Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Staatskrise.
Die Kredite (Assets) werden aus der Bilanz einer
Bank ausgegliedert, durcti eine Zweckgesell–
schaft (Special Purpose Vehicle) rechtlich
verselbständigt und über die Ausgabe von Wert–
schriften, den Asset-Backed Securities (ABS),
an den internationalen Finanzmärkten refinan–
ziert. Das Special Purpose Vehicle befreit die
Bank vom Risiko, es erscheint nicht in ihrer Bi–
lanz. Die Bank kann die Eigenmittelvorschriften
von Basel I umgehen. Der Kern des ABS-Sys–
tems entstand aus Hypotheken und den hypo–
thekarisch besicherten Anleihen, den Mortga–
ge-Backed Securities (MBS).
Mit Hilfe des MBS-Finanzinstruments konnten
nicht gedeckte Immobiliendarlehn massenwei–
se in Vermögenswerte umgewandelt werden.
Die Ökonomie der Verschuldung
Der US-Hypothekarmarkt wurde zum größten
Kapitalmarkt der Welt. Die US-Bürger verfielen
massenweise dem Konsum, ihre Sparquote sank
unter Null. Die Gewinnkurven des Finanzge–
schäfts stiegen scheinbar endlos an und die
Werbesprüche der Banken suggerierten den si–
cheren Erfolg: „Ain't no mountain high enough"
(Bear Stearns), „Managed aggression, outstan-
ding performace" (Goldman Sachs), „Where Visi–
on gets bullt" (Lehman Brothers), „You can count
on
US"
(Indymac), „No one knows more about
risks" (American International Group), „Merrill
Lynch is bullish on America" (Merrill Lynch). Erst
am Ende fiel der wesentliche Faktor ins Gewicht:
Die zur Deckung der Darlehen benötigen Einla-
> innerhalb
Finanzsektor
• nominales
Bruttoinlands–
produkt
• außertialb
Finanzsektor
1970 1980 1990 2000 2002 2004 2006 2007 2008
Zeitraum
Abb. 1: Blase im US-Finanzsektor
Bündelungen und Verschachtelungstechniken
stellten eine Reihe weiterer „Finanz-Innovati–
onen" dar die aufgrund ihrer Komplexität die
Risiken verschleierten und auf die Investoren
verteilten. Collateralised Debt Obligations
(CDO), eine weitere Tiefe der Verbriefung, ver–
mehrten die undurchschaubare Dynamik des
Kreditgeschäfts. Der Unterschied zu den ein–
facher strukturierten MBS liegt darin, dass CDO
nicht direkt Hypotheken einkaufen, sondern
Mortgage-Backed Securities. Ein weiterer Markt
der CDO waren die Private-Equity-Gesell–
schaften, die ihr Geld nicht von den Banken di–
rekt bekamen, sondern sich über CDO refinan–
zierten.Nachdem die Blase im Finanzsektor
platzte, sank das Transaktionsvolumen der Pri-
vate-Equity-Branche 2008 in den USA auf 65
Milliarden Dollar gegenüber dem Volumen von
10
394 Milliarden Dollar im Jahr 2006.^
gen der Bankinstitute waren nicht vorhanden.
Das Geld existierte nur scheinbar virtuell. Die
Finanzaktivitäten auf Basis der Asset Securitiza–
tion führten arrogant und sicher in die Krise. Die
US-Banken Bear Stearns, Goldman Sachs, Leh–
man Brothers, Indymac, AIG und Merrill Lynch
verzeichneten insgesamt etwa 100 Milliarden
Dollar Verlust, bis Ende 2008 gingen zehntau-
sende von Arbeitsplätzen dabei verloren.
Durch die Undurchsichtigkeit des ABS-Sys–
tems waren die eigentlichen Werte nicht
annähernd bekannt. Die Komplexität hatte
derart zugenommen, dass schließlich niemand
mehr genau wusste, wer welche Position ver–
bucht hat und welche Risiken dahinter steckten.
Keiner konnte sich mehr auf den anderen
verlassen. Die Geldflüsse stockten. Jobs ver–
schwanden. Die großen Investmentbanken
venwandelten sich in normale Geschäftsbanken
oder sie gingen unter
Die Bankwelt verlor
das Vertrauen, die Wirtschaft den Boden,
die Politik ihre Fassung und der Anleger
sein Geld.
Die Ursache: Selbstkonsistente
Finanzsysteme
Die Finanzberater und Käufer von ABS stützen
sich auf die Revisionsberichte und Rechtsgut–
achten sowie auf die Sorgfaltsprüfung der In–
vestmentbanken, der Credit-Enhancer und der
Ratingagenturen, die weder gemeinnützige noch
staatliche Institutionen sind, sondern Unterneh–
men, die mit den Ratings selbst Profite erzielen.
Ihre Modelle stützen sich auf empirische Daten
und erkennen nicht, ob und wann ein Kreditneh–
mer seine Pflichten gegenüber dem Kreditgläu–
biger nicht mehr erfüllen kann.
Daraus resultierten grobe Fehleinschätzungen,
die einem Pool von riskanten Krediten eine Spit-
zen-Tranche (Triple-A) bescheinigten. Die un–
vollständigen Modelle der Ratingagenturen und
Analysten entkoppelten den gesamten Finanz–
markt von der realen Wirtschaft. Die Banken,
Kreditnehmer und Investoren agierten rational
innerhalb des selbstkonsistenten Finanzsys–
tems, ohne sich an den Bedingungen der ech–
ten Wertschöpfung zu orientieren. Man glaubte,
dass die künstlich erzeugten Wertpapiere
im
Markt zu realisieren sind. Doch als die Rating–
agenturen begannen, die oberen Tranchen der
Subprime-CDO abzustufen,
brach in einer
Kettenreaktion die gesamte Finanzkons–
truktion zusammen.
Die Geldschöpfung im Finanzka–
sino und das Ende der Finanzkrise
So
komplex und verwickelt die Vorgänge wir–
ken, so einfach lassen sich die grundlegenden
Prinzipien verstehen. Die Blase im Finanzsektor
war etwa so vorhersehbar wie der Ausgang
beim Roulett. Man weiß nicht, wann eine Serie
abreißt. Sicher ist: am Ende gewinnt die Bank.
Mit unscharfen Regeln.
Die Geschäftsvorgän–
ge hinter der Finanzblase glichen einem gi–
gantischen Glücksspiel.
Je höher die Rendi–
te, desto geringer die Gewinnchance. Wesent–
lich dabei sind folgende Umstände:
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