Seite 35 - CONTROLLER_Magazin_2008_05

Basic HTML-Version

CM September / Oktober 2008
die Unternehmensbereiche und Organisations–
einheiten aufgespalten werden.
Die Auswirkung betrieblicher Gefahren auf den
Erfolg einer einzelnen Produktionsstätte kann
dann durch die Aufspaltung der finanziellen
Ziele in ihre Bestandteile (Umsatz, Kosten etc.)
und eine anschließende Analyse, durch welche
Schadensereignisse diese Größen gefährdet
sind, abgebildet werden. Dabei sollten die Ziel–
vorstellungen nicht auf die finanzielle Sphäre
eines Unternehmens beschränkt bleiben, da
beispielsweise die Minimierung des Gesund–
heitsrisikos für Mitarbeiter oder von Umwelt–
schäden nicht nach wirtschaftlichen Kriterien
beurteilt werden dart."""
Integration der Identifikation und
Bewertung von betrieblichen Ge–
fahren in ein RMS
Das Ziel der Risikoidentifikation ist die
aktuelle,
systematische, vollständige und wirt–
schaftliche Erfassung aller Gefahrenquel–
len, Schadensursachen und Störpotenziale.
Ihr Ergebnis ist das Risikoinventar als Zusam–
menfassung aller identifizierten Risiken nach
Bereinigung um Mehrfachnennungen und Über–
schneidungen sowie Zuordnung zu den verur–
sachenden Unternehmensbereichen."'
Die Risikoidentifikation bestimmt die Effektivität
und Effizienz der weiteren Prozessschritte des
Risikomanagements. So können nicht oder nur
unvollständig identifizierte Risiken nicht bewer–
tet und auch nicht gesteuert werden. Daher Ist
die systematische Einbeziehung von betneb-
lichen Gefahren in ein unternehmensweites
RMS zwingend erforderlich.
Die Risikoidentifikation erfolgt dezentral in
den jeweiligen Organisationseinheiten
eines
Unternehmens durch dafür ausgebildete Mitar–
beiter Sie kann auf der Ebene einzelner Weri<e,
Produktions- oder Betriebsstätten, von Anlagen
oder Maschinen ansetzen.
Zur Identifikation
betrieblicher Gefahren werden insbeson–
dere folgende Instrumente empfohlen:'"
• Inspektionen zur Erfassung des Betriebs- und
Anlagenzustands (technische Risiken),
• Mitarbeiterbefragungen (menschliche Ri–
siken),
Betriebs-
. I—I ergebnis
Werk 1
Feuer
Explo–
sionen
Techni–
sche
Ausfälle
Kapazitäten
H + H
Instandhal–
tung. Repa–
raturen
Wert Produk–
tionsmenge
Werk 3
T
Betriebs–
ergebnis
Werk 2
Laufende
Poduktions-
kosten
Produklions-
^. |—I
Kosten
Werk 3
Betriebs-
. |—I ergebnis
Werk 3
Betriebs-
. |—I ergebnis
Werk 4
Betnebs-
+ |—I ergebnis
GU
Abb. 4: Integration der betrieblichen Gefahrenabwehr über eine Zielhierarchie in das unternehmensweite RMS
• Checklisten (technische Risiken, organisato–
rische Risiken),
• Flussdiagramme zur Visualisierung von Pro–
duktionsabläufen und potenziellen Ursache-
Wirkungs-Zusammenhängen (organisato–
rische Risiken),
• Berichte und Statistiken über Unfälle, Schä–
den, Ausfälle usw. (technische Risiken,
menschliche Risiken) sowie
• Dokumentenanalysen, z.B. Unterlagen eines
Anlagenherstellers (technische Risiken, orga–
nisatorische Risiken) etc.
Bei
Betriebsinspektionen
stehen vor allem
die Überprüfung von Produktionsanlagen, La-
gerungs- und Transporteinrichtungen sowie
der Umgang mit gefährlichen Stoffen unter Si–
cherheitsaspekten im Vordergrund.
Checklis–
ten
werden häufig aus externen oder internen
Statistiken über Schadensereignisse sowie
aus relevanten Gesetzestexten und Verord–
nungen gewonnen und dienen der systemati–
schen Überprüfung potenzieller Einzelrisiken.
Checklisten sind jedoch häufig unvollständig
undmüssen an die unternehmensspezifischen
Gegebenheiten angepasst werden. Mit Hilfe
von Flussdiagrammen sollen Schwachstel–
len, Engpässe und Abhängigkeiten im betrieb–
lichen Leistungserstellungsprozess ermittelt
werden, da schlagend werdende Risiken in
diesen Engpässen ihre Auswirkungen auf das
Gesamtsystem vervielfachen können. Auf–
grund der Vielfältigkeit möglicher Risikoquel–
len wird eine Kombination von Instrumenten
empfohlen.
Nach der Risikoidentifikation erfolgt die Risiko–
bewertung (Abb. 5), die neben der Quantifizie-
mng der monetären Auswirkungen bestimmter
Risikofaktoren auf die Unternehmensziele auch
eine qualitative Risikoklassifizierung beinhaltet.
Der Fokus sollte jedoch auf der monetären Be–
wertung liegen, da ansonsten keine Aggregati–
on von Einzelrisiken möglich ist.
Bei einer Bewertung von Einzelrisiken wird
auf die identifizierten Risikofaktoren als Ursa–
chen für bestimmte Risiken zurückgegriffen.
Dies ist insofern problematisch, da häufig meh–
rere Risikofaktoren auf ein Risiko wirken, so
dass bei der Entscheidung über die Anzahl der
B ewe r t u n g bet r i ebl i cher Ge f a h r e n
B ewe r t u n g v on E i nz e l ns l ken
B ewe r t u n g v o n S y s t emr i s i k e n
R i s i kok l a s s i –
f i kat ion
R i s i koquan t i f i –
z i e rung
Abb.
5:
Ansätze zur Bewertung betrieblicher Gefahren
47