CM Controller magazin 2/07 - Andreas Mengen
PREISCONTROLLING
Controller als Rationalitätssicherer
bei der Preisbildung
von Andreas Mengen, Koblenz
Wa r um sol lten Controller der Preisbil–
dung im Unt ernehmen zukünf t ig mehr
Au fme r k s amk e i t z u k omme n lassen?
Da ist z um einen die ext rem hohe
Durchschlagskraft von Preisen bzw.
Preisveränderungen auf den Gewinn.
Kein anderer betriebswirtschaft l icher Pa–
rameter wie Absat zmenge , var iable oder
fixe Kosten besitzt eine so starke Gewinn–
auswi rkung, wie Abb. 1 verdeudicht . Eine
bei Konstanz der übrigen Parameter im
Ma r k t durchgesetzte Preiserhöhung um
10 %kann zu einer Gewinnverdopplung
führen, hingegen hat eine Einsparung
bei den Kosten von 10% lediglich eine
Gewinnsteigerung von e twa der Häl fte
zur Folge. Demnach sollten sich Con–
troller als „Lotsen zumGewinn" mit
der Preisbildung befassen.
Zum ande r en können bei der Preis–
b i l dung im Un t e r n e hme n v i e l fä l t ige
Eine Verbesserung
um 10% . . .
Ra t i ona l i t ä t sde f i z i t e a u f t r e t e n , w i e
we i t e r u n t e n noch zu z e i gen se i n
w i r d . Du r ch d i e hoh e Komp l e x i t ä t
d e s
P r e i s m a n a g e m e n t p r o z e s s e s
kann es zu einer Übe r f o r de r ung des
P r e i smanage r s k o mm e n , d e m e i ne
Un t e r s t ü t zung dur ch das Cont rol l ing
en t gegenw i r ken sol l .
Preiscontrolling
Wi r wo l l en dahe r f es t ha l t en : Preis–
control l ing soll helfen, Rational itätsdefi–
zite im Preismanagement zu vermeiden
oder mi t anderen Worten: die Rational ität
des Preismanagements zu sichern. Dabei
wi rd Preismanagement als ein Prozess be–
stehend aus den aufeinander folgenden
Phasen Preisziel- und Preisstrategiebil–
dung, Preisbi ldung, Preisdurchsetzung,
Preisausführung und Preiskontrol le ver-
Prof. Dr. Andreas Mengen, Fach–
hochschule Koblenz - University
of Applied Sciences, Fachbereich
Betriebswirtschaft, Rheinau 3-4,
56075 Koblenz
standen (Florissen 2005 ) . Im Folgenden
sollen Rat ional i tätsdef izi te insbesondere
in der wicht igen Phase der Preisbi ldung
näher untersucht und daraus Aufgaben
fiir das Control l ing abgeleitet werden.
Preisbiidungsverfahren
Preisbi ldungver fahren können als Re–
geln verstanden werden , nach denen
Preisakteure (Listen-)Preise bes t immen .
Sie können in „Einseitig-starre Verfah–
ren", „Flexibel-intuitive Verfahren" und
„Simul tane Verfahren" untertei l t werden
(Wi ltinger 1998) . Das wohl bekannteste
und nach wi e vor in der Praxis sehr
häu f i g a ng ewe nd e t e e i nse i t i g- s t ar re
Ver fahren ist die sog. „Kosten-plus"
Preisbi ldung, bei der die Stückkosten (z.
B. Selbstkosten auf Vollkostenbasis) mi t
e i nem Gewinnaufschlag versehen wer-
. . . führt zu einer
Gewinnsteigerung von . . . .
Gewinntreiber
alt
neu
Gewinn Mio. €
alt
neu
des Verkaufs–
preises (€)
1 0 0
110
1
2
der variablen
Stückkosten (€)
6 0
5 4
1
1.6
der Absatzmenge
(Tsd/a)
100
110
1
1.4
rifir Fixkn<;tpn
3 , 0
2 , 7
1
1,3
100%
60%
40%
30%
Lesebeispiel Eine-Preissteigerung von 100 auf 110 €/Stück führt bei ansonsten konstanten variablen Kosten
Fixkosten und Absatzmengen zu einer Gewinnsteigerung von 1 auf 2 Mio €, d h um 100 %
Abb. 1: Gewinntreiber im Vergleich
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