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magazin 2/07 - Alfred Biels Literaturforum
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Weiteres offene „Baustelle" ist. Sie unterstreichen aber auch die Widersprüchlichkeit, mit der die Praxis mi t diesem Themenkomplex umgeht.
Die voHiegende Studie leistet einen beachtenswerten Beitrag zur aktuellen Humankapitaldiskussion, indem sie theoretische Konzepte kompakt
vorstellt, empirische Befunde liefert und daraus einen eigenen Lösungsansatz ableitet. Diese Veröffendichung fördert die Sensibilität für diese
Aufgabenstellung und unterstützt die Lösungssuche, sie beendet sichedich nicht die einschlägige Diskussion und liefert auch keine „fertigen
Rezepte". Der kritische Betrachter sieht sich in der Einschätzung bestätigt, dass wir es bei der Humankapitaldiskussion sowohl mit einer Um-
setzungs- als auch einer Glaubwürdigkeitslücke zu tun haben.
Das andere Buch
Koch, Uwe / Otto, Dirk / Rüdlin, Mark: Recht für Grafiker und Webdesigner - Ausgabe 2007
Bonn: Galileo Design 2006 - 367 Seiten - € 34,90
Autoren und Konzeption
Die drei Rechtsanwälte Uwe Koch, Dirk Otto und Mark Rüdlin führen gemeinsam das Büro „Recht für Kreative" in Hamburg und Bedin. Dieses
Buch widmet sich Fragen rund um den Schutz kreativer Leistungen sowie Themen im Zusammenhang mit selbstständiger bzw. frei- oder
nebenberuflicher Leistungen.
Inhaltsüberblick
Schutz der kreativen Leistung (u. a. Urheberrecht und Verwendung fremder Inhalte) - Recht des Internets (z. B. „Was muss auf jeder Website
zu finden sein") - Vertragsrecht (z. B. Allgemeine Geschäftsbedingungen) - Sozialrecht (z. B. Selbstständig, scheinselbstständig oder Arbeit–
nehmer) - Recht des Selbstständigen (u. a. Start in die Selbstständigkeit) - Steuern (u. a. „Was will das Finanzamt von mir wissen) - Anhang
I: Musterverträge und Checklisten - Anhang II: Gesetzestexte
Würdigung
Dieses Buch thematisiert Fragen, die die wirtschaftliche und technologische Entwicklung aufwirft und zunehmend verstärkt. Diese Aspekte
ergeben sich vor a l l em aus der wachsenden Bedeutung des Internets und dem Einfluss der „neuen Medien". Darüber hinaus aus der steigenden
Bedeutung der Kreativität einerseits und der Problematik des Schutzes kreativer Leistungen andererseits. Schließlich kommt es zu neuen und
wechselnden Beschäftigungsformen mit unterschiedlichen vertraglichen, Steuer- und sozialrechtlichen Konsequenzen. Die in diesem Band
fokussierten Themen richten sich, so der Titel des Buches, pnmär an eine bestimmte Zielgruppe. Die Ausführungen sind darüber hinaus für
viele, die in der einen oder anderen Weise kreativ tätig sind, von Belang. Die Inhalte dieses Buches können den Arbeitsalltag hauptberuflich,
frei- oder nebenberuflich tätiger Menschen und auch den Hobbybereich betreffen. Es macht in kompakter Weise bewusst und transparent,
worauf zu achten ist und was bedeutsam sein kann . Die Antworten erfolgen in verständlicher Sprache und oft mit anschaulichen Praxisbei–
spielen. Der hilfreiche und nützliche Anhang beinhaltet beispielsweise einen Vertragsentwurf zu urheberrechdichen Fragen und u.a. eine
Checkliste zu Angaben auf Websites.
