Seite 16 - CONTROLLER_Magazin_2008_05

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Segmentberichterstattung nach IFRS
ve Ergebnisse und alle Service Segmente posi–
tive Ergebnisse ausweisen?
Wurden alle Kosten verursachungsgerecht ver–
rechnet und alle Leistungen mit marktfähigen
Verrechnungspreisen bewertet, dann sagen die
Ergebnisse etwas über die Leistung der Seg–
mente aus. Wenn die Kosten nicht in der ge–
schilderten Weise verrechnet werden, dann
könnten Gewinne bei einem Service Segment
die Folge von ungerechtfertigt hohen Kosten–
stellentarifen sein. Die echten Segmente wür–
den bestraft, und die Ergebnisse gäben keinen
realistischen Einblick in die Leistungsfähigkeit
der Segmente. Eine Verrechnung der Ergeb–
nisse der Service Segmente ist also drin–
gend
zu
empfehlen.
Bei mehreren Service Segmenten sollte für jedes
einzelne eine eigene Verrechnung erfolgen. Wir
empfehlen, diese Verrechnung immer an der
Höhe der Sekundärkosten auszurichten, mit
denen die Kostenstellen des Service Segments
venechnet wurden. Ist im Service Segment des
Materialbereichs ein Gewinn angefallen, weil der
Material-Gemeinkostenzuschlag zu hoch war,
emält das echte Segment mit den höchsten Ma–
terial-Gemeinkosten auch den höchsten Anteil
am Gewinn des Service Segments, sozusagen
als nachträgliche Wiedergutmachung.
Zuordnungen der Materialien zu
Segmenten
Damit nicht jedem neu angelegten Fertigungs–
und Kundenauftrag ein Segment zugeordnet
werden muss, sollte man versuchen, jedem
Material ein Segment zuzuordnen und dann
über das Material das Segment in die Ferti-
gungs- und Kundenaufträge zu übernehmen.
Geht man von einer produktorientierten Seg–
mentbildung aus, dann ist die Zuordnung zu
einem Segment für die Endprodukte sehr ein–
fach. Bei Rohstoffen und Halbfabrikaten gestal–
tet sich die Zuordnung in einigen Fällen hinge–
gen relativ kompliziert.
1.
Zuordnung der Rohstoffe
Vollständig getrennte Produktlinien bedeuten,
dass es keine gemeinsame Nutzung von Roh–
stoffen gibt. In diesem Fall können alle Roh–
stoffe eindeutig einem Segment zugeordnet
werden.
Eine klare Trennung innerhalb der Produktion
findet man in der Praxis allerdings nur selten
vor
Meist bilden mehrere Rohstoffe die
Ausgangsbasis für unterschiedlichste Pro–
duktlinien.
In solchen Fällen ist zu entschei–
den, welchem Segment ein gemeinsam ge–
nutzter Rohstoff zugeordnet werden soll.
Die Zuordnung zu einem Segment bedeutet
nicht, dass alle Buchungen für diesen Rohstoff
auf dieses Segment kontiert werden. Wenn ein
Rohstoff beispielsweise dem Segment S20 zu–
geordnet ist und wenn dieser Rohstoff vom
Segment S10 verbraucht wird, dann wird die
Aufwandsbuchung für den Verbrauch des Roh–
stoffs wertmäßig auf das Segment S10 kontiert.
Für die Verbrauchsbuchung ist es somit völlig
belanglos, welchem Segment der Rohstoff zu–
geordnet wird.
Ganz anders stellt sich die Situation bei
der Bilanzbuchung dar
Beim Wareneingang
des Rohstoffs kann die Buchung auf demBe-
Segment 320
Segment 830
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Abb. 7: Zuordnung von RobstoHen und Halbfabrikaten zum Service Segment
Standskonto nur für das Segment erfolgen, das
diesem Material zugeordnet ist. Dieser Be–
stand ist bei einem Verbrauch des Rohstoffs
abzubauen. Für unser Beispiel bedeutet dies,
dass die Verbrauchsbuchung für S10 und die
Bestandsbuchung für S20 erfolgt.
Ähnlich ist
die Situation bei der Buchung einer Inven–
turdifferenz.
Für diese Buchung kommt er–
neut nur das Segment in Frage, dem der Roh–
stoff zugeordnet ist. In unserem Beispiel wäre
das erneut das Segment S20. Die Zuordnung
des Rohstoffs zum Segment S20 beeinflusst
somit unmittelbar die GuV und Bilanz dieses
Segments.
Die Zuordnung eines gemeinsam genutzten
Rohstoffs zu einem echten Segment kann des–
sen Ergebnisausweis mithin verfälschen.
Ge–
meinsam genutzte Rohstoffe sollte man
daher generell einem Service Segment zu–
ordnen.
Wie gesehen verhindert diese Zuord–
nung nicht, dass die echten Segmente mit dem
korrekten Wert für den Rohstoffverbrauch be–
lastet werden. Lediglich die Bestandsbuchung
und einige materialbezogene Buchungen wer–
den in diesem Fall auf das Service Segment
kontiert.
2. Zuordnung der Halbfabrikate
Bei vollständig getrennten Produktlinien wird
das in einem Segment produzierte Halbfabrikat
ausschließlich von demselben Segment für die
Weiterverarbeitung benötigt. In diesem Fall
können alle Halbfabrikate eindeutig einem
Segment zugeordnet werden. Alle Buchungen
zu einem Halbfabrikat werden auf das Seg–
ment kontiert, das für dieses Material die Ver–
antwortung hat,
Weisen Produktlinien gewisse Ähnlichkeiten
auf, kommt es vor, dass einige Halbfabrikate in
mehreren Segmenten zum Einsatz kommen.
Die Zuordnung zu einem dieser Segmente wür–
de bedeuten, dass dieses Segment die Ergeb–
nisverantwortung für das Halbfabrikat hätte.
Hohe Produktionsabweichungen würden dann
zu Lasten dieses Segments gehen und dessen
Leistung verfälscht wiedergeben. Um Unge–
rechtigkeiten zu vermeiden, sollte man bei
Halbfabrikaten, die permanent in größeren
Mengen von mehreren Segmenten verbraucht
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