Seite 19 - CONTROLLER_Magazin_2004_04

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Controller
magazin 4/04
verstärkt die JVleinung durcligesetzt, dass
das JViodell des homo oeconomicus, also
des vollkommen wirtschaftlich rational
handelnden iVlenschen, nicht länger auf–
recht zu erhalten ist. Dagegen wird das
Modell durch den realitätsnäheren, von
Simon entwickelten homo organisans
ersetzt, der begründet durch seine kogni–
tiven Grenzen nur in beschränktem Maße
rational handeln kann. '
Wenn diese Erkenntnis auf die zur
Informationsversorgung eingesetzte Soft–
ware angewandt wird, kann diese durch
Redukt ion des Kompl exi tät s - und
Abstraktionsgrades einen erheblichen
Beitrag zur Erreichung der von Simon
postulierten eingeschränkten Rationali–
tät beitragen. Erreicht werden kann dies
durch den Einsatz von Kennzahlen–
modellen, die mit vordefinierten Funktio–
nen und Analysen angereichert sind.
Im Bereich der Informationsaufbereitung
sollte die Software in der Lage sein, die
Informationen graphisch darzustellen,
dynamische Verknüpfungen zu inte–
grieren und komplexe Zusammenhänge
multidimensional darstellen zu können. '
Unterstützung der unt e rnehmens –
weiten Zusammenarbeit und Kommu–
nikation:
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist
der Einsatz im gesamten Unternehmen.
Dazu ist es notwendig, dass jeder Mitar–
beiter Zugriff auf die BSC hat. Durch eine
IT-Unterstützung ist es möglich, dass
unternehmensweit das Zahlenmaterial
und auch qualitative Komponenten, wie
die ausformulierte Strategie oder die
Ziele der BSC eingesehen werden kön–
nen. Diese Informationsverbreitung kann
durch Einbindung von Email- und Work–
flow-Funktionalitäten weiter unterstützt
werden.**
Verschlankung des Berichtswesens:
Über die Software können Entscheidungs–
träger jederzeit eine Vielzahl von Infor–
mationen abrufen, die für die Entschei–
dungen benötigt werden. Dadurch kann
auf viele der bisher verwendeten papier–
gebundenen oder elektronischen Berich–
te verzichtet werden. Durch die digitale
Verfügbarkeit und die Möglichkeit der
elektronischen Verknüpfungen ist es so–
gar teilweise möglich, auf Papier zu ver–
zichten. '
Ermöglichung einer hohen Dynamik:
Gerade dynamische Branchen setzen die
BSC häufig ein, um eine Ausrichtung auf
die strategischen Ziele zu erreichen.'°Die
Verwendung einer flexiblen Software,
welche es ermöglicht, dass ohne großen
Aufwand Ziele und deren Kenngrößen an
die neuen Anforderungen des Marktes
angepasst werden können, kann dieser
Dynamik Rechnung tragen.
2.2 Kritik an BSC-Software
Die Meinungen, wie sinnvoll
der
Einsatz
von Software zur Unterstützung der BSC
ist, gehen auseinander. Die Gegner von
spezieller BSC-Software verweisen auf
existierende MIS oder auf einfache Lö–
sungen mit Hilfe der Office-Produkte. Der
damit verbundene
Einsatz von Tabellen–
kalkulat ionsprogrammen ' zur Um–
setzung der BSC
weist jedoch deutliche
Nachteile gegenüber der speziellen BSC-
Software auf. Diese liegen insbesondere
bei der Anwenderverwa l tung , den
Kommunikationsmöglichkeiten und den
Analysefähigkeiten. Der Einsatz ist zwar
zunächst budgetfreundlich und so für
sehr kleine Unternehmen oder in einer
ersten Anlaufphase eine Alternative.'^
Langfristig bewirkt jedoch häufig die
umständliche Datensammlung, der hohe
Entwi cklungsaufwand für fehlende
Funktionalitäten sowie höhere Anforde–
rungen an Optik und Bedienbarkeit, dass
man sich für eine professionelle Software
entscheiden wird.'^
Sicheriich ist darüber zu diskutieren, in–
wiefern durch den Einsatz einer BSC-Soft-
wäre ein
komp l e t t e s
pa r a l l e l es
Reporting aufgebaut
wird. Es sollte ver–
sucht werden, dies zu vermeiden. Häufig
werden Unternehmen deswegen wahr–
scheinlich
auf das passende BSC-Soft–
ware-Modul zu ihrer existierenden
Untemehmenssoftware zurückgreifen.
Im Bereich der Unterstützung bei der
Implementierung wird im Rahmen der
Kritik an der BSC-Software ins Feld ge–
führt,
dass ein solch hoch komplexes
Thema,
welches viel Kreativität und gei–
stige Flexibilität veriangt,
nicht durch
einen Computer gelöst
werden kann.
Die grundsätzlichen Hilfen und Hinweise,
die das Programm dabei liefern kann,
sollen dem Entwickler nach Meinung
der
Gegner einer speziellen Software schon
vor dem Start des BSC-Projektes geläufig
sein, um den Prozess effektiv zu beglei–
ten. '" Dem Kritikpunkt, dass der Einsatz
von BSC-Software das Einarbeiten in die
Materie nicht ersetzen kann, kann nichts
entgegengesetzt werden. Die Übernahme
der Einarbeitungsphase ist jedoch nicht
die Zielsetzung der BSC-Software. Wenn
das Tool jedoch als eine Art Checkliste
ftjngiert, die zeigt, ob etwas „vergessen"
wurde, kann dies nicht nachteilig sein.'^
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AUSWAHLPROZESS
UND
-KRITERIEN DER BSC-SOFTWARE
3.1 Ablauf der Auswahl von BSC-
Software
Voraussetzung für den hier vorgeschla–
genen Prozess ist, dass die BSC bereits im
Unternehmen eingeführt ist. Falls die
Software in einem früheren Stadium aus–
gewählt werden würde, ist davon auszu–
gehen, dass der Anforderungskatalog
nicht den tatsächlichen Anforderungen
entspricht und damit für die Zukunft
große Nachteile entstehen können.
Für den Auswahlprozess, wie in Abbil–
dung 1 gezeigt, wird als erster Schritt
vorgeschlagen ein Expertenteam mit
Mitgliedern aus verschiedenen Hierar–
chiestufen und Bereichen zusammenzu–
stellen.'* Dieses Team sollte aus
Mitar–
beitern bestehen, die „nur ansehend"
sind
(Vorstand), aus
analysierenden Mit–
arbeitern
(Controller) und aus
kommen–
tierenden Mitarbeitern
(Fachanwender).
In einem weiteren Schritt werden
die ge–
forderten Eigenschaften,
die das Pro–
gramm aufweisen soll, zusammenge–
stellt. Dabei bietet es sich bei einer ge–
planten Nutzung von
Lysios an, diese
systematisiert nach Anbieterumfeld,
allgemeinen Produktanforderungen,
technischen Anforderungen, funktio–
nalen Anforderungen, Kosten und
Service zu erfassen.
Im Bereich der funk–
tionalen Anforderungen sollten insbeson–
dere die späteren Anwender befragt wer–
den. Bezüglich der technischen Anfor–
derungen können die Experten der IT-
Abteilung wertvolle Hinweise geben. Falls
das aktuelle IT-System die aufgestell–
ten Anforderungen erfüllt, kann mit
der Umsetzung im Rahmen der vor–
handenen Ressourcen begonnen und
der Auswahlprozess abgebr ochen
werden.
Nun muss eine
Gewichtung der einzel–
nen Kriterien vorgenommen werden.
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