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Be s c h a f f u n g swe t t b ewe r b zw i s c h e n
Fremd- und Eigeni<apital. Dies hat zur
Folge, dass die Banken eher an Dar lehen
mi t dauerhaf ten Zinseinki jnf ten als an
Eigenkapi talemissionen mi t nur einmal i –
ger Emissionsprovision interessiert sind.
In Deutschland hat sich daher ein sog.
Hausbankensystem entwickelt, das eine
entscheidende Rolle bei der Erklärung
der Finanzst rukturen mi t telständischer
Un t e r n e hme n e i nn immt . Diese lang–
fristige und enge Bindung an ein oder
mehrere Kreditinstitute ist gerade in der
mi t telständischen Wi rtschaf t verbrei tet
- auch dies belegen die vorangegangenen
Studien.
Die Eigenkapi talschwäche des deutschen
Mi t telstandes resultiert z. T. auch aus
der kr i t ischen Sicht der Öf fnung des
Unternehmens gegenüber neuen oder
zusätzl ichen Gesellschaftern. Viele KMU
stehen zudem auch neuen oder ihnen
u n b e k a n n t e n F i n a n z i e r u n g s f o rme n
kr i t isch gegenüber - dies zeigen die
Bankenstudien der letzten jähre.
Eine detai l l ier te Ursachenana l yse für
die defizitäre Eigenkapi talquote mi t tel –
ständischer Betriebe führt nicht zuletzt
zum Unternehmer selbst Zahlreiche
Untersuchungen belegen, dass es in vie–
len KMU an e inem planvol len Umgang
mi t der Ressource Eigenkapi tal man –
gelt. Mehr als drei Viertel der Betriebe
def inieren keine Ziele und Strategien für
ihre Eigenkapi talausstat tung. Dies lässt
auf eine vernachlässigte Liquiditäts- und
Finanzplanung schließen. Die Wichtigkeit
des Eigenkapitals für die Entwicklung
ihres Unt ernehmens ist vielen Mi t tel –
ständlern noch nicht in vol lem Umfang
bewusst. Auch fehlt i.d.R. eine Vorstellung
davon , welche Eigenkapi talst rukturen
z um e i genen U n t e r n e hme n passen
würden . Diese mange lnde Or ient ierung
resultiert häuf ig aus den knappen zeitli–
chen Ressourcen der Führung, vor al lem
in kleinen Fi rmen, die stark vom opera–
t iven Tagesgeschäft beansprucht wi rd
und deswegen die Eigenkapi talplanung
vernachlässigt.
Fazit: Al lgemein ist zu konstat ieren, dass
sich das Bewusstsein für das Thema
Eigenkapi tal mi t zunehmende r Größe
des Betriebs schärft. Häuf ig ist dies auf
die st ruktur ier te Aufgabenpl anung in
größeren Unternehmen und die Trennung
einzelner Aufgabenbereiche zurückzufüh–
ren. Auch ist in Großbetr ieben des Mi t tel –
standes mehr betr iebswi rtschaf t l iches
Wissen angesiedelt und unternehmer i –
sche Entscheidungen werden in Rück–
sprache mi t ausgebi ldeten Betriebswirten
bzw. Control lern gefällt.
5. Handlungsempfehlungen und
Benchmarks
In Bezug auf das Eigenkapital sollte ma n
deshalb folgendes bedenken:
- Im Hinbl ick auf zunehmende Un–
ternehmenskr isen hat sich gezeigt,
dass mangelndes Eigenkapital i.d.R.
die Krisensituation verschärft. Ohne
ausreichendes Eigenkapital fehlt den
Unt ernehmen der nöt ige „Puffer" zur
Abfederung von Abschwüngen. Zu
bedenken ist hierbei , dass derart ige
negat ive Entwicklungen ihre Ursa–
che nicht nur in den häuf ig zi t ierten
Management f eh l ern haben. Vielfach
sind plötzl ich auf t retende Probleme
bei Kunden u n d / o d e r Lieferanten
bzw. sich beschl eunigende Struk–
turveränderungen der Initiator von
Krisen. Banken sind dann bei sich
verschlechternden Verhältnissen ih–
rer Kunden nicht mehr bereit, wei tere
Risiken einzugehen. Ohne den Zugang
zu „frischen" Eigenmi t teln bewegen
sich die Betriebe auf eine Insolvenz
zu.
