einem Scoring: Bei letzterem
werden qualitative Faktoren außer Acht gelas–
sen und nur die quantitativen Aspekte analy–
siert, die der Bank vollautomatisch zur Verfü-
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