Unternehmenssteuerung
Die betriebswirtsciiaftlichen Disl<ussionen über
Wertorientierung vermitteln den Eindruck, dass
das Thema in der Praxis längst angekommen ist
und zugehörige Systeme der Unternehmens-
steuerung installiert sind oder aktiv vonwärts
getrieben werden. Der Status Quo zeigt jedoch,
dass noch erhebliche Verbesserungsreser–
ven offen liegen.
Als Teilergebnis ist positiv festzustellen, dass
die Diskussion über Wertorientierung die Bi–
lanzseite ins Blickfeld gerückt hat. Die Gegen–
überstellung von Ergebnis und Kapitalbindung
hat tendenziell dazu geführt, dass Kapital
sorgfältiger eingesetzt wird. Dies gilt für das
Anlagevermögen als auch das Working Capi–
tal.
Dennoch: Es gibt noch viele Verbesse–
rungspotenziale! Die Praxis zeigt, dass Un–
ternehmen bei Rendite und Liquidität immer
stärker von ihren Kunden unter Druck gesetzt
werden. Da ist es gut, in einem bisher ver-
zend durch gezielte Senkung der Kapitalkosten,
dann gilt es tatsächlich in den meisten Unter–
nehmen, die Steuerungssysteme unverzüglich
auf den Prüfstand zu stellen!
Literaturhinweise:
Coenenberg, Adolf G.; Salfeld, Rainer: Wertori–
entierte Unternehmensführung, Stuttgart 2003
Deloitte&Touche: Praxis-Studie zum Thema
„Kostenmanagement & Controlling", Düsseldorf
O.J.
Hauser, Martin: Wertorientierte Betriebswirt–
schaft, Arbeitspapiere der Controller-Akademie,
Gauting o.J.
Klepzig, Heinz-Jürgen: Working-Capital und
Cash Flow, Wiesbaden 2008
Rappaport, A.: Creating shareholder value: the
• Prof. Dr Heinz-Jürgen Klepzig
hat als Arbeitsschwerpunkt das wirtschaftlich-sinnvolle Ver–
ändern von Unternehmensprozessen. Er ist Professor für Be–
triebswirtschaft/Logistik und verfügt über langjährige Erfah–
rung als Geschäftsführer in einer großen Beratungsgruppe
und als Interimsmanager
torientierte Unternehmenssteuerung, Wiesba–
den 2004
Eine übersichtliche Darstellung bringt Hauser
Martin: Wertorientierte Betriebswirtschaft, Ar–
beitspapiere der Controller-Akademie, Gau–
ting o.J.
\ vgl. Stewart, G.B.; Stern, J.M.: The quest for
value: the EVA management guide, New York
1991
\ Rappaport hatte bereits im Jahre 1986 mit
seiner Veröffentlichung Creating Shareholder
Value das Prinzip der Wertsteigerung als über–
geordnetes Ziel unternehmerischen Tuns for–
muliert und zugleich die Discounted Cash
Flow Methode als ökonomisch fundierte Be–
rechnungsweise des Unternehmenswerts in
die Praxis eingeführt. Der Unternehmenswert
ergibt sich demnach aus der Summe des für
die Zukunft erwarteten Free Cash Flow, dis–
kontiert mit einem Kapitalkostensatz, der das
Unternehmensrisiko berücksichtigt. Die Er–
mittlung des Unternehmenswertes erfolgt ge–
mäß der Grundidee von Rappaport nach einer
Formel, die selbst einem „normalen" Be–
triebswirtschaftler als „etwas sperrig" er–
scheint und als Leitidee für ein Unternehmen
den Mitarbeitern sicher schwer zu vermitteln
ist. Vgl. Rappaport, A.: Creating shareholder
value: the new Standard for business Perfor–
mance, New York 1986
nachlässigten Bereich noch Reserven zu ha–
ben. Die Gestaltung der Vermögensseite und
hier speziell des Working-Capitals eines Un–
ternehmens ist ein solcher Bereich, der bei der
Unternehmenssteuerung bislang im Abseits
steht.
Wenn demgemäß eine Reduzierung der Kapital–
bindung ernsthaft verfolgt wird, dann sind ab–
gestimmte Werttreiber-Hierarchien zu entwi–
ckeln, die den Mitarbeitern diese Orientierung
erleichtern! Wenn Wertorientierung im Unter–
nehmen als Leitidee verfolgt werden soll, dann
ist den Mitarbeitern nicht nur das „Was", son–
dern auch das „Warum" zu erläutern!
new Standard for business Performance, New
York 1986
Stewart, G.B; Stern, J.M.: The quest for value:
the EVA management guide, New York 1991
Weber, Jürgen u.a.: Wertorientierte Unterneh–
menssteuerung, Wiesbaden 2004
Wildemann, Horst: Asset Management und Wor-
king-Capital-Controlling, 5. Aufl. München
2004
Fussnoten:
^ Gemäß Praktiker-Definition ist Working Capi–
tal = Umlaufvermögen - kurzfristige Verbind–
lichkeiten
^ Die Unternehmenswertermittlung gemäß
Rappaport venwendet dagegen Cash-Größen.
vgl. dazu auch Weber, Jürgen u.a., a.a.O.
vgl. z.B. Wildemann, Horst: Asset Manage–
ment und Working-Capital-Controlling, 5.
Aufl., München 2004
vgl. z.B. Klepzig, Heinz-Jürgen: Working-Ca–
pital und Cash Flow, Wiesbaden 2008
Wenn es ausdrückliches Unternehmensziel ist,
den Unternehmenswert zu steigern durch eine
Erhöhung des Betriebsergebnisses und ergän-
ONTROLLER
'. vgl. z.B. Coenenberg, Adolf G.; Salfeld, Rai–
ner: Wertorientierte Unternehmensführung,
Stuttgart 2003 sowieWeber, Jürgen u.a.: Wer-
Deloitte&Touche: Praxis-Studie zum Thema
„Kostenmanagement & Controlling", Düssel–
dorf o.J.
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