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Controller magazin
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sch l agungen d i enen . Der Do k ume n –
tat ionszweck kommt al len dargestel l ten
Inst rumenten zu, insbesondere dem Ein–
zelabschluss, dem Konzernabschluss und
dem Börsenzulassungsprospekt .
3.3. Gewinnermittlung
Gew i nn (bzw. Ver lust ) w i r d hier mi t
Wagenho f e r / Ewe r t d em Pr inzip der Pe–
r i odenabgrenzung folgend als Di fferenz
von Erträgen und Aufwendungen, die als
per iodisierte Zah l ungen def iniert sind,
verstanden.^' Gewi nn als „theoret isches
Konst rukt" kann im Gegensatz zu Zah–
lungen nicht di rekt beobacht e t oder als
„richt ig" oder „falsch" beur tei l t we rden .
Die Gewi nne rmi t t l ung setzt mi thi l fe der
Dokumen t a t i on vergangener Ereignisse
an verlässl ichen Größen an , enthäl t aber
auch zukunf tsor ient ier te El emente (z. B.
An n a hme n über Nu t zungsdaue rn von
Vermögensgegenständen oder künf t ige
Verpf l ichtungen) .
An die Gewi nne rmi t t l ung knüpf t der
Zweck der Zah l ungsbemessung an , der
oft auch als der eigent l iche Rechnungs–
l egungszweck angesehen w i r d . " Zum
Zweck der Zah l ungsbemessung sol l
ein grundsätzl ich ausschüt tungsfähiger
Be t rag e rmi t t e l t we r d e n , wob e i die
Rechnungslegung Höchst- und Mindest –
grenzen für Ausschüt tungen festlegt.
Sie hat sowoh l die Aufgabe, zur Kapi tal –
erha l tung und Sicherung des Gläubiger–
ve rmögens Ausschüt tungssper ren ein–
zur i cht en , als auch Gewinnberecht igte
vor Gewi nnve r kür zungen zu schüt zen
u n d e i ne M i n d e s t a u s s c h ü t t u n g zu
sichern.
Die Gewi nne rmi t t l ung ist die klassische
Aufgabe des lahresabschlusses. Da der
Konzern ke i ne Rech t spe r sön l i chke i t
ist , kann an den Konze rnabsch l uss
u nm i t t e l b a r ke in Ausschü t t ungsan –
spruch gestel l t we rden . In der Praxis
wi rd jedoch der jahresüberschuss im
E i nze l absch l uss des obe r s t en Mu t –
t e run t e rnehmens häuf ig an die Höhe
des Konze rne rgebn i sses ange l ehn t ,
so dass Let z tgenanntes fakt isch zur
Ausschüt tungsbemessung herangezo–
gen w i r d . " So erfolgt in der Li teratur
auch in An l ehnung an angelsächsische
Rege l ungen d i e Di skuss i on , ob der
Konzernabschluss auch zur Grundlage
der Ermi t t l ung eines ausschüt tbaren
Gewinns gemach t we rden sollte.
3.4. Information
3.4.1. Gütekriterien
Hinter der i n f orma t i ons f unk t i on von
Rechnungs l egung steht der Rechen–
schafts- und Gläubigerschutzgedanke.
Die Rechenschaftserfordernis ist Ausfluss
der Trennung von Ersteller und Benutzer
externer Rechnungslegung, zwi schen
denen eine Interessendivergenz besteht .
Zur ökonomischen Analyse dieses Inter–
essenkonfl ikts kann die Prinzipal-Agen–
ten-Theorie herangezogen werden.^' Die
Antei lseigner oder Gläubiger (Prinzipal)
delegieren Entscheidungen an das Ma –
nagement (Agent). Daraus resultiert ein In
format ionsvorsprung des Managemen t s
beispielsweise über geplante Strategien
des Unt ernehmens , seine Mark t - und
We t t bewe r bss i t ua t i on oder künf t i ge
Ausschüt tungen an die Antei lseigner
Rechnungslegung als Informationssystem
soll zur Verringerung der Informat ions–
asymmet r i e bei tragen. Um Informat ions–
inhal t und
-gute
beurtei len zu können,
werden drei Kriterien herangezogen: (1)
Entscheidungsrelevanz, (2) Feinheit und
(3) Verlässlichkeit.
