Seite 15 - CONTROLLER_Magazin_2009_02

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In welchen Bereichen liegt sein größtes Poten–
zial? Wie jedes kybernetische System, kann
eine Republik nur wachsen, wenn sie ihre Res–
sourcen für den Aufbau einsetzt. Wie viele Äm–
ter, Bedienstete, Verwaltungsapparate und Vor–
schriften kann ein Staat sich leisten, ohne dass
er auf Pump lebt, auf Kosten der nächsten Ge–
nerationen? - Ein Staat darf für seine Aufgaben
nicht mehr aufwenden als das, was er durch
seine Dienste für die Volkswirtschaft wirklich
leistet. Im Vordergrund stehen die Maxime Effi–
zienz und Planbarkeit. Dies bedeutet, dass der
Staat, zwar nicht kleinlich, aber gezielt mit den
Ressourcen umzugehen hat. - Das betrifft das
Steuersystem sowie Subventionen, die im freien
Markt denWettbewerb verzerren, indem sie Un–
gleichgewichte herstellen, die den Unterneh–
men das Geschäft zusätzlich erschweren. Der
Staat darf nicht die Vollkasko-Versicherung der
Banken sein und ihre Verluste auf die Steuer–
zahler verteilen.
Warum wi rd das deutsche Steuersystem
weltweit als eines der schlechtesten einge–
stuft? Es liegt nicht an seinen hohen Steuer–
sätzen, sondern an der Vielschichtigkeit, die das
Steuersystem zu einer nicht planbaren Größe
für die Unternehmen macht. Das Steuersystem
darf nicht länger dem politischen Machtkampf
zum Opfer fallen: Pendlerpauschale einführen,
Pendlerpauschale streichen, eine Senkung hier,
eine Anhebung dort. Jedes Jahr wird an einer
anderen Schraube gedreht, ohne durchgän–
giges Konzept. Ein teures Geplänkel, um die
Stimmen zu gewinnen.
Woran liegt es, dass im Steuersystem keine
strukturellen Verbesserungen zustande kom–
men und dass - von außen betrachtet - die Po–
litik in Deutschland als behäbig gilt? Einen we–
sentlichen Anteil daran hat die konservative
Art der Stellenbesetzung aus den inneren
Reihen: der Umstand, dass Köpfe aus der Wirt–
schaft generell nicht als Ouereinsteiger zum
Zug kommen. Wer nach oben will, muss sich
zwanzig Jahre unten anstellen, bis er die Pro–
bleme durch die Brille seiner alt gedienten Par–
teigenossen sieht. Ein Personalaustausch zwi–
schen der Wirtschaft und der Politik könnte die
Parteien öffnen und wertvolle Impulse geben.
Eine Wirtschaft, die imWettbewerb der Globali–
sierung bestehen will, braucht einen wettbe–
werbsfähigen Staat. Ein Staat, der komplizierte
Verordnungen entflechtet und einfache Bedin–
gungen schafft, der Ven/valtungskomplexe ab–
baut, sich schlank organisiert und effiziente
Dienstleistungsbüros betreibt. Ein Staat, der ge–
genüber dem Mittelstand wie eine Genossen–
schaft funktioniert, der die Wirtschaft fördert,
durch einen Rahmen, der das Geschäft kalku–
lierbar und lohnenswert macht, der durch eine
weitsichtige Bildungs- und Energiepolitik sowie
durch eine transparente Finanz- und Steuerpo–
litik die Stimmen gewinnt.
Fussnoten
^ „Wall-Street-Banker erwarten hohe Boni",
Handelsblatt, 07.11.2006
^ „Der Drei-Millionen-Pfund-Hippie", Der Spie–
gel, Nr 51,2008
^vgl. Eggenberger Weinmann: „Die US-Kredit–
krise", Controller Magazin, S. 54 ff, Dez.
2008
Thomson Reuters (Handelsblatt, S . I I , Nr
249,2008)
^Statistik der Quartalsgewinne 1970-2008 in
Autoren
• Olpl.-Ing. Albrecht Stäbler
ist Unternehmensgründer und Geschäftsführer der NovaTec -
Ingenieure für neue Informationstechnologie GmbH, die sich auf
die Lösung komplexer Problemstellungen der Wirtschaftsinfor–
matik und der Technik spezialisiert hat. Er ist Experte in den Be–
reichen Unternehmensstrategie, Professional Services und Tech–
nologieentwicklung und lehrt an Hochschulen Im In- u. Ausland.
• Prof. Siegfried Weinmann
ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der FOM in Stuttgart,
davor an der Hochschule Liechtenstein, mit Stationen an Uni–
versitäten in London, Prag und Wien. Er ist wissenschaftlicher
Berater von IT-Unternehmen, forscht und publiziert im Bereich
der Wirtschaftswissenschaften und ist Autor und Herausgeber
von vier Fachbüchern. Durch mehr als zehn Jahre Auslandsauf–
enthalt kennt er die Region Schweiz, Vorarlberg und Liechten–
stein in Bildung, Politik und Wirtschaft.
Daraus ergeben sich sieben Thesen und Hand–
lungsfelder:
1.
Stärkere Regulierung und schärfere Auf–
sicht der Finanzmärkte
2. Kompetente Führung staatl icher Ban–
ken, unter Kontrolle ihres Auftrags
3.
Intensive Förderung der Bildungs- und
Forschungseinrichtungen
4. Zukunftsorientierte Energiepolitik, ge–
nossenschaftliche Energieversorgung
5.
Vereinfachung des Steuersystems
6.
Offene Parteipolitik, Einbezug von Ex–
perten aus Bildung und Wirtschaft
7 Reduzierung der Staatsquote sowie der
Subventionen und der Verschuldung
den USA (Thomson Reuters in SZ, Nr 270,
2008)
^ „30 Milliarden Euro sollen BayernLB retten",
Welt Online, 28.11.2008
vgl. Bloss, Ernst, Hacker Eil: „Von der Subpri-
me-Krise zur Finanzkrise", S. 1 ff, Olden–
bourg, 2008
^ „Ausgehende Ölreserve - Der ausgepumpte
Planet", Spiegel Online, 02.11.2007
^ „Der wunde Geist des Kapitalismus - Das
große Staatsversagen", Handelsblatt, Nr 249,
2008
^° vgl. Hall, Rabushka: „Fiat Tax - Die Steuerre–
volution", Meridiana Publishers, ECAEF,
2007
Literaturempfehlung
Max Otte: „Der Crash kommt", Ullstein,
2008.
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