Seite 18 - 2007-02

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CM
Controller
magazin 2/07 - Alfred Biel
lung des modernen Controlling geleistet.
Diese Datenflut führte aber zu einem
neuen Problem: Unterschiedl iche Da–
tenbestände! Diese plötzl ich verfügbare
Datenflut überforderte die Unternehmen
und ihre Manager
Hervorzuheben ist nach Horväth, dass
die meisten Instrumente aus der Praxis
kommen. Der Forschung scheint nach
Horväth dominant die Aufgabe zuzu–
kommen zu präzisieren, zu systemati–
sieren und theoretisch zu begründen.
Weber machte bewusst: Das Instrument
b e s t i mm t die Wah r nehmung bzw.
n immt wesentlichen Einfluss auf diese.
Instrumente sollten von den Controllern
deshalb auch stets als eine Form von
Spielregeln gesehen werden, die das
Handeln unterschiedl icher Manager
koordinieren.
Controlling auf dem Weg zu einer
eigenständigen Rolle
Weber widmet sich u.a. den Schriften,
die eine Eigenständigkeit des Controlling
herausarbeiten. Vordiesem Hintergrund
ordnet Weber die verschiedenen Con–
t rol l ingkonzept ionen, die im wissen–
schaf t l ichen Raum ver t reten werden
und Praktiker mi tunter irritieren, näher
ein. Nicht erklärte Praxisphänomene
können nach den Worten Webers die
Daseinsberecht igung des Control l ing
als bet r iebswi r tschaf t l icher Diszipl in
begründen: Es spricht demzufolge viel
für die Zulässigkeit der Hypothese, dass
es in einer Welt von Könnensdefiziten
der Manager und von opportunist isch
ausnutzbaren Handlungsspiel räumen
effizient ist, die negativen Folgen solchen
„Fehlverhaltens" zu begrenzen.
Vergleichbar dem Qual itätsmanagement
in der Produkt ion macht es in Webers
Verständnis Sinn, sich intensiv über ein
Qual itätsmanagement in der Führung
Gedanken zu machen, und das ist genau
der Ansatz, den Weber/Schäffer mi t der
Rationalitätssicherung der Führung for–
mul iert haben.
Moderne Controllingforschung
Die Controllingforschung wurde in ihrer
bisherigen Entwicklung nach den Anga–
ben von Horväth vor allem durch diese
Disziplinen geprägt: Rechnungswesen,
Sozialwissenschaften und Kybernetik.
Wenn wi r Controlling in der Theorie so
sehen, was hat dann eigentlich die Praxis
von unserer neuen Erkenntnis, so fragte
Weber Nun, so Weber, sehr viel. Zunächst
einmal ist dies nach Weber die klare Absa–
ge an ein Vorgehen nach dem Prinzip des
„one size fits al l " hervorzuheben.
Da Manager eine zum Teil sehr ausge–
prägte Individual i tät besitzen, müssen
sich Controller auf die spezifischen Aus–
prägungen des Könnens und des Wollens
einstellen. Darüber hinaus gewinnt die
Interaktion mi t dem Management eine
zentrale Bedeutung und ist nicht mehr
nur ein schmückendes Beiwerk. Zahlen
müssen beispielsweise einem Manager,
der früher Controller war, ganz anders
„verkauft" werden als einem Naturwissen–
schaftler, der seine erste Managerposition
einnimmt .
Was sind die wicht igsten Objekte der
Controllingforschung heute? Darauf ant–
wortete Horväth mi t dieser Aufzählung:
Analyse des Controllingsystems, Analyse
einzelner Cont rol l ingtei lsysteme und
Tools (z. B. Planung, Budget ierung,
Reporting, wertbasierte Steuerung etc.),
Verhaltensaspekte des Controlling (z. B.
Anreizsysteme). Kont ingenzanalysen,
Erfolgsfaktoren, Performance Measure-
ment , PrincipalAgent-Beziehungen.
Horväth ergänzt diese Darstellung im
weiteren Verlauf um zusätzliche Themen–
komplexe, deren Erforschung vor uns
stehen: Intangibles. Wie lassen sich Int-
angibles messen und steuern? Networks:
Wie lässt sich der Wertschöpfungsprozess
in Netzwerken steuern? Al ignment: Wie
lassen sich alle Akt ivi täten in komplexen
Organisationen auf ein gemeinsames Ziel
ausrichten?
Controlling - Status Quo versus quo
vadis?
HornungstellteeinigeThesen auf: Danach
ist Controlling in Deutschland eine junge
Wissenschaft mi t erheblichem Potenzial.
Controlling basiert auf der Analyse und
Steuerung der betr iebl ichen Abläufe.
Die Kunst des Controlling liegt in der
Vereinfachung und Reduzierung auf das
Wesentliche. Praxis und Wissenschaft
müssen enger zusammenarbei ten, um
die Control l ing-Instrumente fort zu ent–
wickeln und sie für den betriebl ichen
Al l tag nutzbar zu machen.
Das Ac–
counting darf sich nicht zu wei t vom
Controlling entfernen.
Die IT muss klar
struktur iert sein, um Fehlsteuerungen
zu vermeiden. Der menschliche Verstand
darf nicht , wie Hornung hervorhob,
durch falsch verstandene Control l ing–
instrumente ersetzt werden. Das beste
Controlling-System nützt nichts, wenn
es von den falschen Leuten praktiziert
wi rd, ließ Hornung wissen.
Der Bereich Controlling verändert sich
derzeit sehr stark. Wirtschaftsprozesse
werden immer komplexer Dami t ist
auch
Controlling als Instrument der
Führungsunterstützung und Rationali–
tätssicherung
aus den Führungsetagen
erfolgreicher Unternehmen nicht mehr
wegzudenken, erklär te Schäffer. Das
klassische Controlling deutscher Prägung
unterliegt derzeit sowohl in den Unter–
nehmen als auch in der Wissenschaft
großen Veränderungen. Die gestiegenen
Anforderungen von Investoren und die
zunehmende Internationai isierung sind
nur zwei der Herausforderungen, denen
sich das Controlling heute stellen muss,
so Schäffer
lahns zog in seiner Begrüßungsrede ein
bemerkenswertes Fazit: Skandale um En–
ron, Worldcom und in anderen Konzernen
haben uns gezeigt, dass Controlling nicht
nur eine Frage des „Zahlenmanagements"
ist, sondern auch Softfacts wie Ethik,
Kultur und persönliche Charakteristika
berücksichtigen muss.
Die geladenen Gäste erlebten eine sehr
würdige akademische Feier Die EBS
würdigte Leistungen von drei Experten,
die sich in Forschung und Praxis um die
Wei terentwicklung des Control l ing in
Deutschland enorme Verdienste erwor–
ben haben.
Von dieser Veranstal tung gingen be–
merkenswerte Impulse für die weitere
Entwicklung des Control l ing aus. Die
Feier bestätigte schließlich auch alle, die
s i ch in besonderer Weise für das
Controlling als inzwischen bedeutungs–
volles Fachgebiet engagiert haben, insbe–
sondere auch den Herausgeber des CM,
Dr Albrecht Deyhle.
Zuordnung CM-Themen-Tableau
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