Seite 60 - 1999-06

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Der lASKonzernabschluss geht dami t
vom sog.
dynamischen
Vermögensbegriff
aus und bezieht sich auf dessen zul<ünf-
tige und nicht auf die gegenwärtigen Ei–
genschaften. Dieser Ansat z trägt der
Ausr ichtung der lAS-Rechnungslegung
u n d i h r em Z i e l Re c hnung , dem
lahresabschlussadressaten Informatio–
nen bereitzustellen, mit denen er die zu–
künftige Entwicklung des Unternehmens
abschätzen kann. Der Vermögensbegriff
des HGB ist h i ngegen s tat i sch u n d
vergangenheitsorientiert.
Diese Vermögensgegenstandsdefinition
versetzt den Finanzanalysten in die Lage,
wesentliche Informationen für die Aktien–
analyse aus dem Jahresabschluss zu be–
ziehen und dami t letztlich auch die Qua–
lität der Inputdaten in der Aktienanalyse
zu erhöhen. Nur Vermögensgegenstände,
die in der Zukunft neue Mi ttel generie–
ren, werden sich in der Bilanz wiederfin–
den . Geme i nsam mi t dem acc r ua l
principle erhält der Analyst dami t bei der
Bi lanzanalyse eine wesentl iche Indika–
t ion über das künftige Ertragspotential
des Unternehmens. Die Bedeutung die–
ser Rechnungslegungsphi losophie für
Wachstumsunternehmen wi rd im Rah–
men einer Darstellung der resultieren–
den bilanziellen Konsequenzen deutl ich.
3.2 Positionen der Bilanz und GuV
Der ausgewiesene lahresüberschuss bzw.
-fehlbetrag gibt Auskunft über den verfüg–
baren Gewinn, der an die Anteilseigner
ausgeschüttet bzw. den Rücklagen zuge–
führt werden kann. Er ist somit Ausgangs–
punkt der Aktienanalyse zur Beurteilung
der Ertragskraft des Unternehmens.
Die bei den Wachstumsunternehmen zu
beobachtende deutl iche Verschiebung
v on den t radi t ionel len Indust r ien zu
Zukunftsbranchen wie Telekommunika–
t ion, Biotechnologie oder Mul t imedia
wi rkt sich auch maßgebl ich aufdie Bilanz–
s t ruk t ur der Un t e r nehmen aus. Die
Zukunftsbranchen sind bspw. charakte
risiert durch eine tendenziel l niedrigere
B i l anz summe , eine ger inge An l age –
intensität, niedrige Pensionsrückstellun–
gen u n d h o h e Fo r s chungs - u n d
Entwicklungsauhwendungen. Diese Fak–
toren fließen zwangsläufig auch in die
GuV und die Cash Flow-Rechnung ein
und können das Ergebnis nachhaltig be–
einflussen.
Die Konsequenzen und Bedeutung des
accrual principle und die Verwendung
einer dynami schen Vermögensbegriff–
def ini t ion in diesem Kontext können
anhand von zwei Beispielen aufgezeigt
werden.
3.2.1 Beispiel 1: Langfristige Fertigungs–
aufträge
So entstammen zum ersten viele Unter–
nehmen im Neuen Markt der Software-
und IT-Branche und entwickeln kunden–
individuel le informationstechnologische
Systeme. Diese Aufträge zeichnen sich
aufgrund dieses Cus tomi z i ng häuf ig
durch sehr lange Projektphasen aus, die
sich über mehrere Geschäftsper ioden
erstrecken können. Nach lAS 11 ist bei
diesen sog. langf r i st igen Fer t igungs –
a u f t r ä g e n
g r u n d s ä t z l i c h
d i e
„Per centage - of - Comp l et i on -Methode"
a n z u w e n d e n , die e ine Gew i n n –
r ea l i s i e r ung
e n t s p r e c h e n d
dem
Leistungsfortschritt vorsieht. Durch die
se - dem im HGB v e r anke r t en
Realisationsprinzip entgegenstehende -
periodengerechte Gewinnermittlung kön–
nen Wachstumsunternehmen mit ange–
spann t e r Er t rags lage eine Ergebnis-
glättung erreichen und bereits Erträge
aus einem Auftrag zuweisen, der mit dem
Kunden noch nicht endgültig abgerech–
net ist.