-
Ob bei Gründung, gepl antem Wachs–
t um oder in der Krise legen Geldinsti–
tute Wert auf ein ausgewogenes Ver–
hältnis von Eigen- und Fremdkapi tal .
Ein signifikant spürbares finanzielles
Engagement der Eigentümer wi rd als
Voraussetzung für die Bewi l l igung
zusätzl ichen Fremdkapi tals angese–
hen. Letztlich stehen die eingesetzten
Eigenmi t tel ftir das Vertrauen in die
eigene Unternehmenskonzept ion und
-planung sowie die Management f ä –
higkei ten.
-
Auch in „normalen" ökonomischen
Zei ten muss auf die Ergebniswirkung
des Finanzierungsmix geachtet wer–
den: Währ end Eigenmi t tel in ihrer
Verzinsung den Schwankungen des
Unternehmenser folges unmi t te lbar
ausgesetzt sind, stellt die Belastung
mi t Fr emdkap i t a l z i nsen eine fixe
Kostenbelastung dar
Wenn es da r um geht abzuwägen , neue
Eigenkapitalgeber in das Unt ernehmen
au f z unehmen , z. B. über bes t immt e
I ns t rumen t e der Betei l igungsf inanzie–
rung, kann die in Abb. 4 dargestel lte Ent–
scheidungsmat r ix erste Hi lfestel lungen
bieten, um den Entscheidungsprozess zu
rat ional isieren, je höher das Eigenkapital
eines Unternehmens , desto stabiler wi rd
auch seitens des Kreditinstituts die Finan–
zierungskraft der eigenen Firma bewertet .
Die Banken bewer ten im Al lgemeinen
den Eigenkapi talantei l nach folgendem
Raster (Abb. 5), dessen Werte als Orien–
t ierungsgrößen fiir die Selbstbeurtei lung
dienen können - z. B. bevor ma n ein
Bankengespräch ftihrt.
ledoch ist die Eigenkapi talquote nur eine
Kennzahl von vielen, die seitens der Bank
geprüft und in einBewertungsraster ein–
gefügt wi rd. Zu den wei teren Kennzahlen
gehören insbesondere - neben der Eigen–
kapi talquote (s. Abb.
6):
-
Working-Capi tal (Uml au f ve rmögen
. / . kurzfristiges Fremdkapi tal ) ,
-
Cashf low-Rate,
-
Gesamtkapi tal rentabi l i tät ,
-
Schuldent i lgungsdauer
6. Kapitaldienstfähigkeit und Eigen–
kapitalquote
Neben der E i genk ap i t a l aus s t a t t ung
besi tzt die Kapi ta ldi enst fähigke i t im
R a hme n der k r e d i t w i r t s c h a f t l i c h e n
Boni tätseinstuf t jng eine besondere Stel–
lung. Dies ist der Grund, weshalb gerade
sei tens des Finanzcont rol l ing hierauf
ein besonderes Augenmerk zu r ichten
ist. Dami t dies in praxi umse t zbar ist,
sollen nachfolgend die Grundlagen der
Kapitaldienstfähigkeit in den Grundzü
gen dargestel l t werden. Die Bonitäts–
beurtei lung eines Kreditnehmers ist
das Resultat einer umfassenden Analyse
seiner ökonomi schen Verhäl tnisse. Die
Beur te i lung erfolgt insbesondere auf
der Grundlage der zukünf t igen nach–
ha l t i gen Kap i t a l d i ens t f äh i gke i t des
Kredi tnehmers, d. h. seiner Fähigkei t ,
den betr iebswi rtschaf t l ich notwendigen
Kapi taldienst zu erbr ingen.
Ausgangskr i ter ium fiir die Kapitaldienst–
fähigkeit - so Bant l eon/Schor r - ist die
Ermi tt lung des zukünf t igen, ordentl ichen,
erwei ter ten Cashflows (eCF). Nach
Berücksicht igung diverser Bindungen
des nachhal t igen, erwei terten Cashflows,
z. B. für Reinvest i t ionen und Entnah–
men/Gewinnausschüt tungen, ergibt sich
eine Restgröße: die Kapitaldienstgrenze.
Diese wi rd ins Verhältnis z um ermi t tel ten
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