Seite 88 - 1999-06

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C o n t r o l l e r
magazin
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DAS RECHNUNGSWESEN IN
ALTEN- UND PFELEGEHEIMEN
MIT SCHWÄCHEN
von Lothar
Kuhls,
Hannburg
Lothar Kuhls, SIMPLYST Rechnungswesen
Management GmbH & Co. KG, Sachsenfeld 2,
20097Hamburg, Tel. 040 / 6695130
Veränderte Rahmenbedingungen für
die Sozialeinrichtungen
Die gegenwärtige demografische Entwick–
lung der Gesellschaft in Deutschland ist
von einem
deut l ich steigenden Alters–
durchschni t t geprägt .
Sie hat nicht nur
erhebliche Auswirkungen auf den Arbeits–
markt und die Leistungsträger, sondern
lässt auch quantitativ wie qualitativ
die
Anfordemngen an soziale Dienstleistun–
gen deutlich steigen. Fast zwangsläufig
wachsen allerorts
neue Wohnst i fte
em–
por Gleichzeitig entsteht zwischen die–
sen Einrichtungen allerdings auch ein
wachsender Wet tbewerb, wei l immer
mehr Großinvestoren und Firmengruppen
mit sehr modernen Einrichtungen in den
traditionellen und überwiegend von
den
Sozialorganisationen und Kirchen gepräg–
ten Kreis der Anbieter im Bereich der Al–
ten- und Pflegeheime eindringen. Hinzu
kommt, dass durch die allgemeinen Pro–
bleme der Leistungsträger die wirtschaft–
lichen Spielräume immer enger werden.
Darüber hinaus hat die Einfühmng der
P f l e g ebu c h f üh r ung s v e r o r dnung
per
01.01.1997 ein neues Regelwerk für das
Rechnungswesen von Alten- und Pflege–
heimen geschaf fen. Diese Ände r ung
nimmt nicht nur im Bereich der Erlöse,
sondern auch der Kosten maßgebl ichen
Einfluss auf die Struktur der Daten für die
Pflegesatzverhandlung.
Dadurch stehen besonders die herkömm–
lichen Einr ichtungen vor einer Reihe und
zudem deutl ich wachsender Probleme,
die in Einzelfällen sogar eine Existenzge–
fährdung auslösen können:
• A u f g r u n d de r deu t l i c h se r v i ce –
orientierten Ausr ichtung der neuen
Anbieter entsteht ein
Druck zu r Stei –
gemng der Dienst leistungsqual i tät ,
um konkurrenzfähig zu bleiben.
• Die angesprochene Klientel macht
zunehmend
höhere Ansp r üche
hin
s icht l ich der Bet reuung und des
Wohnkomfor ts geltend.
• Diese sehr unternehmer isch geführ–
ten Mi tbewerber lösen bei den klassi–
schen Einrichtungen einen
Dmck zu r
Wi rtschaf t l ichkei tsopt imiemng
aus.
• Die
Pf l egesat zverhand l ungen
mit
den Leistungsträgern werden zuneh–
mend schwieriger und ver iangen Be–
rechnungen, die mit den bisherigen
Auswertungsinstmmenten nicht aus–
reichend zu eriangen sind.
• Die bislang
unzu r e i chende Markt –
ausr i chtung,
dargestellt in entspre–
chenden vertrieblichen und vertriebs–
unterstützenden Maßnahmen, bringt
die Einr ichtungen in eine ungünst ige
Wettbewerbsposi t ion.
Daraus ist schlusszufolgern, dass in
den
Al ten- und Pflegeheimen ein unterneh–
merisches und gleichzeitig marktorien–
tiertes Selbstverständnis Einzug halten
muss. Dazu gehört zwingend, im Bereich
der Kostenrechnung moderne Maßstäbe
anzulegen, und dies bedeutet in der Kon–
sequenz: Es müssen EDV-technische In–
strumente eingesetzt werden, die eine
hohe Aktual i tät und Transparenz der
gesamten buchhal ter ischen Daten ge-
währ ieisten. Denn nur auf dieser Basis
k ö n n e n e i ne r se i t s Po t ent i a l e z u r
Wirtschaftl ichkeitsoptimiemng erkannt
werden und ist weiterhin eine aktive und
unternehmerische Steuerung der Einrich–
tung mögl ich.
Unzureichender Einsatz von moder–
nen Instrumenten zur Optimierung der
Wirtschaftlichkeit
Bislang begnügen sich die meisten Al ten-
und Pflegeheime mit relativ einfachen
und häufig manuel len Mi tteln beispiels–
weise zur Ermittlung der Pflegesätze. Sie
gelangen dadurch bei den Pflegesatz–
ve r hand l ungen häuf ig in erhebl i che
Argumentationsnöte, die sich für sie nach–
teilig auswi rken und unter Nutzung mo–
derner Softwarewerkzeuge zudem ver–
meidbar sind.
Gleichzeitig bestehen häufig unzureichen–
de Organisationsverhältnisse mit einer
unzureichenden Gewichtung des Rech-
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