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Controller
magazin 2/07
und längerfristiger als der unmi ttelbare
Schaden sein können, zählen negative
Auswirkungen auf die Arbei tsmoral , die
Stabi l i tät der Geschäftsbeziehungen,
die Reputation des Unternehmens, das
Markenimage oder den Börsenkurs (vgl.
PwC|2003| ,S. 13).
Grundsätzlich t r i t t Fraud in jeder Art von
Organisation, unabhängig von Größe,
Standort und Branche, auf (vgl. ACFE
|2004|, S. 1; E&Y i2003b|, S. 3). Allerdings
hängt die Erscheinungsform der dolosen
Handlung bzw. die Vorgehensweise des
Täters von der Art der Organisation und
der Branche ab. So sind die Erschei–
nungs f o rmen beispielsweise davon
abhängig, ob es sich bei der betroffenen
Organisation um eine staatl iche oder
n i cht -gewi nnor i ent i er te Ei nr i chtung,
produzierendes Gewerbe, einen Finanz–
oder anderweitigen Dienstleister oder
ein Handelsunternehmen handel t. Im
Rahmen dieses Beitrags sind dolose
Handlungen vor dem Hintergrund von
Indust r ieunternehmen zu betrachten.
Spezifische wirtschaftskriminel le Taten
derServicebranche(bspw. Versicherungs–
oder Kapitalanlagebetrug) werden nicht
berücksichtigt.
Zusammenfas–
sendwi rd folgen–
de'Arbeitsdefini-
t i on ' zugrunde
gelegt:
Dolose
H a n d l u n g e n
sind vorsätz–
l iche Schädi –
gungen eines
(Industrie-)Un-
t e r n e hme n s ,
die durch un–
t e r n e hme n s –
interne Täter
oder Dritte zur
Er z i e l ung ei –
nes unberech–
tigten Vorteils
begangen wer–
den.
on für den Begriff der dolosen Handlung
existiert, verdeutl icht die Komplexi tät
des Themengebiets. Die Entwicklung
einer Systematisierung zum besseren
Verständnis der möglichen Erscheinungs–
formen doloser Handlungen ist deshalb
sinnvoll und sollte in jedem Unternehmen
individuell durchgeführt werden, um eine
Auswahl wirksamer Analysemethoden
im zweiten Schritt zu gewährleisten. Die
folgende Systematisierung kann hierzu
als Ausgangspunkt genutzt und für un–
terschiedliche Unternehmensbereiche (z.
B. Einkauf, Vertrieb, Rechnungswesen etc.)
konkretisiert werden. Grundsätzlich ist zu
beachten, dass nicht alle Fraud-Arten auf
die gleiche Art und Weise und im gleichen
Maße aufgedeckt werden können.
3.1. Ursachen
Zur Entstehung doloser Handlungen
existieren vielfältige Erklärungen. Das
'Fraud-Triangle' liefert eine kompr imierte
Darstellung der drei Hauptursachen:
- eine untei lbare Zwangslage bzw.
Druck (pressure),
- die Gelegenheit zur Begehung einer
dolosen Handlung (opportunity),
- die Mögl ichkeit der Rechtfertigung
der Tat (rationalization).
Täter doloser Handlungen sehen sich
in
der Regel einer best immten persön–
lichen Drucksituation gegenüber
In
den meisten Fällen handelt es sich dabei
um finanzielle Engpässe aufgrund von
Schulden, überhöhtem Lebensstandard
oderSuchtproblemen. Allerdings können
ebenfalls nicht-finanzielle Gründe wie Fru–
strat ion, Leistungsdruck (z. B. aufgrund
von unrealistischen Zielvorgaben des Un–
ternehmens), oder die Herausforderung,
das System zu umgehen, zu dolosen
Handlungen fiJhren (vgl. u. a. Coderre,
D. G. |1999|, S. 11; Albrecht, W. S. et al.
[19951, S. 17).
Das zweite Element des dolosen Dreiecks
ist die Gelegenheit zur Begehung unter–
nehmensschädigender Hand l ungen.
Diese Möglichkeit besteht,
wenn interne
Kontrollen schwach sind bzw. ganz
fehlen oder wenn sich der Täter in
einer Vertrauensposition bef indet .
Die Gelegenheit zur Begehung doloser
Handlungen ist wei terhin von den Zu-
gnffsmögl ichkeiten des Täters auf die
Objekte doloser Handlungen abhängig.
Weder die persönliche Zwangssi tuat ion
noch die Mögl ichkei t zur Begehung
doloser Handlungen müssen real sein
(vgl. Bologna, G. |. et al. |1993|, S. 22).
3.SYSTEIVIATI-
SIERUNG DO–
LOSER HAND–
LUNGEN
Die Tat sache,
dass keine ein–
deutige Definiti-
l i r sachcn
Korrupt i (m
l i i terschia«un^cn
Falschdarstci lun«;
Rechnungs l egung
Einntalifi
Wiederholt
1
I I
1
1
1
InreriJeckt
Verdeckt
1
I I
1 1
i
H.Mem
l
\icht-Managenienl
Einzeltäter
Intern
Mana}(entent
Kollusion
Indikatoren in Form von analytischen linregelmäUigkeiten
Abb. 1: Systematisierurig doloser Handlungen
III