CM
Co n t r o l l e r
magazin 2/07
Prof. Dr. Wilfried Lux, vollamtlicher
Dozent für Betriebswirtschafts–
lehre und Leiter des Kompetenzzen–
trums für Finanzen und Controlling
am Institut für Untemehmensführung
der FHS St. Gallen - Hochschule
für Angewandte Wissenschaften
(Schweiz)
Email; Wilfrled.L
Gerhard Haug, Wirtschaftsprüfer
und Steuerberater bei der KPMG
Deutsche Treuhand Gesellschaft
Aktiengesellschaft. Stuttgart
Email:
Benedikt Sommerhoff, Deutsche
Gesellschaft für Qualität, Frank–
furt/M., Leiter Deutsches EFQM
Center
Email: t£(äd9ild£
Dieser Aufsatz erschien sinngemäß auch in der Zeitschrift
„QZ - Qualität und Zuverlässigkeit" des Hanser Verlags
BABYLON IN DER WIRTSCHAFT
Qualitätsmanager, Controller, Wirtschaftsprüfer - drei Welten?
Zuordnung CM-Themen-Tableau
01
07
09
G
F
T
von Wilfried
Lux,
St. Gallen; WP/StB Gerhard
Haug,
Stuttgart, und Benedikt
Sommerhoff,
Franl<furt/Main
Was haben Qualitätsmanager, Controller
und Wirtschaftsprüfer gemeinsam? Sie
kontrol l ieren Abtei lungen und ganze
Unternehmen! - Mi t dieser spontanen
Antwor t müssen sie jedenfalls häuf ig
rechnen. Nun ist ein solch negatives
Image sehr h i nder l i ch, wenn echte
Kooperation gefragt ist. Dann lohnt es
sich, über Gemeinsamkei ten nachzu–
denken, anstat t wie übl ich über den
Qualitätspolizisten, Zahlenknecht oder
Erbsenzähler zu spotten. Voraussetzung
für die Korrektur von Images sind freilich
Gespräche über die Fronten hinweg.
Im Idealfall genügen zwanglose Plaude–
reien mi t der gegenseitigen Bereitschaft
zuzuhören. So t rug es sich zu, dass in
der Cafeteria der Turmbau AG in Babylon
der Qualitätsmanager Quentin Qualitäter
zum Controller Carlo Controlletti und dem
seit einigen Wochen anwesenden Wirt–
schaftsprüfer Theo Testat dazustößt.
„Dialog im Turm"
Qualitäter (Q):
Ah, die beiden Kontrol–
leure in trauter Zweisamkeit! Guten Tag,
meine Herren.
Controlletti (C):
Unser Herr Qualitätspoli–
zist, Mahlzeit! Setzen Sie sich doch dazu!
Aber erlauben Sie mir eine Bemerkung:
Unser Qberkontrol leur sind eindeut ig
Sie! Mi t Ihren Qualitäts-Audits haben Sie
mich tagelang auf- und die Abtei lung auf
TVab gehalten. Als ob wi r nicht wüssten,
was wi r machen und zu machen haben.
Dokumente, Listen, Stat ist iken ohne
Ende mussten wi r für Sie erstellen. Fast
hätte ich das Monatsreporting nicht mehr
geschafft. Und, mi t Verlaub: Was br ingt
das Ganze?
Q:
Herr Kollege, nun beruhigen Sie sich
doch bi t te. Schließlich sol len unsere
internen Audits helfen, Verbesserungs–
mögl ichkeiten zu identifizieren...
C: Verbesserungsmöglichkeiten identi–
fizieren? Dass ich nicht lache! Wo es im
Unternehmen im Argen liegt, das werde
ich als Controller ja wohl am besten
wissen!
Q:
Na, und dann müssen natürl ich auch
die Forderungen der Qual itätsnorm erfüllt
sein - ISQ 9001 heißt das Zauberwort.
Das müssen Sie aber doch nun wi rkl ich
wissen!
C:
ja, ja, die Qual i tätsnorm... - das ist
ja auch wieder so was für das Archiv im
Keller Wie viele Schränke belegen die
ganzen Ordner eigentlich?
Q:
Das war vielleicht mal so. Vor etlichen
lahren. Klar dokument ieren wi r unsere
Prozesse normgemäß. Aber dami t haben
wi r nun wi rk l i ch reichl ich Erfahrung,
schließlich sind wi r schon seit zig jähren
zertifiziert, da ist das Dokumentieren von
Prozessen wei t in den Hintergrund getre–
ten. Und der Begriff „Kontrol le" stammt
noch aus den Anfängen des Qualitätsma–
nagements, als man wi rkl ich nur kontrol–
lierte und Checklisten abhakte und das
war's. Schon lange setzen wi r vielmehr
auf eine Vertrauenskultur im Unterneh–
men. Kontrolliert wi rd hier eigentlich nur
noch, wenn ich mir das recht überlege,
vom Controlling, Herr Kollege! Warum
ersetzen Sie das C eigentlich nicht durch
ein K, das würde doch der Wirkl ichkei t
viel näher kommen!
WP Testat (T):
Aber Herr Qualitäter, Sie
können doch nicht leugnen, dass bei Ih–
nen die Kontrolle auch eine wicht ige Rolle
spielt - gerade bei den internen Audi ts,
die soeben gelaufen sind. Ich verstehe
auch gar nicht, wieso „Kontrol le" hier als
Un-Begriff geführt wi rd. Kontrolle ist doch
gar nichts Schlimmes an sich! Die Frage
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