Seite 48 - CONTROLLER_Magazin_2008_05

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Yield Management
Die notwendige Decl<ungsbeitragsrech-
nung
wird in untersctiiedlictien Ausbaustufen
und mit unterschiedlicher Qualität bereits in
fast allen Unternehmen eingesetzt. Für den
be–
trachteten Zeitraum (in der DB-Rechnung meis–
tens Monat und/oder Jahr) soll geklärt werden,
welchen Beitrag das jeweilige Produkt für die
Realisierung der Unternehmensziele geleistet
hat bzw. leisten wird. Es ist also die Frage zu
beantworten, welcher Geldbetrag dem Unter–
nehmen zusätzlich zur Verfügung steht, da–
durch dass es z. B. eine zusätzliche Kreuzfahrt
durchführt oder
einen
zusätzlichen Passagier
an Bord nimmt.
Die betrachtete Größe ist der Deckungsbeitrag,
welcher angibt, um wie viel die Nettoerlöse
die
variablen Kosten überstiegen haben. Üblicher–
weise wird er wie folgt definiert: Formel (1)
DB =
U - K ,
= p*x-l<, *x
in€
DB
U
K
P
X
K
Deckungsbeitrag
Umsatz
Variable Kosten
Preis pro Stück
Menge
Variable Stückkosten
Diese Standarddefinition enthält leider einige
Probleme, die erst beseitigt werden müssen,
bevor die Deckungsbeitragsrechnung sinnvoll
angewendet werden kann. (vgl. Hoberg 2004b,
S. 374-353)
Präzisierung der Deckungs–
beitragsdefinition
Im
ersten Schritt ist der Preis genauer
zu
definieren.
Im Unternehmensalltag gibt es
zahlreiche unterschiedliche Preise. Die Span–
ne reicht vom Listenpreis über Rechnungs–
preise zu den verschiedenen Formen der Net–
topreise. In der Deckungsbeitragsrechnung in–
teressiert jedoch nur der Preis nach Abzug
aller Rabatte (möglichst inklusive der Umrech–
nung der Zahlungsziele, was durch Ab- oder
Aufzinsung geschehen kann). Denn nur dieser
Betrag steht dem Unternehmen zur Verfü-
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gung.
Es sind
nämlich
viele Rabatte
/Ertösschmä-
lerungen zu
beachten, die in folgenden drei
Erscheinungsformen eingeteilt werden können:
a) anlässlich der Rechnungsstellung (z. B. Men–
gen-, Sortiments- oder Großkundenrabatt)
b) bei der Bezahlung (z. B. Skonti, Werbekosten–
zuschüsse, Zentralkonditionen etc.) und
c) am Ende einer Periode (meistens Jahresende)
z. B. in der Form von Rückvergütungen (Kick–
backs), Handelsförderung, Zusatzprovisionen etc.
Dazu kommen die finanziellen Effekte von Zah–
lungszielen oder Zahlungsplänen, die über Auf-
und Abzinsungen abgebildet werden sollten.
Auch müssen ggf. Währungseffekte eingerech–
net werden.
Ohne Berücksichtigung dieser Rabatte und Er–
lösschmälerungen bestünde die Gefahr, dass
Vergleiche zwischen Produkten (auch Netzen,
Regionen, Kunden, Vertriebskanälen usw.) zu
falschen Ergebnissen führen (vgl. Hoberg 2004b
S. 347-353). Es ist also vom Nettopreis und
vom Nettoumsatz nach Abzug aller Rabatte aus–
zugehen. Eventuell sind auch noch Vertnebs-
provisionen abzuziehen, die z. B. im Hotelbe–
reich Größenordnungen von 30% des Rech–
nungsbetrages erreichen können.
Imzweiten Schritt
empfiehlt
es sich, die Di–
mensionen der
Variablen
zu ergänzen
Für
die Formel des Deckungsbeitrags findet man in
der Literatur entweder gar keine Dimension oder
häufig nur die Dimension €. Dies reicht jedoch
nicht aus, weil die Angabe eines Deckungsbei–
trages ohne Nennung der zeitlichen Bezugsgrö–
ße (z. B. ein Monat) nicht sehr sinnvoll ist. Hier
wird allgemein von einer bestimmten betrachte–
ten Periode ausgegangen, so dass die zeitraum–
bezogenen Größen die Dimension „€ in der be–
trachteten Periode" - kurz €/Pe - tragen. Inner–
halb einer Periode fallen die Größen gemäß den
impliziten Prämissen der Kosten- und Leistungs–
rechnung genau in der Mitte an, was allerdings
nur bei längeren Perioden zu Ergebnisunter–
schieden führt. Bei einer Kreuzfahrt könnte die
Dimension € für eine bestimmte Tour sein, die
z. B. in einer Kalenderwoche durchfahren wird.
Einen Flug würde man In € pro Flug messen.
Im dritten Schritt ist die Menge x genauer
zu definieren.
Denn Mengen, die z. B. als Na–
turalrabatt an den Kunden gegeben wurden,
führen nicht zu Einzahlungen. Um den Effekt der
nicht fakturierten Absatzmengen zu erfassen,
muss der gesamte Nettoumsatz U,^ durch die
gesamte Absatzmenge (inkl. Naturalrabatt) divi–
diert werden, um den tatsächlichen Nettopreis
p,^ zu erhalten. So können dann z. B. frei mitfah–
rende Ehepartner über den niedngeren Netto–
preis der Kategorie berücksichtigt werden.
Viertens muss auch der variable
Stück–
kostensatz
k^
präzisiert werden In der be-
trteblichen Wirklichkeit gibt er die variablen
Stückkosten wieder, wie sie am Ende der Pro–
duktion angefallen sind. Aber es sollte mit
einem Korrekturfaktor der Tatsache Rechnung
getragen werden, dass Teile der produzierten
Menge in die Qualitätskontrolle wandern, beim
Transport oder der Lagerung verloren gehen,
verderben, beschädigt werden usw.. Der
Stückkostensatz k^ muss also ggf. einen Auf–
schlag erhalten und wird damit in den absatz-
mengenbasierten Stückkostensatz k^^ über–
führt. In der Tounstik können damit z. B. die
Kosten abgebildet werden, welche bei Mahl–
zeiten dadurch anfallen, dass Menge und Aus–
wahl der gewünschten Essen nicht exakt vor–
hergesagt werden kann. Auch zusätzliche Kos–
ten aufgrund vonWarteschleifen über Flughä–
fen müssen so erfasst werden. Allerdings
dürfte die Quantifizierung dieser Effekte nicht
immer einfach sein.
In der Sachgüterproduktion können damit Ver–
luste bei Transport, Lagerung und Auslieferung
abgebildet werden.
Zudem sind weitere variable Kosten außertialb
der eigentlichen Produktion zu berücksichtigen:
a) Absatzmengenabhängige Vertriebskosten: Es
ist ein großer Unterschied, ob das Unterneh–
men den Auftrag z. B. zuminimalen variablen
Kosten über die eigene Web-Anwendung
erhält oder ob für Absatzmittler hohe Provisi–
onen gezahlt werden müssen (bis zu 40%
des Rechnungsumsatzes).
b) Gebühren von Dienstleistern (z. B. Flughafen–
gebühren, Kosten für externe Qualitäts–
kontrolleure etc.).
c) Absatzmengenabhängige Distributionsko–
sten: Speditionskosten können je nach Ge–
wicht und Entfernung sehr teuer werden.
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