CM
Controller
magazin 4/06 - Franz Schmid
ZUR DIGITALEN
BETRIEBSPRÜFUNG
von Franz Schmid, Kirchardt
Franz Schmidt, Kirchardt, Lehrtwauf-
tragter der Hochschule Calw, Richter
am Finanzgericht Baden Württemberg
I. PRAKTISCHE ERFAHRUNGEN
SIND NOCH GERING
Controller sind in besonderer Weise mit
den Problemen der elekt ronischen Steuer-
prühjng konfrontiert. Die für den Datenzu–
griff berei tzustel lenden Daten des Arbeit–
gebers befinden sich teils im System des
Steuerberaters , teil im System de s Arbeit–
gebers. Die Daten nach den Vorschriften
der
GDPdU
aus unterschiedl ichen Syste–
men zusammenzubr i ngen , ist eine beson–
dere Herausforderung. Dabei bes t eht im
Einzelfall da s Problem, das s die Firmenin–
haber selbst nicht wissen, was steuerlich
relevante Daten sind und in welchem Sy–
s t em sie diese vorhal ten. Gerade Control–
ler sind deswegen gefordert, ihren Arbeit–
geber intensiv zu beraten, um so sicherzu–
stellen, da s s tatsächl ich alle relevanten
Daten auch elektronisch zur Verfügung
gestellt werden können. '
Trotz dieser Problemstel lung ist die Kennt–
nis um die Rechte und Mi twi rkungs –
pflichten i. R. einer digi talen Betriebs–
prüfung noch imme r gering. Dies kann
da r an liegen, d a s s die f inanzamt s internen
Schulungen zur digitalen Betriebsprüfung
noch durchgeführ t we r den mu s s t e n und
die Prüfer erst mi t No t ebooks und der
Prüfsoftware IDEA ausge s t a t t e t we r den
mu s s t en . Allerdings ist die S t a r t pha s e
als abge s ch l os s en zu be t r ach t en , so d a s s
die Pmfer in Zukunft ver s t ärkt mi t e i nem
Datenzugriff i. R. der Bet r iebsprüfung ar–
be i t en werden .
1. Dieses Ergebnis hatte eine Um–
frage unter Steuerberatern
Nach d em Ergebnis einer Umfrage zum
l a h r e s w e c h s e l 2 0 0 4 / 0 5 u n t e r 2 0 0
Steuerberatern der Region Braunschweig,
Salzgi t ter , Wol f enbü t t e l , Celle, Peine,
Gifhorn und Wolfsburg ergibt sich folgen–
de s Bild: Nur ca. 6 Prozent der Teilnehmer
ha t t en bere i t s eine Informat ionsveran–
s t a l t ung zum Themenkre i s Gr unds ä t ze
o r dnung smä ß i g e r DV-gestützter Buch–
f üh r ungs sys t eme und Gr unds ä t ze z um
Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler
Unter lagen besuch t . 20 Prozent der Kanz–
leien haben einen Mi tarbei ter für diesen
Tät igkei tsbereich vorgesehen , i.d.R. der
S t e u e r b e r a t e r se l bs t . 3 5 Prozen t de r
Berater g l auben , eine Verfahrensdoku–
men t a t i on gem. GoBS zu haben . 13 Pro–
zent der Kanzleien gehen akt iv mi t d em
Thema der digi talen Bet r iebspmfung um.
26 Prozent der Kanzleien verha l t en sich
abwar t end . ^
2. Auch Finanzgerichte müssen Prüf–
software anschaffen
Der Einsatz von Prüfsoftware ha t bei den
FG bi sher wenig Reakt ionen ausge l ös t .
Erst vereinzel t gibt es En t sche i dungen zu
d i esem Themenkomp l ex . Der Erwerb de r
Prüfsoftware, mi t der die Finanzverwal–
t ung arbei tet , ist bi sher erst dur ch die FG
in NRW erfolgt. Gmnd de s Erwerbs ist die
Notwendigkei t , Streitfälle in Bezug auf
den Datenzugriff zwi schen der Finanz–
ve rwa l t ung und den Un t e r nehmen in–
ne r ha l b de r FG nachvol lziehen zu kön–
nen. Der s t e i gende Einsatz von IDEA bei
de r Be t r i ebsprüfung , de r Lohns t euer –
außenp r ü f ung und der Umsa t zs t eue r –
sonde rprüfung i.R. der GDPdU ma c h t e
die Anschaffung erforderlich. Von ande–
ren FG ist de r Erwerb de r Sof tware nicht
bekannt .^
3. Steuerberaterkammer Stuttgart
publiziert erste Erfahrungen
I. R. der Bespr echung von Gmnds a t z –
fragen zwi schen den Pr äs i den t en de r
S t e u e r b e r a t e r k a mm e r n d e s L a n d e s
Baden -Wü r t t embe r g , d e n Oberf inanz–
p r ä s i den t en und d em Finanzministeri–
um Baden-Wür t t embe rg wu r den er s te
Erfahrungen mi t de r digi talen Betriebs-
prühjng publiziert. Dabei ergab sich, d a s s
im jähr 2004 Schwe r punk t e der EDV-ge-
s t ü t z t en Prühjngen die Bereiche
>• Inventuren,
>• Debi toren, Kreditoren,
>• Sachkon t en ,
>• Er s t e l lung von Pivot -Tabel len bei
Datev-CDs,
>• Überprühing der unfert igen Arbei ten,
>- Vor s t eue rve rprobungen ,
>• Dauer schuldentge l t e , ,
>• Ab s t immung und Ve rprobung von
Ba r e i nnahmen
wa r en . Aus der Sicht der Finanzverwal–
t ung wa r der Datenzugriff in der Praxis
probl emlos . Eine eigene S t e l l ungnahme
de r S t eue r be r a t e r kamme r ist leider nicht
wiedergegeben. "
II. DIE GRUNDSÄTZE ORDNUNGS–
GEMÄßER DV-GESTÜTZTER BUCH–
FÜHRUNGSSYSTEME (GoBS) GEL–
TEN SEIT 1995
Die Gr unds ä t ze o r dnung s g emä ß e r DV-
ges t ü t z t e r Buch f üh r ungs sys t eme (GoBS)
sind 1995 in e inem Erlass de s Bundesfi–
nanzmi n i s t e r i ums festgelegt worden.^ Sie
er se t zen nicht die GoB; sie stel len eine
Pr äz i s i emng de r GoB im Hinblick auf die
DV-Buchfühmng da r und beschre iben die
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