Zu (1): Informat ion lässt sich def inieren
als „zweckorient iertes Wi ssen" " . Adres–
saten der Rechnungslegung brauchen
dieses Wissen, um interessenwahrende
Entscheidungen treffen zu können. Bei
diesen Entscheidungen aus Anteilseig–
nersicht handel t es sich beispielsweise
um Kauf, Hal ten oder Verkauf von Ka–
pi talantei len am Unt ernehmen , Einstel–
lung oder Ent lassung von Manage r n ,
Kreditvergabe oder Aufnahme von Ge
Schäftsbeziehungen. Eine Nachr icht hat
Informat ionsgehal t und ist insofern ent–
scheidungsrelevant und wer tvol l , wenn
aufgrund ihrer Berücksicht igung eine
andere Handlungsal ternat ive ergriffen
wi rd als ohne sie.^* Entscheidungsrele–
vante Informat ion wi rd sich oft auf die
Zukunf t beziehen, z.B. durch Bi ldung von
Prognosen über die künft ige Entwicklung
des Unternehmens. Vor dem Hintergrund,
dass die interne Rechnungslegung eine
ökonomi sche , zukunf tsger i chtete Ab–
bi ldung des Unternehmensgeschehens
anstrebt , ist das Kri terium der Entschei–
dungsrelevanz auch für das Control l ing
als „Sparringspartner des Management s"
von hoher Bedeutung.
Zu (2): Zur Analyse des Informat ionsge–
hal ts von Rechnungslegung kann die
I n f orma t i onsökonomi e herangezogen
werden. Das sog. Feinhei tstheorem der
Informat ionsökonomi e ist ein Ansatz ,
Informat ionssysteme zu ordnen und hin–
sichtlich ihrer Qual i tät zu beurtei len. Ein
Informat ionssystem n immt an Feinheit
zu, je genauer von einem empfangenen
Signal auf einen vor l iegenden Umwel t –
zustand geschlossen werden kann. Ein
kostenloses „feineres" I n f orma t i ons –
system ist unter Berücksicht igung der
E r wa r t u n g s n u t z e nma x i m i e r u n g der
Akteure gegenüber e i nem „gröberen"
vorzuziehen. Trotz der Kritik am Feinheits–
theorem aufgrund seiner eingeschränk–
ten Mögl ichkei t , konkrete Anforderungen
an die Rechnungslegung zu s t e l l en , "
kann Feinheit im Kontext von Rechnungs–
legung in bes t immt en Fällen als eine
P r ä z i s i on von „me h r I n f o r ma t i o n "
aufgefasst werden. Rechnungslegungs–
adressaten bevorzugen „feine" Informa–
t ionssysteme.
Zu (3): Verlässliche Informat ion ist präzise,
frei von verzerrenden Einflüssen oder
Manipulat ion von Managern und insofern
objekt iviert , als Beurtei lungsunterschie–
de bei der Bi lanzierung wei testgehend
ausgeschal tet werden.^^ Verlässlichkeit
kann durch einen starken Vergangen–
he i tsbezug der Rechnungslegung ge–
währ l e i stet werden . Insofern wi rd es
oft zu einem Spannungsverhäl tnis von
Entscheidungsrelevanz und Verlässlich–
keit kommen .
3.4.2. Informationsfunktion einzelner
Instrumente
Während beim Einzelabschluss der Infor–
mat ionszweck durch eine informat ions-
hemmende Gewinnermi t t lung scheinbar
überdeckt wi r d , haben Lageber ichte,
der Konzernabschluss sowie sämt l iche
k a p i t a l ma r k t o r i e n t i e r t e I n s t r ume n –
te def ini tor i sch ausschl i eßl i ch e i nen
Informat ionszweck. Abb. 2 gibt einen
Überbl ick über die Beurtei lung des Infor–
mat ionswer ts der Rechnungslegungsin–
st rumente anhand der drei diskut ierten
Kriterien.
Nachfolgend werden der
(1)
Jahresab–
schluss, der (2) Segmentber i cht und
der (3) Zwischenber icht herausgegriffen
und ihre Diskussion hinsichtl ich des Zu–
sammenspiels der drei Kriterien vertieft.
Die Argument a t i on l ieße sich auf die
üb r i gen I ns t r umen t e g l e i che rmaßen
über t ragen.
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