Risikomanagement
einzubeziehenden Risikofaktoren zwischen Rea–
litätsnähe einerseits und Komplexität und Auf–
wand andererseits abgewogen werden muss.
Anschließend wird versucht, die Eintrittswahr–
scheinlichkeit der einzelnen Risikofaktoren auf
der Grundlage einer statistischen Auswertung
früherer Schäden" (objektive Wahrscheinlich–
keiten) oder durch subjektive Expertenschät–
zungen zu erlangen. Zudem muss analysiert
werden, ob die Ermittlung von Wahrscheinlich–
keitsverteilungen für den Eintritt der Risikofak–
torenmöglich ist oder ob es sich um eher singu–
lare Ereignisse handelt. Problematisch hierbei
ist, dass häufig nicht ausreichend historische
Daten in Form von Schadensfalldatenbanken
vorliegen, so dass keine objektiven Eintritts–
wahrscheinlichkeiten geschätzt werden können.
Zudem handelt es sich bei betrieblichen Ge–
fahren um reine Risiken,
die
häufig
einen
höhung oder Verminderung von Erträgen und
Aufwendungen). Hinsichtlich der
Wirkungs–
stärke
ist das mögliche Schadensausmaß zu
analysieren. Sinnvoll kann hier das Durchspie–
len unterschiedlicher Szenarien sein, um die
Bandbreite des möglichen Schadensausmaßes
zu erkennen. Hinsichtlich der Zeitdauer ist zu
bestimmen, wann und über welchen Zeitraum
die Risiken schlagend werden können. Auf der
Grundlage dieser Erkenntnisse können
an–
schließend Sensitivitätsanalysen
durchge–
führt werden. Mit Hilfe von Sensitivitätsanaly–
sen kann untersucht werden, wie stark sich
eine unternehmerische Zielgröße bei schritt–
weiser Variation eines oder mehrerer Risikofak–
toren ändert.
Dabei sind aufgrund der zahlreichen Verflech–
tungen innerhalb des betrieblichen Leistungser-
Autoren
• Hauke Gastmeyer
ist seit 2004 bei der Dräger Sicherheitstechnik als Business De–
velopment Manager für die Entwicklung neuer Märkte zuständig.
Seine Schwerpunkte dabei sind die Risikoanalyse im Rahmen
der Business Continuity Analyse sowie die Implementierung der
betrieblichen Gefahrenabwehr in das Risikomanagementsystem
eines Untemehmens. E-Mail: hauke.gastmeyer@draegercom
• Prof. Dr Ute Vanini
vertritt seit 2003 die Fachgebiete ABWL und Controlling an der
FH Kiel. Ihre Forsctiungsschwerpunkte sind Risikomanage–
ment- und -Controllingsysteme. Auswirkungen einer IFRS-Rech–
nungslegung auf das Controlling sowie dysfunktionale Verhal–
tensweisen durch Controlling(-instrumente).
E-Mail:
Low-Frequency-High-Impact-Charakter
aufweisen,
so dass keine Wahrscheinlichkeits–
verteilungen für das Auftreten der Risikoereig–
nisse verwendet werden können. Hier spricht
man
von ereignisabhängigen Risiken, für die
Punktschätzungen für wenige Szenarien zu er–
mitteln sind."'
Anschließend sind die Auswirkungen der Ri–
siken auf die unternehmerischen Zielgrößen
hinsichtlich Art, Stärke, Zeitdauer und Sicher–
heit des vermuteten Zusammenhangs zu
ana–
lysieren."" Hinsichtlich der
Wirkungsart
ist vor
allem zu untersuchen, welche Zielgrößen von
dem Risiko betroffen sind und welche Wir-
48
kungsrichtung vermutet werden kann (z.B. Er–
stellungsprozesses
detaillierte Ursache-Wir–
kungsanalysen
durchzuführen."" Ein Risiko
kann dabei durch mehrere Ursachen bedingt
sein, welche entweder unabhängig von einan–
der die Zielerreichung gefährden oder aber mit–
einander verknüpft sind. Häufig kommt es zu
Ursache-Wirkungs-Ketten, in denen jedes Ket–
tenglied zugleich Ursache des nachfolgenden
und Wirkung des vorangegangenen Ketten–
gliedes darstellt. Problematisch ist, dass die
einzelnen Untersuchungsbereiche (Werke, Be–
triebsstätten, Anlagen oder Maschinen) kom–
plexe, netzwerkartige Ursache-Wirkungs-Syste–
me darstellen. Eine vollständige Erfassung aller
Interdependenzen ist schon aus Wirtschaftlich-
keitsenwägungen nicht möglich.
Anschließend erfolgt eine Einordnung aller mit
Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensaus–
maß klassifizierten Einzelrisiken in ein Risiko–
portfolio. Die Komplexität vieler Produktions–
systeme sowie deren Vernetzung erschwert die
vollständige Bewertung der Auswirkungen von
Einzelrisiken erheblich. Bei einer großen Anzahl
von Einzelrisiken wird ihre Darstellung in ent–
sprechenden Risikoportfolios schnell unüber–
sichtlich. Außerdem werden durch eine Einzel–
bewertung Interdependenzen vernachlässigt.
Daher wird zur Bewertung von System–
risiken auf Methoden der Systemanalyse
zurückgegriffen:"
Im Rahmen einer Ausfalleffektanalyse
(FMEA) wird untersucht, wie ein industrielles
System beim Ausfall einzelner Komponenten
reagiert. Dabei werden zunächst die Teilkompo–
nenten des Systems aufgelistet. Für jede Kom–
ponente wird dann analysiert, welche Fehlerar–
ten zu einer Fehlfunktion dieser Komponente
führen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit
diese eintritt und welche Auswirkungen sie auf
das Gesamtsystem hat. Ausfallkombinationen
werden vernachlässigt. Das Ziel der Ausfallef–
fektanalyse ist die Identifikation der sensiblen
Bestandteile eines technischen Systems.
Ausgangspunkt von Fehlerbaumanalysen
(FTA) sind potenzielle Zielabweichungen eines
Systems. Ziel ist es, durch deduktives Vorge–
hen alle möglichen Ursachen dieser Abwei–
chungen zu ermitteln, die in ihrem Zusammen–
wirken den angenommenen Schaden verursa–
chen können. Idealenweise können mit dieser
Methode auch eher unwahrscheinliche Ereig–
niskombinationen oder als untergeordnet risi–
koverursachende eingestufte Systemkompo–
nenten identifiziert werden. Allerdings ist eine
detaillierte Kenntnis des industriellen Systems
eine wesentliche Voraussetzung für die An–
wendung der Methode.
Störfallanalysen versuchen alle Zielabwei–
chungen zu systematisieren, die auf eine ge–
meinsame Ursache zurückführbar sind. Aus–
gangspunkt ist somit ein unerwünschtes Ereig–
nis (Ursache), das Folgeereignisse nach sich
zieht, die wiederum zielabweichungs-begrün-
dend wirken. Auf diese Weise kann das vielfäl–
tige Reaktionsverhalten komplexer technischer
Systeme untersucht werden. Systemzusam-
ONTROLLER