Bewertung von intellectual Capital
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Intangible Ratio - Ein Ansatz zur Bewertung von
Intellectual Capital
von Bernd Britzelmaier und Christoph Huß
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Die wachsende Lücl<e zwischen dem Marl<twert
und dem Buchwert des Eigenkapitals eines
Unternehmens ist ein bekanntes Symptom. Die
Ursache dafür findet sich häufig in der High–
tech- und Dienstleistungsorientierung moder–
ner Unternehmen. Dem gestiegenen Einfluss
von immateriellem Vermögen auf die Wert–
schöpfung steht eine inadäquate Abbildung im
externen Rechnungswesen gegenüber Die Fol–
ge ist ein
verstärktes Risiko der Fehlsteue–
rung
durch Fehlallokation von Ressourcen, aber
auch eine
abnehmende Signifikanz externer
Beurteilungen.
Wenn weite Teile des in man–
chen Branchen wichtigsten Vermögenswertes
weder bewertet noch abgebildet werden, kann
schwerlich Steuerung stattfinden. Der Artikel
stellt eine Kennzahl vor, die es erlaubt, das Risi–
ko einer Fehlsteuerung über traditionelle Kenn–
zahlen einzuschätzen.
Intellectual Capital
Seit Anfang der 1990er setzen sich Theorie und
Praxis zunehmend mit „immateriellen Vermö–
genswerten", „Intangibles" oder „Intellectual
Capital" auseinander Die Theorie besagt, dass
sich der Markhwert eines Unternehmens aus
dem Financial und dem Intellectual Capital zu–
sammensetzt, welches sich wiederum unter–
gliedert. Eine ausfühdiche Auseinandersetzung
dazu findet sich im Controller Magazin 4/2007
(Kottbauer und Bornemann/Wuscher).
Praktische Relevanz von
Intellectual Capital
1999 führte das Fraunhofer Institut für Arbeits–
wirtschaft und Organisation (IAO) eine Umfrage
zum Thema Intellectual Capital (IC) durch (Ed-
64
vinsson/Brüning S. 133 ff). ImRahmen der Um–
frage wurden 1.300 Unternehmen unterschied–
licher Branchen in Asien, Europa und Nordame–
rika befragt. 82,3% der Befragten bewerteten
IC als erfolgskritisch. 2004 führte die Manage–
mentberatung Arthur D. Little in kleinerem Rah–
men ebenfalls eine Studie zum Thema IC durch,
die diese Einschätzung noch einmal bestätigt
(Arthur D. Little). Wissen ist neben Arbeit, Kapi–
tal und Boden nicht nur zum vierten Produkti–
onsfaktor avanciert, sondern in vielen Branchen
zum entscheidenden Werttreiber geworden
(Stewart). Die Beschäftigung mit dem Thema ist
folglich berechtigt, da Intellectual Capital in ein–
zelnen Branchen bis zu 80% der Wertschöp–
fung beeinflusst (Edvinsson/Brüning S. 14),
Einfluss auf die
Marktkapitalisierung
Der Einfluss des Intellectual Capital auf den
Marktwert erklärt sich durch die restriktiven An–
satzkriterien von HGB, IFRS und US-GAAP in
Bezug auf Intangibles. Periode für Periode
schmälern Aufwendungen das Ergebnis, die un–
ter Intellectual Capital Gesichtspunkten als im–
materieller Vermögenswert aktiviert, oder einem
solchen zugeschrieben werden müssten. Die
Investoren am Markt hingegen wissen um das
Potential eines Unternehmens, das sich neben
dem physischen Vermögen u.a. auch auf Fak–
toren wie Innovationskraft, Kundenstamm, Li–
zenzen undMart<en begründet. Das Ergebnis ist
ein Marktwert, der bei wissensintensiven Unter–
nehmen wie SAP zehnfach so hoch wie der
Buchwert des Eigenkapitals sein kann (Huß).
Markt-Buchwert-Relation
Zur Einschätzung des Potentials eines Unter–
nehmens bedienen sich Analysten u.a. der
Markt-Buchwert-Relation. Diese basiert auf der
Annahme, dass die Differenz zwischen Markt–
wert und Buchwert des Eigenkapitals vollstän–
dig dem Intellectual Capital zuzuschreiben ist
(u.a. Sveiby). Der Ansatz setzt dabei den Markt–
wert gleich der Martdkapitalisierung eines Un–
ternehmens.
MBR--
Marktwert
Buchwert
Je höher das Ergebnis, desto größer ist folglich
das Potential des Unternehmens aufgrund des
nicht bilanzierten Intellectual Capitals (Becker).
Der Ansatz steht allerdings in der Kritik, da die
Ausgangsgrößen Marktwert und Buchwert Ver–
fälschungen ausgesetzt sind. Auf Seiten des
Marktwertes ist bei einer Venwendung der Markt–
kapitalisierung die Volatilität des Aktienkurses zu
nennen. Bei einer Feststellung des Mari<twertes
durch Verkauf verfälschen die gegensätzlichen
Interessen von Käufer und Verkäufer denWert.
Im Buchwert nicht enthalten sind hingegen stille
Reserven, die definitiv nicht dem Intellectual Ca–
pital zuzurechnen sind (z.B. Gebäude, Grund–
stücke, Maschinen). Negative Effekte entstehen
ebenso durch die Bilanzierung von Teilen des
Intellectual Capitals unter den immateriellen
Vermögenswerten des Anlagevermögens. Dort
findet sich auch der entgeltlich erworbene
Goodwill. Dieser wird unter HGB häufig linear
abgeschrieben (Ballwieser/Wöhe). Hier findet
sich also ein Teil des Intellectual Capital in der
Bilanz, der damit über traditionelle Kennzahlen
berücksichtigt wird, aber keiner aktiven Steue–
rung untertiegt. Letztendlich beeinflusst auch
die Verwendung unterschiedlicher Bilanzie–
rungsrichtlinien oder die unternehmensspezi–
fische Bilanzpolitik den Buchwert des Eigenka–
pitals. Unbestreitbar bleibt jedoch, dass große
Teile des Intellectual Capitals weder bewertet
noch bilanziert werden. Was aber nicht gemes-
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