Das kritische Buch
Brinkmann, Jürgen: Zweckadäquanz der Rechnungslegung nach IFRS
Berlin: Ench Schmidt Verlag 2006 - 265 Seiten - € 46 , -
Autor und Konzept
Diese Veröffentlichung beruht auf einer im lahre 2006 an der Universität Duisburg-Essen zugelassenen Dissertation. Die Leistungsfähigkeit der
Rechnungslegung nach IFRS steht im Mittelpunkt vodiegender Untersuchung. Der Rechnungslegungsstandard des lASB ist im Begriff, so der
Autor, die handelsrechtliche Rechnungslegung zu verdrängen. Den Angaben zufolge ist es Ziel dieser Publikation, die Vor- und Nachteile dieser
Entwicklung zu analysieren und Empfehlungen auszusprechen. Der Untertitel beschreibt die Arbeit als Untersuchung aus deutscher Sicht.
Inhaltsüberblick
Einführung - Zwecke der Grundsätze der Rechnungslegung aus theoretischer Sicht - Zwecke und Grundsätze der Rechnungslegung nach HGB
und IFRS - Zweckadäquanz der IFRS-Bilanzierungskonzeption - Zweckadäquanz der IFRS-Bewertungskonzeption - Abschließende Beurteilung
und Handlungsempfehlungen.
Würdigung
Dieses Buch befasst sich weniger mit Einzelaspekten, sondern mit zentralen, grundsätzlichen Fragen der IFRS. Insoweit geht es um Eignung
und Qualität der Rechnungslegung nach IFRS. Mit wissenschaftlichen Mitteln und Grundsätzen untersucht Brinkmann die Grundlagen der IFRS.
Als Gesamtergebnis bleibt aus der Sicht des Verfassers festzuhalten, dass die Rechnungslegung einer fundamentalen Überarbeitung bedarf. Im
Geleitwort von Prof. Dr Wohlgemuth ist u.a. zu lesen: „Auf wissenschaftlich fundierter Grundlage gelingt es dem Verfasser in überzeugender
Weise, gravierende Defizite der Rechnungslegung nach IFRS aufzuzeigen". Der Verfasser gelangt zum Schluss, dass die IFRS-Rechnungslegung
weder in konzeptioneller Hinsicht, noch im Bereich der Bilanzierung und Bewertung den Erfordernissen eines auf Informationsvermitdung
ausgerichteten Rechnungslegungssystems gerecht wird. Ein wesentlicher Einwand gegen das konzeptionelle Gerüst der IFRS bezieht sich
beispielsweise auf die vom lASB unterstellte Prognoseeignung vergangenheitsorientierter Rechnungslegungsdaten. Die Auseinandersetzung
mit der Bilanzierungs- und Bewertungskonzeption der lASB hat aus Sicht des Verfassers verschiedene Kollisionen mit den Grundsätzen der
Gewinnrealisation, Vedustantizipation und Einzelbewertung zutage gefördert. Brinkmann findet zu einem fast niederreißenden Qualitätsurteil.
In ihrer derzeitigen Gestalt komme die IFRS-Rechnungslegung aufgrund diverser Verstöße gegen den Grundsatz der vorsichtigen Gewinner–
mittlung einerseits und gegen das Gewinnverkürzungsverbot andererseits fiir die Ausschüttungs- und Steuerbemessung nicht in Betracht.
Das Buch stellt insgesamt argumentativ und faktengestützt die Zweckmäßigkeit und Sinnhaft;igkeit der wachsenden Verbreitung und Aus–
dehnung der IFRS prinzipiell in Frage. Insoweit ist diese Veröffentlichung im hohen Maße diskussionswert und diskussionsbedürftig. Neben
diesen grundsätzlichen Aussagen und Ergebnissen finden sich fiJr Controller weitere bemerkenswerte Detailbetrachtungen. Diese beziehen
sich beispielsweise auf die Grundsätze ordnungsgemäßer Informationsvermittlung oder auf die Beurteilung der Entscheidungsnützlichkeit
von Rechnungslegungsinformationen. Ein Buch, das den Leser bereichert und fordert.