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CM Controller magazin 4/06 - Dagmar Preißing
Zuordnung CM-Themen-Tableau
11
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25
P
F
G
BEWERTUNG VON
HUMANKAPITAL
von Dagmar
Preißing,
Montabaur und Leipzig
Dr. Dagmar Preißing ist Professorin für ABWL
mit Sciiwerpunl<t Personal und Füfimng an der
privaten Fernfachtiochschule AKAD in Leipzig
Kurze
Produkt l ebenszykl en , fortschrei–
t ende r t echnologi scher Wandel und eine
erhebl i che Umwe l t dynami k fordern von
U n t e r n e h m e n e i n h o h e s M a ß a n
Reak t i onsve rmögen , Anpassungs fähig–
keit und Kundenor i ent i erung, um am
Ma rk t we t t bewe rbs f äh i g zu bleiben. Ent–
s p r e chend hoch s ind die Anforderungen
an d a s Ma n a g eme n t und die Mi tarbei ter
eines
Un t e r nehmen s .
Damit wird das
Humanvermögen zu einem immer
wichtigeren wirtschaftlichen Erfolgs–
faktor bei der Realisierung des lang–
fristigen Untemehmenszwecks.
Diese
Sichtweise ist inzwi schen se lbs t redend;
aktuel l stellt sich vi e lmehr die Frage na ch
mögl i chen Verfahren zur we r tmäß i gen
Erfassung de s Humankap i t a l s . Denn ge–
rade im Rahmen des Ri s ikomanagement s
und im Rating-Verfahren gewi nn t dieser
Per sona l aspekt an Bedeu t ung .
Doch die Ermi t t lung eines Wer tes für da s
Humankap i t a l ges t a l t e t sich als kom–
plexes Vorhaben: Account ing-orient ierte,
indika torenbas i er t e ode r auch er t rags–
or ient ier te Me t hoden und Verfahren er–
we i sen sich aufgrund ihrer Komplexi tät
of tmals als wenig prakt ikabel . Und auch
di e i nha l t l i che Au s s agek r a f t ist dis–
kuss ionswürdig.
Aber gibt es Überhaupt einige wesent–
liche und gültige Kriterien, die den
Wert des Humankapitals aussage–
kräftig messen?
Ia, und zwar jene, die folgende zent ra l e
Frage be an two r t en : Sind d a s Manage –
me n t und die Mi tarbei ter de s be t racht e–
t en Un t e r nehmen s
in der Lage, die für
den langfristigen Untemehmensfort-
bestand erforderlichen Prozesse zu er–
kennen, zu kreieren und vor allem
umzusetzen?
Denn es sind s t e t s die
hande l nden Individuen in e i nem Unter–
nehmen , die all die gese t z t en Abs ichten,
Ankünd i gungen und Ziele er reichen und
verwi rkl ichen sollen. Und es sind auch
die Menschen , die den intel l igenten Um–
gang mi t den vo r h a nd e n e n Ressourcen
de s Un t e r nehmen s ve r an two r t en .
Damit
ist der
Humankapitalwert ein Indikator
dafür, wie sich die Interakt ion zwi schen
den Anforderungen de s Ma rk t es und den
Fähigkei ten de s Ma n a g eme n t s und
der
Mitarbeiter gestaltet.
Interaktionsgleichgewicht Markt und
Unternehmen
Man kann d a n n von e i nem posi t iven
Humankap i t a lwe r t spr echen , wenn ein
Int erakt ionsausgl e i chgewi cht zwi schen
Markt und Un t e r nehmen bes t eh t .
Aus
d i ese r Si ch twe i se abge l e i t e t , mü s s e n
drei zentrale Kriterien der Messung
de s Humankap i t a l s zug r unde liegen:
1.
die Ve r ände r ung s be r e i t s cha f t d e s
Ma n a g eme n t s und der Mi tarbei ter ;
2. die Ve r ha l t ensmus t e r de s Manage –
me n t s und de r Mi tarbei ter ,
3 .
di e Ausgewogenhe i t zwi schen pro–
gress iven und e r ha l t enden Kräften
innerhalb der Un t e r nehmen s s t r uk t u r
Aus diesen Kriterien l assen sich für die
Mes sung de s Wer ts der Belegschaft ent–
sp r echend prakt ikable Indikatoren ab–
leiten. Sie bi lden di ese kompl exen Sach–
verha l t e quan t i t a t i v fo l gende rmaßen ab
(siehe Tabelle auf der nächs t en Seite).
Diese Indikatoren stellen den Kern der
Me s s ung dar, doch könn t en di ese noch
s i t ua t i onsbed i ng t ergänz t we rden .
Messinstrumente
Die
Erhebung der Indikatoren erfolgt an–
h a n d der Me s s i n s t r umen t e
Interview,
Befragung, Beobachtung und
Dokumentananalyse.
Hierbei sind Gegen–
s t and der Be t r ach t ung beispielhaft
—• Meet ings ,
—• Telefonkonferenzen,
En t sche i dungs f i ndungsprozes se ,
—• Ums e t zungsp r oze s s e ,
—» Kommun i ka t i on und Informat ion,
- » Informa t ions t echnologi e ,
f o rme l l e u n d i n f o rme l l e Ma c h t –
ver tei lungen.
Bedeu t s am in d i esem Kontext ist d a s
Vers tändni s dafür, d a s s die int erne und
ex t e rne Interakt ion eines Un t e r nehmen s
mi t d em Markt meh r ist als die S umme
aller Einze lhandlungen und Individual-
eigenschaf ten seiner Mi tarbei ter und de s
Ma n a g eme n t s . Das heißt , die Bewer tung
de s Humankap i t a l s ist we i t re i chender zu
ver s t ehen , näml i ch im Sinne einer Über-
summa t i v i t ä t . Es geh t nicht nur da r um,
a u s den e r hobenen personalwi r t schaf t –
lichen Kennzahlen berei t s zu einer ab-
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