CM
Controller
magazin 2/07
jedoch, dass es hier seitens der Controller
biswei len Defizite gibt. Als Vertriebscon–
troller sollte ma n beispielsweise auch ma l
mi t zum Kunden gehen. Oder als Produk–
t ionscontrol ler sollte ma n beispielsweise
in der Lage sein, einem Dr i t ten bei e inem
Rundgang durch die Fabnk die Fertigung
in groben Zügen erklären zu können. Eine
andere hilfreiche Me t hode zur Erweite–
rung der Kenntnisse über das Geschäft
ist eher analyt ischer Na t ur Es handel t
sich um das Formulieren von Hypothesen
im Sinne von „was passiert wenn. . . " -
Aussagen. Beispiele hierfür sind „Wenn
der Umsat z um x% steigt, müssten die
Frachtkosten um y % steigen" oder „Wenn
die Fixkosten um
1
% sinken, müsste das
EBIT um x% steigen". '
Eine sehr einfache und sehr gute Analyse
ist z. B. die 1 %-Analyse. Ermi t teln Sie,
wi e sich jeweils
-
eine Anhebung der Preise um
1 %,
-
eine Anhebung der Menge um 1 %,
-
eine Senkung der var iablen Kosten
um 1 %,
-
eine Senkung der Fixkosten um 1 %
auf das Ergebnis ausw i r ken . Die
Ma ßn a hme n werden dabei jeweils
na che i nande r du r chge f üh r t , w i e
folgende Abbi ldung zeigt.
» • Der EFQM-Ansatz,
> * Die Methode des vernetzten Denkens,
» • Die Wert treiber-Analyse
(mi t Einschränkungen) .
Da die Vorstellung aller Me t hoden z um
einen den Rahmen des Artikels spren–
gen würde , und da es z um anderen viel
ausft jhdiche Literatur zu den einzelnen
Me t hoden gibt, sei hier auf diese verwie–
sen.^ Besonders empfehlenswer t sind die
Balanced Scorecard und die Me t hode des
vernetzten Denkens, da sie den Anwen–
der auf das Denken in nicht -monetären
Ur sache -Wi r kungs - Zusammenhängen
fokussieren. Das Problem der mone t ären
Größen (wie z. B. der Gewinn) liegt dar in,
dass sie z um einen in der Regel nur Sym–
ptome des Erfolgs, nicht dessen Ursache
sind. Zum anderen sind monetäre Größen
häuf ig nachlaufende Größen. Das heißt ,
sie zeigen die Dinge erst, wenn sie sich
bereits im Gewinn niedergeschlagen ha–
ben. Eine andere sehr gute Mögl ichkei t ,
ganzhei t l iches Denken zu t ra i n i eren ,
stellen Unternehmensplanspiele dar.^
Wi e oben ausgeführt , ist eine wicht ige
Verplausibi l isierungsmethode die, eine
Vors t e l l ung da r übe r zu e n t w i c k e l n ,
was bei der zu erstel lenden Analyse
notwendigerweise auch gleichzeitig gut
grob schätzen kann.^ Es scheint, dass
die Vermi t t lung der Fähigkeit des grob
Schätzens in Zeiten von Excel und Ta–
schenrechner schon in manchen Schulen
zu kurz kommt . *
Um das „grob schätzen" zu üben, hier
beispielhaft ein paar Übungen z um The–
ma , die die grundlegenden Techniken
kurz beschreiben.
I Jbung l : '
Bi tte bean twor t en Sie folgende Frage
lediglich durch übedegen, nicht indem
Sie die exakte Lösung rechnen:
Verkäufer Ma x und Verkäufer Mo r i t z
nehmen an einem internen Verkaufswett–
bewerb teil. Ma x hat 2 3 0 Stück zu einem
Preis von 38 Euro pro Stück verkauft ,
Mor i t z 2 2 0 Stück zu je 4 8 Euro.
We l che der f o l genden Aussagen ist
richtig?
1 . Ma x hat mehr Umsa t z gemacht .
2. Mor i t z hat mehr Umsat z gemacht .
3. Beide haben den gleichen Umsa t z
erzielt.
4. Ohne zu rechnen, findet ma n keine
Antwor t .
Ist -Daten
Ausgangs–
si tuat ion
1%ige Änc erung von
Preis
Menge
Var iable
Kosten
Fixkosten
Umsatz
Warene i nsat z
Deckungsbei t rag
in % vom Umsatz
Fixkosten
Bet r iebsergebnis
in % vom Uinsatz
Ergebnisveränderung:
absolut
relat iv
50.000
35.000
15.000
30 . 0%
10.000
5.000
10 . 0%
50.500
35.000
15.500
30 , 7%
10.000
5.500
10 . 9%
50.500
35.350
15.150
30 . 0%
10.000
5.150
10 . 2%
50.000
34.650
15.350
30 , 7%
10.000
5.350
10 , 7%
50.000
35.000
15.000
30.0%.
9.900
5.100
10 , 2%
500
10 . 0%
150
3 . 0%
350
7 . 0%
100
2 , 0%
Abb. 1: Beispiel zur 1 %-Analyse
Ein we i t e r e r emp f e h l e n swe r t e r Lö–
sungsansatz ist das stärkere Trainieren
des ganzhei t l ichen Denkens, also der
Fähigkeit, „den Wa ld und die Bäume zu
sehen". Leider gibt es in der Betriebs–
wirtschaft: nur sehr wenige Me t hoden ,
die auf eine eher ganzhei t liche Sichtweise
ausgerichtet sind. Diese sind:
• * Die Balanced Scorecard,
ungefähr (!) als Ergebnis herauskommen
soll. Wicht ig ist hier die Betonung des
Wortes unge f ähr ' Es geht also da r um,
das Ergebnis der Excel-Analyse vorab
grob zu schätzen. Es ist wicht ig zu ver–
stehen, dass „genau rechnen" und „grob
schätzen" im Gehirn an unterschiedlichen
Stellen passieren. Das heißt, dass j emand,
der gut ist im genauen Rechnen, nicht
Lösung:
Für die Mul t ipl ikat ion gel ten sowohl das
Kommutat iv- als auch das Distributiv–
gesetz, d. h.
a * b = b * a
sowie
( a - i - b ) * n= ( a * n ) - f ( b * n ) .
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