Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Staatskrise.
Die Folgen des falsch gelebten Kapitalismus.
Was ist zu tun? - Sieben Thesen und Handlungsfelder
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von Albrecht Stäbler und Siegfried Weinmann
(HI2065934)
Der Zusammenbruch der Finanzmärkte geht
vielen Industrieunternehmen an die Substanz.
Die freie Marktwirtschaft des Kapitalismus
scheint nicht mehr zu funktionieren. Der Staat
greift ein und versucht zu retten, was kaum zu
retten ist. Eine neue Situation, ohne neue Kon–
zepte. Bürgschatten und Subventionen, finan–
ziert durch Kredite in Milliarden Höhen, sollen
helfen, die Arbeitsplätze zu sichern und Arbeit
zu beschaffen. Zinssenkungen und Finanzsprit–
zen sollen die Fehler beheben, die dazu führten,
dass das globale Finanzsystem entartete und
heute der Volkswirtschaft unermessliche Schä–
den bereitet. Politische Maßnahmen sind not–
wendig, doch sie müssen aus einem neuen Ver–
ständnis der Beziehungen von Staat, Wirtschaft
und Finanzen getroffen werden.
Der Geldmarkt ist die Achillesferse der
Wirtschaft.
Die Regulierung des Finanzge–
schäfts ist ein Schlüsselfaktor für unser ges–
amtes Wertschöpfungssystem, ebenso wie die
Energieversorgung und das Bildungswesen. Der
Staat steht vor schweren Aufgaben, die ohne
strukturelle Reformen nicht zu bewältigen sind.
Der Höhenflug an der Wal l Street
„Der Höhenflug an der Wall Street beschert
Bankern, Analysten und Händlern einen Geldre–
gen", zitierte das Handelsblatt die New York
Times Ende 2006. „Die Jahresschluss-Boni
dürften um zehn bis 15 Prozent gegenüber
2005 steigen ... Allein die fünf großen US-In–
vestmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stan–
ley, Merrill Lynch, Lehman Brothers und Bear
Stearns werden ihren 173 000 Angestellten
dieses Jahr voraussichtlich Prämien von 36 Mil–
liarden Dollar zahlen ... Die fünf Großen wer–
den laut Schätzung von Analysten in einer Um–
frage von Thomson Financial in diesem Jahr zu–
sammen Erlöse in Höhe von 128 Milliarden Dol–
lar erzielen. 40 bis 50 Prozent davon resen/ieren
sie für Gehälter und andere Vergütungsbestand–
teile, und davon wieder etwa 60 Prozent für die
Prämien am Jahresende ... Berufsanfänger, die
gerade von der Universität gekommen sind,
bringen es an der Wall Street auf 200 000 bis
270 000 Dollar Gesamtlohn. Ein frisch geba-
ckener Analyst bekommt im ersten Berufjahr
zwischen 105 000 und 145 000 Dollar"^
Ähnliche Szenen spielten sich seit Jahren an den
anderen großen Finanzplätzen ab
Die stolzen
Zahlen der Finanzwelt hatten tief greifende
Auswirkungen auf die Volkswirtschaft: Im
Jahr 2006 gab es in Großbritannien 6,5 Millio–
nen Beschäftigte im Finanzsektor gegenüber
3,2 Millionen Enwerbstätigen der Industrieunter–
nehmen. Innerhalb von zwei Jahrzehnten hat
sich
in Großbritannien das Verhältnis der Zahl
von Industriearbeitenden gegenüber den Ange–
stellten in der Finanzdienstleistung umgekehrt.
Nach einer Prognose des Nachrichten-Magazins
Der
Spiegel sollen in den nächsten zwei Jahren
allein in der City of London 370 000 Stellen
im
Finanzbereich wegfallen.^
Der Geldregen aus der
ABS-Maschine
Welcher Mechanismus beschaffte die Geldflut?
- Die Grundidee ist einfach: Kredite werden
verbrieft und als Wertpapiere auf dem Finanz–
markt angeboten. Eine Bank, die Kredite ver–
kauft, kann neue Kredite vergeben. Genauer: