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magazin 4/04
und gefährliche Einbrüche folgen kann.
Geht es spezifisch um die Frage des Ma–
nagements von Unternehmensdynamik,
so lässt sich aus einer mehr als zwanzig–
jährigen Erfahrung in der Beratung mit–
telständischerUnternehmen die Erkennt–
nis ableiten, dass drei Faktoren zentrale
Schlüsselkraft besitzen:
»* die Kompetenz und Qualität der „Stra–
tegie";
»* die Rolle der betroffenen und betei–
ligten „Menschen";
•* die „Führung" in ihrer besonderen,
das heißt erstinstanzlichen Rolle und
Verantwortung für das Unternehmen.
Strategie ist Ausdruck des Manage–
ment-Willens,
wo - in welcher Schneise
- ein Geschäft verankert werden soll, um
die Chance seiner Einzigartigkeit in einer
nachhaltig führenden Marktstellung zu
nutzen. Strategie steuert also das Arran–
gement mit seinem Umfeld. Strategie
baut vor, um eben keine Überraschun–
gen zu erieben. Strategie hat eine ein–
fache Grundformel und Botschaft: Sie legt
die Hauptleitung in die Zukunft. Ist die
Hauptleitung hingegen falsch oder fehlt
sie gar, sind auch alle Ableitungen falsch.
Das Scheitern ist vorprogrammiert.
Der Kern ist, die eigene Nische zu fin–
den und - zu besetzen.
Konkret: Wel–
chen konkurrenzlosen Nutzen stiften wir
dem Kunden?
Eine Nische besetzen ist
das Wertvollste, was eine Strategie er–
reichen kann:
die Kraft einer Marke.
Aus–
tauschbarkeit hingegen ist der größte
Feind der Zukunftsfähigkeit.
Strategie
braucht also eine klare Vorstellung des
Managements über das in der Zukunft
anzustrebende Unternehmen und seine
Einordnung im Wettbewerb. Sie basiert
aufumfassenderWertschaffung.Unddas
bedeutet: Nur Strategie sichert Marktpo–
sition und damit künftige Ertragskraft.
Beim Stichwort „Unternehmenspoten–
ziale" denken die meisten an Geld- und
Sach-Ressourcen. Tatsächlich bedeutsam
ist aber
das menschliche Potenzial.
Die
Erklärung liefert das menschliche Gehirn.
Worum geht es? Die drei Gehirne:
Stamm–
hirn, Großhirn und Zwi schenhi rn
wirken zusammen und steuern durch
ihre instinktiven, emotionalen und ratio–
nalen Reaktionen
das
menschliche Ver–
halten. Sie sind so etwas wie ein naturge–
gebener Talentschuppen. Die Strukto-
gramm-Forschung spricht hier von dem
sog. „drei-einigen Gehirn". Es ist sozu–
sagen Synonym für die Ganzheitlichkeit
des Menschen, insbesondere für seine
Fähigkeit, sich in seinem Umfeld zurecht–
zufinden und sein Überleben zu meistern.
Die Menschen verkörpern mit ihren krea–
tiven, disposi t iven und handlungs–
wirksamen Potenzialen das wichtigste
Vermögen eines Unternehmens für seine
Zukunft. Es findet sich nicht in der Bilanz.
Die
Menschen vitaler, auf Zukunft gerich–
teter Unternehmen
übernehmen Regie
für ihr Schicksal und verfügen über die
Kraft zur Veränderung,
rechtzeitig und
ohne harte Friktionen zu reagieren. Ver–
änderungen jedoch sind nur möglich,
wenn Menschen sich - konkret ihr Ver–
halten - ändern. Verändern aber heißt
bewegen. Und Bewegen braucht Vorstel–
lungskraft (Imagination und Inspiration).
Die menschlichen Potenziale sind des–
wegen das tiefere Geheimnis jeder Stra–
tegie - allen voran Vorstellungskraft:
Unser Gehirn, die unbekannte Größe
„le mehr Menschen in einem Unterneh–
men arbeiten, die sich vorstellen kön–
nen, wohin das Unternehmen strebt,
desto wahrscheinlicher ist es, dass es
auf diesem Weg zum Ziel gelangt" .
(R. M. Tomasko) Die Energie für eine kraft–
volle Zukunftssicht und „Change" wächst
folglich mit dem Maß an gemeinsamer
Vorstellungskraft der Beteiligten.
In der Praxis vieler Unternehmen wird
dieser Tatbestand oft ignoriert: Der
Mensch steht zwar im Mittelpunkt, doch
genau hier häufig auch sich selbst am
meisten im Wege. Daraus folgt eine eben–
so klare wie einfache Forderung: Wenn es
um Lebensfähigkeit, um die Lösung kom–
plexer Aufgaben und Probleme geht, das
Sichern bzw. Verteidigen von Wett–
bewerbsfähigkeit und die Entwicklung
neuerWettbewerbspositionen, brauchen
wir die ungehemmte Entfaltung aller
Kräfte. Es geht darum, die Potenziale, die
im Unternehmen und seinen Leuten
schlummern, zu mobilisieren. Mit ande–
ren Worten: Die Menschen entscheiden
darüber, ob ein Unternehmen lebt oder
stirbt.
Strategische Führer wissen: Vertrauen ist
teilbar und wahre Champions leben es.
Sie führen mitarbeiterbasiert.
Hier liegt
der wahre Quell für „Zukunft". Führen
heißt, sich in die Mitte stellen und das
Ganze erfolgreich machen!
Kern erfolg–
reicher Führung ist, die ganzen inne–
ren Potenziale im Einklang mit sich
selbst erfolgreich nach außen mana–
gen
und zum nachhaltigen Vorteil aller
vernetzen. Die Führung weckt diese Po–
tenziale, organisiert und steuert sie zum
Vorteil aller Die Strategie ist Leitstrahl.
Die Führung eines robusten Unter–
nehmens. . .
1. ... ist ausgeprägt realistisch in der
Einschätzung der individuellen Situa–
tion nach innen wie außen;
2. ... bezieht dabei alle Koordinaten,
insbesondere alle Leistungs-, Wis–
sens- und Kompetenzträger umfas–
send und ausgewogen in die Über–
legungen ein;
3. ... hat aufgrund dessen eine klare
undweitsichtige Vorstellung von dem
zu
schaffenden Unternehmen;
4. ... steuert alle Handlungen der Or–
ganisation und ihrer Interakte konse–
quent in der Verfolgung der ange–
strebten Positionierung im Wett–
bewerb;
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