Ein Beispiel hierfür ist die Management
Data AG. Sie erbringt Leistungen im Be–
reich der Programmierung und Imple–
ment ierung von Sendeplanungs- und
Steuerungssystemen für Hörfunk- und
Fernsehanstalten. Die Leistungen im Rah–
men dieser Auftragsfert igung werden
nach lAS 11 entsprechend dem Grad der
Fertigstellung zum Bilanzstichtag erfasst.
Ein Blick in die Konzernbi lanz der Mana–
gement Data AG offenbart, dass diese
laufenden Projekte mit einer Höhe von
rund 9,25 Mio. DM annähernd 60 % der
Gesamtumsatzedöse von 15,9 Mio. DM
im Geschäftsjahr 1998 ausmachen. Der
daraus resul t ierende (tei l - )real isierte
lahresüberschuss von knapp 4,1 Mio.
DM trägt entscheidend dazu bei, dass
ü b e r h a u p t e i n po s i t i v e r (Gesamt - )
lahresüberschuss von knapp 0,4 Mio.
ausgewiesen werden konnte.
Aus finanzanalytischer Sicht ist die An –
wendung des accrual principle sehr zu
begrüßen, da eine in den jähren der Er–
stellung unterbewertete bzw. in dem |ahr
der Projektübergabe überbewertete Er
tragslage nicht zweckdienl ich ist, um
zukünftige Erträge zuveriässig abschät–
zen zu können. Andernfal ls würde es zu
sehr volati len Ertragsabbi ldungen kom–
men, in dem Geschäftsveriauf solcher
Wachstumsunternehmen nicht gerecht
werden und die externe Akt ienanalyse
maßgebl ich erschweren. Im dargestell–
ten Beispiel könnte etwa das relative
Beweri :ungsverfahren überhaupt nicht
zur Anwendung gelangen.
3.2.2 Be i sp i e l 2: Fo r s chung s - u n d
Entwi ck l ungskos t en
Ebenso wie diese Bi lanzierung von lang–
fristigen Aufträgen ist die Behandlung
der Forschungs-und
Entwicklungskosten
bedeutend. So operiert die Mehrhei t der
Wachstumsunternehmen in den ausge–
sprochen wettbewerbsintensiven High-
Tech-Märkten und ist, um in einem sol–
chen Umfeld bestehen zu können, fort–
laufend gezwungen, in die rasche Ent–
wicklung und Einführung neuer innova–
tiver Produkte zu investieren. Für diese
Unternehmensgruppe ist daher bei der
E r s t e l l ung v o n A b s c h l ü s s e n übe r
Berichtsperioden, die ab dem l . )uli 1999
beg i nnen , lAS 38, der immater iel le
Vermögensgegenstände und deren Bilan–
zierung behandelt, wicht ig.
Un t e r imma t e r i e l l en
Ve rmögen s –
gegenständen versteht das lASC identifi–
zierbares, nicht monetäres Vermögen
ohne physische Substanz, durch dessen
Nutzung dem Unternehmen in Zukunft
wirtschaftl iche Vorteile erwachsen wer–
den. Daneben müssen die Anschaffungs–
und Herstellungskosten zuverlässig er–
mittelt werden können. Dabei unterschei–
det lAS 38 grundsätzl ich nicht zwischen
erworbenen und selbsterstellten imma–
teriellen Vermögenswerten. Unter diesen
Standard fallen auch die für Wachstums–
unternehmen zentralen F&E-Aufwendun-
gen, die früher separat in lAS 9 behandelt
worden sind. ' "
Das lASC unterteilt dabei den Zeitraum
z u r En t w i c k l ung eines Ve rmögens –
gegenstands in eine Forschungs- und Ent–
wicklungsphase. Alle in der Forschungs-
phase(Grundlagenforschung) anfallenden
Ausgaben sind in der gleichen Periode
erfolgswirksam als Aufwand zu erfassen.
In der Entwicklungsphase ist das Unter–
nehmen hingegen bereits in der Lage,
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