Seite 33 - 2007-02

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magazin 2/07
OPERATIVE
STEUERUNGS–
KENNZAHLEN FÜR
KONZERNGEBUNDENE
DIENSTLEISTUNGS–
UNTERNEHMEN
am Beispiel der Chemischen Industrie
Teil 1: Konzeption eines
Kennzahlengenerators
Dr. Frank Lelke ist Controlling-Referent
und Business Information Officer (BIO)
bei der Creavis Technologies & Inno–
vation, dem strategischen Forschungs–
und Entwicklungsbereich der Degussa
AG. Er entwickelte in Kooperation mit
Infracor GmbH, einem Konzerndienst–
leister der Degussa AG, einen Kenn–
zahlengenerator zur Ableitung von
Steuerungskennzahlen (E-mail: frank.
Dr. Stephan Kress ist Professor für In-!
lormationsmanagement, insb. Business
Intelligence und Controlling am Depart–
ment für Management und Technik der
Fachhochschule Osnabrück. Seine i
Interessengebiete sind derzeit Business :
Intelligence Anwendungen sowie Kenn–
zahlensysteme und Wertorientierung
für Dienstleistungsunternehmen und
mittelständische Unternehmen (E-mail:'
s
.kress@ih
-Qsnabrueck
,de)
von Frank
Lelke,
Herten, und Stephan
Kress,
Osnabrück
Summary
Die Ab l e i tung und Ab s t i mmung von
Steuerungskennzahlen für die operat ive
Un t e r n e hme n s f üh r ung erwe i s t s i ch,
insb. für konz e r ngebundene Dienst –
l e i s tungsunt ernehmen , als schwier ig.
Au f g r und des h e t e r og e n e n Di ens t –
leistungsspektrums auch schon meist
innerhalb eines einzelnen Produktbe–
reiches ist der Unt ernehmens führung
of tma l s unklar , ob ihre e ingeset z ten
Kennzah l en für die ope r a t i ve Unter –
nehmensführung geeignet sind und sie
zugleich mi t den Top Down-Vorgaben
des Konzerns - ebenfalls in Form von
Kennzahlen - hinreichend im sachl ichen
Zusammenhang stehen. Zudem stellt
sich im aktuel l dynami schen Umfe ld
der Dienst leistungsbranche ständig die
Frage, ob sich die Umfeld- und Unter–
nehmensbedingungen geänder t haben;
dies hät te dann wi ede rum unmi t telbare
Rückkopplung auf die Gültigkeit einge–
setzter Steuerungskennzahlen.
Zur Lösung der Pr ob l ema t i k wu r d e
eine Vorgehensmethodik - unterstützt
d u r c h e i n e n K e n n z a h l e n g e n e r a t o r
- entwickel t , welche die Ablei tung von
Steuerungskennzahlen für das operat ive
Management unterstützt und gleichzeitig
einen sachl ichen Abdeckungsgrad mi t
Top Down Vorgabekennzahlen höherer
Un t e r n e hme n s e b e n e n au f ze i g t . Der
Kennzah l engenera tor unt ers tüt z t die
En t s che i dungs t r äge r dabe i bei der
sys t ema t i schen S t r uk t u r i e r ung ihrer
D i e n s t l e i s t ung s p r odu k t e sowi e der
anschl ießenden Ablei tung steuerungs–
relevanter Kennzahlen. Darüber hinaus
besteht die Mögl ichkei t , das Kennzah–
lenwissen aus den Anwendungsfäl len
zu speichern und für spätere Auswahl –
en t sche i dungen zu nu t z en . Die Be–
sonderhei t des Kennzahlengenerators
besteht dabei dar in, dass dieser - im
Gegensatz zur tradi t ionel len workshop–
gebundenen Kennzahlenauswahl - in
seiner Wissensbasis über eine Vielzahl
von Kennzahl en ver fügt , we l che die
Auswahl von Kennzahlen objekt iviert .
Am Beispiel eines konzerngebundenen
Un t e r nehmens - der Infracor GmbH
- sollen die Besonderhei ten dieser Un–
ternehmensklasse und der Einsatz des
Generators im Folgenden vorgestel l t
werden. Der erste Teil wi dme t sich jetzt
der Ausgangslage und der Konzept ion
des Kennzahlengenerators; der zwei te Teil
im Ma i seiner konkreten Anwendung im
Dienst leistungsunternehmen.
1 Merkmale und Besonderheiten
konzerngebundener Dienstleistungs–
unternehmen
Im letzten lahrzehnt hat sich durch die
Fokussierung der Unt ernehmen auf ihre
Kerngeschäfte mi t den so genannt en
Konzerndienstleistern eine neue Klasse
von Un t e rnehmen herausgebi ldet . In–
folge der Umstel lung von interner Ko–
stenverrechnung auf Verrechnungs- bzw.
Marktpreise zwischen Konzerneinhei ten
und der Öffnung auch für den externen
D i ens t l e i s t ungsma r k t we r d e n di ese
Un t e r nehmen z un e hme nd als eigen–
ständige Profit Center i nnerha l b des
Konzernverbunds geführ t . Abb i l dung
1 stellt die Organisat ion eines solchen
Dienstleisters da r
Wi e in Abb i l dung 1 dargestel l t , wi rd
ein Konzerndienstleister in Form eines
divisional organisierten Unternehmens
geführt; rechtlich selbständig agiert dieser
auf unterschiedl ichen Mä r k t en und wi rd
vom Konzern als Profit Center geführt: Die
Dienstleistungen werden im Rahmen ei–
ner Querschnittsfunktion zum einen sämt–
lichen Organisat ionseinhei ten innerhalb
des Konzerns angeboten, z um anderen
werden die Dienstleistungen ver-
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