Seite 75 - CONTROLLER_Magazin_2008_01

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CM Januar / Februar 2008
Auswirkungen des lAS 18 auf das Projektcon
trolling von Dienstleistungsaufträgen
von Babette Drewniok, Kreuzau und Ulrich Gerber, Bielefeld
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Zum Thema der Percentage of Completion-
Ivlethode' gibt es mittlerweile eine Vielzahl an
Veröffentlichungen, jedoch nur sehr wenige, die
speziell Fragestellungen der Anwendungen auf
Dienstleistungen zum Gegenstand haben. Der
vorliegende Artikel beschäftigt sich mit dem
Thema PoC aus der Perspektive des Controlling
am Beispiel von personalintensiven Dienst–
leistungsaufträgen.
Grundlagen
Bei der Erfassung der Auftragserfolge von pe–
riodenübergreifenden Dienstleistungsprojekten
besteht eine unüberbrückbare Differenz
zwischen den
IFRS
und dem
HGB.
da beim
HGB nach herrschender ivleinung aufgrund des
Realisationsprinzips nur ein Gewinnausweis
nach Auftragsabschluss (d.h. nach Fertigstel–
lung, sog. Completed Contract-Methode) mög–
lich ist.' Die IFRS dagegen sehen die Erfassung
des Auftragserfolges nach dem jeweiligen
Fertigstellungsgrad (sog. Percentage of Com-
pletion-Methode bzw. PoC-Methode) vor.
Die Bilanzierung von Dienstleistungen nach
IFRS ist im lAS 18 geregelt. lAS 18.4 hält grund–
sätzlich fest, dass das Erbringen von Dienstleis-
tungen teilweise mit langfristigen
Fertigungsaufträgen verbunden ist, und dass
die Erlöse in lAS 11 Fertigungsaufträge geregelt
sind. Dieser Verweis ist insofern wichtig, da bei
einer rein formalen Betrachtung reine Dienst–
leistungsaufträge zunächst nicht in den Anwen–
dungsbereich des lAS 11 fallen. Darüber hinaus
finden sich weitere spezielle Regelungen in lAS
18.20 bis 18.28 unter demTitel „Erbringen von
Dienstleistungen". lAS 18.21 enthält einen
nochmaligen Verweis auf lAS 11: die Anforde–
rungen des lAS 11 sind „im Allgemeinen" auf
Dienstleistungsgeschäfte anwendbar. Da die
Regelungen in lAS 18.20 bis 18.28 analog zu
denen in lAS 11 sind, sind sie durch den Ver–
weis auf lAS 11 redundant, was nach Ansicht
der Autoren für den Anwender eher verwirrend
als hilfreich ist. Im Sinne der Klarheit wäre im
lAS 18 der Verweis auf IAS 11 und im Anschluss
nur die Auflistung solcher Punkte, bei denen bei
Dienstleistungsautträgen abweichend vom lAS
11 zu verfahren ist, wünschenswert gewesen.
Langfristige Fertigungsaufträge im Sinne des
lAS 11^ sind durch folgende Merkmale charak–
terisiert:
• Es handelt sich um eine kundenspezifische
Fertigung. Dadurch besteht kein Vermark–
tungsrisiko mehr, sondern ein Herstellungs–
risiko.
• Beginn und Ende der Abwicklung fallen in
unterschiedliche Berichtsperioden (Jahres–
abschluss oder Quartale), d.h. dazwischen
liegt ein Abschlussstichtag.
Vertragstypen der Fertigungsaufträge /
Dienstleistungsverträge
lAS 11 unterscheidet zwischen Festpreisver-
Autoren
trägen (fixed price contracts) und Kostenzu–
schlagsverträgen (cost plus contracts). Darüber
hinaus ist für die Steuerung von Projekten die
Unterscheidung inWerk- undDienstvertrag not–
wendig. Der Unterschied besteht darin, dass
beim Werkvertrag ein Leistungsrisiko besteht,
da der „Erfolg", d.h. die Herstellung des verspro–
chenen Werkes, geschuldet wird. ImGegensatz
dazu wird beimDienstvertrag lediglich die Tätig–
keit, d. h. die Leistung der versprochenen Diens–
te, geschuldet. Fertigungsaufträge im Sinne des
lAS 11 sind nur Werkverträge oder Werkliefe–
rungsverträge-, da nur bei diesen die perioden–
gerechte Erfolgsermittlung problematisch ist.
Bei Dienstverträgen besteht lediglich das eher
organisatorische Problem, die Fakturierung zeit–
nah zur Leistungserbringung durchzuführen.
Unter Risikogesichtspunkten lassen sich die
möglichen Vertragskombinationen wie folgt
klassifizieren.
Einen Sonderfall der Festpreisprojekte stellen
die so genannten „gedeckelten" Festpreispro–
jekte dar Hierbei hat der Kunde ein Anrecht auf
einen Preisnachlass, sofern die Projektkosten
unter dem Plan liegen.
• Babette Drewniok, Dipl.-Kfm.
ist freiberufliche Trainerin und Beraterin. Das Thema „Aus–
wirkungen von IFRS auf die Unternehmenssteuerung" ist einer
ihrer Arbeitsschwerpunkte.
• Ulrich Gerber, Dipl.-Betriebswirt
verfügt über umfangreiche Erfahrungen in Produktions- und
Dienstleistungsunternehmen und ist zur Zeit Chief Corporate
Controlling der itelligence AG in Bielefeld. Ulrich-Gerber®
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