Risikomanagement
nehmensweite Risikomanagementsystem dar–
gestellt wurden, erfolgt abschließend eine Dis–
kussion der Problembereiche.
Ein Problemfeld ergibt sich aus den unter–
schiedlichen Systemzielen. Zwar haben so–
wohl das unternehmensweite RMS sowie die
betriebliche Gefahrenabwehr das Oberziel der
Vermeidung existenzbedrohender Risiken. Wäh–
rend das unternehmensweite RMS jedoch au–
ßerdem die Verbesserung des wirtschaftlichen
Erfolgs eines Unternehmens durch das Abwä–
gen von Chancen und Risiken zum Ziel hat,
steht bei der betrieblichen Gefahrenabwehr die
Risikovermeidung im Sinne einer höheren Si–
cherheit im Vordergrund. Aufgrund der gesetz–
lichen Anforderungen und der daraus resultie–
renden Haftungsansprüche spielen Eintritts–
wahrscheinlichkeiten und monetäre Auswir–
kungen von Schadensereignissen in der
betrieblichen Gefahrenabwehr eine eher unter–
geordnete Rolle. Da die Abwehr betrieblicher
Gefahren zudem konkret bei einzelnen Maschi–
nen, Anlagen oder Produktionsstätten ansetzt,
ist der Detaillierungsgrad der Analysen und
Auswertungen sehr viel größer als bei einem
auf Gesamtunternehmensebene agierendem
Risikomanagement. Die unterschiedlichen Ziele
und Detaillierungsgrade beider Systeme er–
schweren somit deren Integration.
Ein weiteres Problem stellen die unterschied–
lichen Zuständigkeiten für beide Systeme
dar Während das unternehmensweite RMS i.
d.R. von einer zentralen Stabsstelle implemen-
50 tiert und gepflegt wird, sind für die betriebliche
Gefahrenabwehr dezentrale Sicherheitsbeauf–
tragte verantwortlich. Eine Integration erfordert
eine enge Zusammenarbeit und ggf. Neurege–
lung von Zuständigkeiten und Kompetenzen.
Beispielsweise müssen die dezentralen Sicher–
heitsbeauftragten in die Risikoinventur und das
Risiko-Reporting (insbesondere das Ad-hoc-Re-
porting) einbezogen werden.
Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen
beider Systeme sind Risikomanager von der
Ausbildung eher Ökonomen, Mathematiker oder
Wirtschaftsprüfer Die dezentralen Sicherheits–
beauftragten weisen dagegen einen eher tech–
nischen Hintergrund auf. Der unterschiedliche
Ausbildungshintergrund führt z.B. zu Kom–
munikationsproblemen aufgrund unterschied–
licher Begrifflichkeiten. So ist der Begriff der be–
trieblichen Gefahrenabwehr im zentralen Risiko–
management weitestgehend unbekannt. Hier
spricht man von Betriebsrisiken, wobei die Be–
griffsdefinition dann weiter ist. Zudem kann der
zentrale Risikomanager die technischen Details
einer betrieblichen Gefahrenabwehr häufig nicht
nachvollziehen, während den Sicherheitsbeauf–
tragten die Notwendigkeit einer ökonomischen
Risikobewertungen nicht immer klar ist.
Trotz der aufgezeigten Probleme ist für die Im–
plementierung eines unternehmensweiten und
einheitlichen Risikomanagements die Einbezie–
hung der betrieblichen Gefahrenabwehr in das
RMS zwingend erfordedich.
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geladen am18.02.2008.
Fußnoten:
Vgl. Hölscher (2000, S. 298), Schimmelpfeng
(2001, S. 280).
"
'^gl. Helten/Härtung (2002, S. 259) sowie Wol–
ke (2007, S. 198).
"Vgl. Neser/Elci (2004, S. 15), Schimmelpfeng
(2001, S. 281) sowie Low (2008, S. 325ff.).
•Vgl. Hölscher (2000, S. 303), Schimmelpfeng
(2001, S. 280).
'Vgl. Low (2008, S. 327).
"Vgl. Wolke (2007, S. 198f.).
"Vgl. Hölscher (2000, S. 338).
"Vgl. Wolke (2007, S. 199).
"Vgl. Low (2008, S. 327).
"Vgl. Mikus (1998, S. 175).
°Vgl. Helten/Hartung(2002, S. 258).
°*Vgl. Hölscher (2000, S. 313f.).
""Vgl. Burger/Buchharl (2002, S. 92f).
"Vgl. Mikus (1998: 202f.) sowie Schimmel–
pfeng (2001, S. 281).
"^Vgl. hierzu auch Helten/Härtung (2002, S.
261 f.).
"•A/gl. Mikus (1998, S. 209f.) sowie Burger/
Buchhart (2002, S. 106f.)
•^"Vgl. Mikus (1998, S. 207ff,).
""Vgl. Mikus (1998, S. 203ff.).
""Vgl. Hölscher (2000, S. 318ff.) sowie Helten/
Härtung (2002, S. 266).
""Vgl. Hölscher (2000, S. 330ff.).
""Vgl. Schimmelpfeng (2001, S. 279).
"»Vgl. Hölscher (2000, S. 333).
"n
/gl. Diederichs (2004, S. 205).
""•Vgl, Hölscher (2000, S. 329f.).
•
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