Seite 41 - CONTROLLER_Magazin_2008_05

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parenz bis hin zum Ursprungsbeleg. Jede Bu–
chung kann so lückenlos nachvollzogen wer–
den. Allerdings wirkt sich jede falsche Bu–
chung
von
der Beschaffung, über die
Produktion, der Materialwirtschaft und dem
Vertrieb direkt auf die Buchhaltung und damit
auf das Controlling aus.
Im Controlling kom–
men letztlich die maximal möglichen Feh–
ler an.
Diese werden durch die internen Feh–
ler aus Verrechnungen und Abrechnungen
noch verschärft.
Schnittstellenlose Systeme geben diese Daten
dann an Management Informationssysteme,
Decissions Support Systeme oder Data- und
Business Warehouse Systeme weiten Die ein–
gebaute Prüfung auf Plausibiltät und Validität
sind dabei oft unzureichend und berücksichti–
gen nicht die Logik und Struktur der überge-
benen Daten.
Die Abhängigkeiten
Obwohl sich die ERP-Systeme bis ins kleinste
einstellen (customizen) lassen, können be–
stimmte Abhängigkeiten von Feldern und Feld–
inhalten nur unzureichend hinterlegt werden.
Beispielsweise kann im Kundenstamm zwar die
Hauswährung hinterlegt werden, doch ist es
möglich, dass die Rechnung in einer
anderen
Währung aufgemacht wird und der Kunde in ei–
ner dritten Währung bezahlt.
Selbst in einem ausgeklügelten System
wird es kaum möglich sein, alle diese Ab–
hängigkeiten zu hinterlegen.
Geschweige
denn, diese fortlaufend den Notwendigkeiten
anzupassen.
Eine der wichtigsten Stammdatentabellen ist
der Materialstamm. Dieser ist bereits in sich so
komplex, dass allein aus dem folgenden Bei–
spiel 14 in sich geschlossene Abhängigkeiten
bestehen (Abb.
2).
Hier wurden für jede Material–
art bestimmte Charakteristika definiert, wie
Warengruppe, Kontierungsgruppe, Bewer–
tungsklasse oder Preissteuerung. Hinzu kom–
men ergänzende Abhängigkeiten zur Produkt–
kalkulation, ggf. Produktionsplanung oder Pro–
duktkostensammler
Bei den hier genannten fünf Produkten können
Feldinhalte nicht mehr ohne weiteres manuell
auf Plausibilität geprüft werden. Die Abhängig–
keiten lassen sich zwar teilweise auf Material–
artebene einschränken, es sind aber immerhin
noch mindestens
1,1
Mio. Kombinationen aus
Falscheingaben möglich, während nur neun
Varianten erlaubt wären.
Bei den Bewegungsdaten verhält es sich ähn–
lich, doch wiri<en sich diese durch die DireWver-
buchung sofort in den angrenzenden Systemen
aus. Die Interdependenzen der Datensätze sind
enorm und lassen eine händische Massenprü–
fung kaum mehr zu. Eventuell kann schon mal
ein einzelnes Konto für einen gewissen Zeit–
raum geprüft werden.
Viele der Bewegungsdaten ziehen ihre Informa–
tionen aus den Stammdaten, doch können diese
üblicherweise geändert und auf die jeweiligen
Bedürfnisse des Geschäftsprozesses angepasst
werden. Praktisch gesehen, sind die Stammda–
ten somit nur noch unverbindliche Vorschläge.
Wird ein Kundenauftrag angelegt, so zieht der
Auftragskopf Informationen aus dem Kun–
denstamm, die Auftragspositionen aus dem
Materialstamm. Der Sachbearbeiter wird durch
die verschiedenen Feldprüfungen nun nicht in
seiner Kreativität eingeschränkt, sondern
es
werden ihm unzählige, teilweise sinnlose
Auswahlkriterien angeboten.
Hier sind Feh–
lermöglichkeiten Tür und Tor geöffnet, die durch
intensive Schulungsmaßnahmen zwar verbes–
sert werden können, aber kaum abzustellen
sind.
Ähnlich verhält es sich bei der Erfassung von
Kostenbuchungen. NormalenA/eise werden auf
eine Fertigungskostenstelle nur eine be–
schränkte Anzahl gültiger Sachkonten/Kosten-
arten gebucht. Doch kann es auch Ausnahmen
geben, bei denen z. B. auch Reisekosten anfal–
len. Aber Werbegeschenke sollten dort nicht
auftauchen. Dummerweise lassen sich solche
komplexen Abhängigkeiten nicht ohne weiteres
in SAP abbilden. Beispielhaft werden in Abb. 3
einige Abhängigkeiten von verschiedenen Kos–
tenstellentypen aufgeführt.
Verschärft wird das Ganze noch durch die voll–
ständige Integration des SAP Systems. Sicher–
lich gehört dies zu den herausragenden Stär–
ken von SAP verlangt aber andererseits auch
lückenlose und vor allem fehlerlose Buchungs–
vorgänge.
Zur weiteren Verdeutlichung der Abhängigkeiten
wird im Folgenden kurz der Zusammenhang
zwischen Beschaffungs- und Vertriebsabwick–
lung bis hinein in die Deckungsbeitragsrech–
nung aufgezeigt (vgl. Abb. 4).
Wurde beispielsweise im Lieferantenstamm
ein falscher Währungsschlüssel hinerlegt, wird
rundda
Fahrräder
P K W
L K W
Motorräder
Schmierstoffe
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ZFAR O l , 02
ZPKW 05 , 08
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Vertrieb
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Nein
Nein
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Ja
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Abb. 2: Abhängigkeilen im Materialslamm
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